Lifelong Learning Mitarbeiter lernen länger

Der demografische Wandel erfordert neue Bildungskonzepte für die Belegschaft.

Dana Heide | , aktualisiert


Foto: Text und Gestaltung/Fotolia

Die Automobilbranche geht voran

Die Tester sehen so aus, als wären sie sehr vorsichtige Inlineskater: Polster an Ellbogen und Knien, der Rest des Körpers ist eingepackt in Protektoren.

Die Verkleidung dient aber nicht zum Schutz vor Stürzen. Bei Volkswagen tragen den sogenannten Alterssimulationsanzug zuweilen die Produktionsplaner. Damit sollen sie nachvollziehen, welche körperlichen Einschränkungen ältere Mitarbeiter haben können.

Volkswagen hat den Anzug zusammen mit der Technischen Universität Chemnitz entwickelt. "Die Autoindustrie ist eine der fortschrittlichsten Branchen, wenn es darum geht, die Bedürfnisse von älteren Mitarbeitern zu berücksichtigen", sagt der Wirtschaftspädagoge Thomas Zwick, der an der Universität München über demografischen Wandel forscht.

Die Belegschaft altert rapide

Mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmen haben inzwischen Maßnahmen zur Förderung älterer Beschäftigter ergriffen, hat eine Studie von Zwick und dem Wissenschaftler Christian Göbel von der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit ergeben.

Die Wirtschaft nimmt sich eines dringenden Themas an. Die Belegschaften altern rapide: Waren im Jahr 2000 erst 37 Prozent der 55- bis 64-Jährigen erwerbstätig, so stieg die Quote bis 2010 laut dem Institut der deutschen Wirtschaft auf 57 Prozent an. Unter den 60- bis 64-Jährigen wuchs der Anteil sogar von 20 auf 41 Prozent.


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Lifelong Learning

Auch bei VW ist das Durchschnittsalter gestiegen – seit 1998 von knapp 38 auf mehr als 42 Jahre. Der Konzern hat aus Rücksicht auf seine älteren Mitarbeiter seine Schichtpläne angepasst, manche Beschäftigte müssen nur noch Tagschichten arbeiten. Die Nachtschichten fallen für sie aus.

Das heißt jedoch nicht, dass Ältere weniger leistungsfähig sind. Zwick und Göbel haben herausgefunden, dass unter den richtigen Bedingungen sogar das Gegenteil der Fall ist. Eine Voraussetzung ist die Weiterbildung älterer Beschäftigter.

Forschern am Jacobs Center on Lifelong Learning in Bremen zufolge können auch 70-Jährige noch Klavierspielen oder eine neue Sprache lernen – ohne wesentlich langsamer als Jüngere zu sein.

Spezielle Angebote für Ältere

Allerdings verfolgen Ältere andere Lernstrategien. Bildungsanbieter müssen daher auf sie zugeschnittene Programme anbieten. Bisher gibt es spezielle Weiterbildungsangebote für Ältere aber nur in rund jedem zweiten Unternehmen.

Langfristig werden die Firmen um mehr Engagement kaum herumkommen. Wegen der Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf 67 Jahre bleiben die Mitarbeiter vielerorts länger im Betrieb.

Bei den meisten Unternehmen erschöpft sich die Förderung Älterer noch in Regelungen zur Altersteilzeit. Eine Umfrage des Personaldienstleisters Randstad unter rund 1000 Personalleitern hat ergeben, dass nur 28 Prozent der Firmen versuchen, ältere Mitarbeiter länger an sich zu binden. Das Bewusstsein für den demografischen Wandel – noch ist es nicht überall angekommen.

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