Leistungsfähigkeit Minimaler Aufwand, maximaler Ertrag

Mit wenig Einsatz extrem produktiv sein – das ist möglich. Wenn man weiß, wie es richtig geht, kann es sogar die Karriere pushen.

Tina Groll, zeit.de | , aktualisiert

Minimaler Aufwand, maximaler Ertrag

Wenig Aufwand 2

Foto: Daniel Ernst / Fotolia.com

Da rackert man sich ab, bearbeitet alle Aufgaben – und die Beförderung bekommt der Kollege, der nur 20 Prozent Einsatz gezeigt hat. Kennen Sie das? Manch einer scheint mit wenig Einsatz sehr viel Ertrag zu haben.

Das Verrückte ist: Dieser Eindruck stimmt. Paretoprinzip wird das Phänomen genannt, mit nur 20 Prozent Aufwendung eine Effizienz von etwa 80 Prozent zu erreichen. Manche nennen den Effekt auch 80-zu-20-Regel. Wer auf das Paretoprinzip setzt, ist also mit wenig Aufwand hochproduktiv. Kein Wunder, dass Zeitmanagement-Experten vor allem diese Methode empfehlen.

Benannt wurde das Paretoprinzip nach dem Ökonom, Soziologen und Ingenieur Vilfredo Federico Pareto, der das Phänomen erstmals beschrieb. Anfang des 20. Jahrhunderts stellte er fest, dass der Bodenbesitz in Italien zu jener Zeit ziemlich ungleich verteilt war. Ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung besaßen 80 Prozent des Bodens. Pareto war erstaunt, zumal nur wenige Jahre vorher festgestellt worden war, dass auch das Weltvermögen ähnlich verteilt war. Die reichsten 20 Prozent der Bevölkerung besaßen mehr als 80 Prozent des Weltvermögens.

Pareoeffekt lässt sich auch auf Effizienzsteigerung übertragen

Der Ökonom schlussfolgerte daraus, dass es das bessere Geschäft wäre, sich um diese reichen 20 Prozent zu kümmern als um die ärmeren 80 Prozent – immerhin ließ sich mit den Superreichen trotz ihrer geringen Zahl ein deutlich größerer Profit erwirtschaften.

Man kann das Phänomen auch auf andere Bereiche übertragen, denn der Paretoeffekt zeigt sich nicht nur bei der Vermögensverteilung. Gerade da, wo es um Effizienzsteigerung und Produktivität geht, findet man das Phänomen sehr häufig. Oft verschlingen Aufgaben sehr viel Arbeitszeit, die aber nur unwesentlich zum Erreichen eines Ziels beitragen. Kein Wunder, dass besonders die Coachingbranche in den vergangenen Jahren das Paretorpinzip für besseres Zeitmanagement wiederentdeckte.

Wie funktioniert das konkret? Man sollte alle Aufgaben auflisten und nach Priorität sortieren. Die dringenden und wichtigen Aufgaben werden zuerst erledigt, die weniger dringenden und weniger wichtigen Aufgaben später. Wer dem Paretoprinzip folgt, priorisiert aber noch nach einem weiteren Faktor: nach Effizienz. Je nachdem, wie viel Ertrag das Erledigen einer Aufgabe bringt, wird sie eben früher oder später abgearbeitet. Kurzum: Bei richtiger Prioritätensetzung lassen sich bereits mit nur 20 Prozent aller Bemühungen häufig schon 80 Prozent der Arbeit erledigen.

Alte Denkweisen müssen abgelegt werden

Das ist nicht so leicht umzusetzen. Schuld daran sind Überzeugungen, die wir oft aus Kindheit und Schulzeit mitgenommen haben. Uns wurde vermittelt, dass sich harte Arbeit auszahlen würde und man alle Aufgaben erledigen müsse. Kein Wunder, dass sich viele Beschäftigte abrackern und für das Erledigen von Fleißarbeiten Überstunden machen. Hier vermischt sich bei vielen Arbeitnehmern ein zu hoher Selbstanspruch mit der Sorge vor einem Arbeitsplatzverlust. Viele Unternehmen sparen an Personal. Dann steigt die Arbeitslast und was liegen bleibt, sind in der Regel die unbeliebten, zeitfressenden Fleißarbeiten. Aber wer erlebt, dass jeder austauschbar ist, reagiert häufig mit Angst und Gehorsam – und spielt das fleißige Bienchen. Gesehen wird so viel Einsatz aber nur von wenigen Chefs. Denn belohnt wird man in der Regel nicht dafür, dass alle E-Mails beantwortet wurden – sondern für den Abschluss eines wichtigen Projekts.

Bei vielen Arbeitnehmern führt das Fleißigsein daher zum Dauerfrust. Die Leistungsfähigkeit sinkt, die Unzufriedenheit steigt. Und andere, die vielleicht weniger, aber dafür vor allem Effizientes tun, nutzen die übrige Zeit für geschicktes Selbstmarketing – und machen Karriere.


Zuerst veröffentlicht auf: zeit.de

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