Leitfaden für Feedback-Gespräche Richtig ausholen – nach fairen Regeln!

Kritik steckt niemand gerne ein. Das sollte jeder bedenken, der etwas an anderen auszusetzen hat und behutsam vorgehen. So finden Sie die richtigen Worte, den richtigen Zeitpunkt und den richtigen Ort.

Marcel Berndt, wiwo.de | , aktualisiert

Richtig ausholen – nach fairen Regeln!

Foto: studio1901/Fotolia.com

Für Dieter Bohlen gehört vernichtende Kritik zum guten Ton: "Ich kann nicht mal sagen, dass das scheiße war, das war schlechter", sagt er etwa in der vergangenen Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" einem Kandidaten. "Wenn Du mir ´nen Affen mitgibst für ein halbes Jahr, dann singt der besser." Kritik ist wichtig, sie muss aber auch richtig ausgeübt werden.

Ohne Kritik könne sich niemand verbessern, sagt Kommunikationsratgeberin Gitte Härter – das gelte für einzelne Menschen und ganze Unternehmen. Letztere stehen vor dem Problem, viele Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen zusammen zu bringen. "Jeder hat seine Erwartungen, wie Dinge ablaufen sollten", sagt Härter.

Zeitbewusste Rückmeldungen

Manche arbeiten langsamer, manche schneller, manche setzen auf gute Vorbereitung, manche auf die Nachbereitung. "Nicht alles, was mich stört muss ein Makel des anderen sein, weil viele Wege nach Rom führen", sagt die Münchnerin. "Wenn Unterschiede da sind, dann sollte man sie nicht kritisieren, sondern ansprechen und die Synergieeffekte nutzen."

Je eher Kritik geübt wird, desto besser, findet Karriereberaterin Swenja Hofert: "Wenn eine Person unmittelbar erfährt, dass sie einen Fehler gemacht hat, dann kann sie sie ihn auch schnell korrigieren und muss sich nicht in trügerischer Sicherheit wiegen." Gerade kleine Anmerkungen können sofort gemacht werden. Wenn jemand etwa einen Vortrag zu schnell hält, sollte man die Person ruhig währenddessen bitten, langsamer zu sprechen. War der Vortrag aber insgesamt daneben, sollte man mit der Kritik warten. Schließlich soll die Person beim Vortrag nicht bloßgestellt oder verunsichert werden.

Da viele Menschen nicht gut mit Kritik umgehen können, sollte man hierbei höflich und vorsichtig vorgehen. "Anstatt: »Der Vortrag war schlecht.« Lieber: »Darf ich Dir ein Feedback geben?« und »Mir sind ein paar Dinge an Deinem Vortrag aufgefallen«", sagt Hofert. "Es ist wichtig, Kritik anzukündigen und sich eine Erlaubnis einzuholen." So fällt niemand mit der Tür ins Haus und keiner fühlt sich überrumpelt, beleidigt und blockt ab. "Die Kritik soll schließlich auch aufgenommen werden."

Wenn Kritiker aber besonders verärgert sind – etwa weil sie die Person nicht mögen oder ein Fehler schon zum wiederholten Male passiert ist – dann sollten sie besser eine Nacht darüber schlafen, findet Gitte Härter. "Niemand hat etwas davon einen Rüffel zu verabreichen." Dadurch würden Menschen abblocken und demotiviert werden.

Die Wut bändigen

Um sachlich zu bleiben, hilft es Abstand zu finden und mit der Kritik zu warten. "Aber es gibt bei der Arbeit Situationen, in denen das nicht geht und man mit etwas Unangenehmen konfrontiert wird." Dann sollten wütende Kritiker einfach aussprechen, wie sie sich fühlen – ohne es aber zu zeigen. "Bevor die Wut raus platzt, sage ich liebe, dass ich wütend bin." Das helfe als Ventil.

Grundsätzlich sollte sich jeder, der Kritik übt, zuvor sein Motiv überlegen. "Ist mir daran gelegen, dass ich etwas ändere, ein Missverständnis aufkläre oder möchte ich nur jemanden runterputzen?" Mit den geordneten Gedanken lässt sich ein Gespräch deutlich differenzierter starten – und auch authentischer. Wer innerlich kocht, aber wohlwollend wirken will, wirkt falsch. "Wenn ich innerlich denke »Du Idiot hast im Büro schon wieder das Radio laut aufgedreht « funktioniert das nicht. Die Wut lässt sich schon am Gesichtsausdruck und am schnippischen Tonfall erkennen."

Wer sich entscheidet, die Kritik aufzuschieben, sollte keinesfalls zur E-Mail greifen, warnt, Swenja Hofert. Persönlich lässt sich eine Meinung deutlich besser rüber bringen, als schriftlich: "Sie haben Ihren Blick und Ihren Gesichtsausdruck, die wohlwollend sein können, Ihren Tonfall, Ihre Haltung. Und Sie können in einen Dialog treten, das Problem direkt besprechen." Anders in der E-Mail. Hier bleibt Kritikern nur das reine Wort, das sich individuell interpretieren lässt.

Wer seine Kritik also gegenüber jemanden äußern will, der an einem anderen Standort arbeitet – beispielsweise in Berlin, während man selbst in Frankfurt sitzt – der sollte lieber zum Telefonhörer greifen. "Das ist zwar immer noch nicht optimal, aber besser", sagt Hofert.

Wo ein Problem angesprochen werden sollte, hängt von seiner Größe ab. "Je schwerwiegender das Problem ist, desto eher sollte man ein geschlossenes Büro wählen oder einen Ort außerhalb der Firma." Zuvor sollte sich jeder, dem was auf dem Herzen liegt, bewusst machen, dass jeder Mensch anders ist. "Während der eine überhaupt keine Kritik vertragen kann, nimmt der andere sie locker auf."

Das gelte für Kollegen, ebenso, wie für Chefs, sagt Gitte Härter. "Es gibt Chefs, die total einsichtig sind, und solche, die finden: Du hast mir überhaupt nichts zu sagen! Ich bin der Chef!" Wer die Führungsperson kritisieren will, kann das ruhig machen, sollte aber genauso behutsam vorgehen, wie bei allen anderen auch. "Kritikfähigkeit ist nicht abhängig von der Position, sondern von der Person."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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