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Lebensmittelingenieurin bei Roland Berger

Thoridis Klantschitsch ist Beraterin bei Roland Berger und sitzt 16 Stunden am Tag bei ihren Kunden, wälzt Akten, analysiert Unternehmensdaten und berät Geschäftsführer. Bis vor eineinhalb Jahren lief sie durchs Labor und schüttelte Reagenzgläser.

Katja Wilke<br> Foto: Dieter Schwer | , aktualisiert

Morgens ist es besonders lästig. Dieses Gefühl von Unruhe, der Wunsch, sich zu bewegen und irgend etwas mit den Händen zu machen. Gegen Mittag gewinnt dann gewöhnlich Thorids "neues Ich" die Überhand. Die "neue" Thorid ist Beraterin bei Roland Berger und sitzt 16 Stunden am Tag bei ihren Kunden, wälzt Akten, analysiert Unternehmensdaten und berät Geschäftsführer. Die "alte" Thoridis Klantschitsch lief bis vor eineinhalb Jahren durchs Labor und schüttelte Reagenzgläser. "Der Bewegungsdrang ist noch da", meint die 31-jährige Lebensmittelingenieurin, "aber sonst erinnert mich kaum etwas an die Arbeit in der Forschung."

Dafür hat die Schweizerin nach ihrem Jobwechsel jetzt das, was ihr früher im Labor fehlte: Kontakt zu neuen Menschen und abwechslungsreiche Arbeit. Schuld daran war der Schweizer Käse. Vier Jahre erforschte sie für ihre Promotion ein neues Verfahren zur Herstellung eines löcherfreien Käses. Dabei wuchs in ihr die Angst, ihr geistiger Horizont könnte - nach der zurückgezogenen Forscherei.- ähnlich verdichtet sein wie das löcherlose Milchprodukt.

Die Sinnkrise fand ein Ende, als ihr eine Freundin von ihrer Arbeit als Beraterin erzählte. Die Forscherin fing Feuer, hängte den weißen Kittel an den Nagel, schrieb Bewerbungen und stieg nach kurzer Zeit als Junior bei Roland Berger ein. In der Anfangszeit schob die Schweizerin Frust: Zwar bekam sie betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse in Crash-Kursen vermittelt, doch es blieb zunächst das Gefühl, völlig überfordert zu sein. "In der Forschung bildete ich mir ein, ich wüsste alles. Dann war plötzlich das Gegenteil der Fall. Außerdem ist in der Beratung das Tempo viel höher, es ist alles viel stressiger."

Ihre ersten Kunden waren eine Fluggesellschaft und eine Versicherung. "Da braucht man als Nicht-BWLer viel Mut. Ich habe aber schnell gemerkt, dass in erster Linie der gesunde Menschenverstand wichtig ist. Und man muss hartnäckig sein, immer wieder von vorne anfangen, wenn etwas nicht klappt - wie in der Forschung", sagt Klantschitsch lächelnd. Trost gibt ihr auch die Erkenntnis, dass Betriebswirtschaftler zumindest auf einem Gebiet nicht mithalten können: "Ingenieure haben keine Angst vor Zahlen und können besser rechnen."

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