Lebensgestaltung Gesucht: Das perfekte Leben

Junge Menschen sind flexibler und freier als jemals zuvor. Gleichzeitg streben sie nach der absoluten Perfektion, im Job wie in der Liebe. Doch Experten raten von diesem großen Ziel ab. Denn richtig glücklich wird nur der, der sich von zu hohen Ansprüchen verabschiedet.

Michael Detering, Diana Fröhlich | , aktualisiert

Für Christian Seitz (Porträt siehe Bildergalerie) ist die eine Welt, die berufliche, in Ordnung. 2003 hatte der heute 31-Jährige den Mut, sich mit einer Tischlerei im niedersächsischen Buxtehude selbstständig zu machen. Er renoviert erfolgreich Fachwerkhäuser und alte Jahrmarktkarussells, hölzerne Schönheiten aus vergangenen Jahrhunderten. Traditionelle Handwerkskunst, das ist seine Leidenschaft. Er beschäftigt heute - je nach Saison - bis zu 25 Mitarbeiter. Und arbeitet selbst rund 15 Stunden am Tag. Auch am Wochenende ist er oft beschäftigt. "Jetzt bin ich noch jung, jetzt kann ich Geld verdienen", sagt er. "Wenn ich jetzt genug arbeite, kann ich mit 50 in Rente gehen. Das ist mein Traum."

Die andere Welt, die private, ist dagegen nicht in Ordnung. So zufrieden Seitz im Job ist, so unzufrieden ist er nach Feierabend. Dabei hat er schon alles versucht, nicht mehr allein seine Freizeit verbringen zu müssen. Er sah sich auf dem Schützenfest nach der großen Liebe um, er meldete sich bei einer Dating-Plattform im Internet an, er machte sogar bei der NDR-Fernsehsendung "Land und Liebe" mit.

Er lernte jede Menge Frauen kennen, aber sich fest binden, vielleicht sogar heiraten, das hat bis heute nicht geklappt. Seit fast zwei Jahren ist er solo. "Eigentlich bin ich ein totaler Familienmensch", sagt Seitz. Auch Kinder möchte er haben. Doch seine letzte Beziehung scheiterte an seinem Job.

Seinen Traumjob hat Seitz gefunden, seine Traumfrau noch nicht: Seitz fehlt eine Partnerin, bei der er sich anlehnen und mit der er am Wochenende etwas unternehmen kann. Über die Fernsehsendung bekam er zwar Dutzende Zuschriften. "Ich hatte aber gar keine Zeit, all die Frauen anzurufen", sagt Seitz. Im Internet lernte er ebenfalls viele Frauen kennen, die sich wie er eine feste Partnerschaft wünschen. Doch die meisten, so seine Erfahrung, gehen lieber langsam vor und wollen erst wochenlang nur mailen. Seitz hat dazu keine Muße.

"Ich sitze Menschen lieber direkt gegenüber. Wenn ich deshalb gleich zu Beginn ein Treffen vorschlage, finden das aber viele Frauen komisch." Von der Vorstellung, die Traumfrau zu finden, hat er sich inzwischen sogar verabschiedet. Lange war er auf der Suche nach ihr. Heute sagt er: "Sie sollte einfach gut zu mir passen und Verständnis für meinen Job aufbringen."

Die Perfektion ist das große Ziel

So wie Christian Seitz geht es vielen jungen, gut ausgebildeten Menschen. Wir machen Abitur, ziehen von zu Hause aus, gehen zum Studieren nach Berlin, Hamburg oder München, absolvieren Praktika in China und Südafrika, reisen mit dem Rucksack durch Australien und ignorieren die Krise weitgehend. Wir verdienen unser erstes gutes Geld, gründen eventuell ein eigenes Unternehmen. Kurzum: Wir haben die Freiheit, alles zu tun, was wir möchten. Und nutzen sie auch.

Die Ansprüche unserer Generation sind hoch: Nicht nur der Job soll die Erfüllung bringen, auch der Partner sollte möglichst perfekt sein. Mit einem Kompromiss wollen sich die wenigsten von uns zufrieden geben. Doch wer zwölf Stunden pro Tag oder mehr im Büro verbringt, der hat weniger Möglichkeiten, die große Liebe per Zufall zu treffen. So wie Christian Seitz. Er liebt seine Firma, er arbeitet viel und lange. Trotzdem sagt er, "dass ihm irgendetwas im Leben fehlt", um richtig glücklich zu sein.

Doch geht das überhaupt, richtig glücklich sein, den perfekten Job und den perfekten Partner zu finden und dann auch zu halten? Experten warnen vor dem Wunsch nach einem Leben ohne Kompromisse: "Glück ist im menschlichen Bauplan nicht angelegt", sagt der Kölner Psychologe Stephan Grünewald.

"Wer ein stimmiges Privatleben sucht und gleichzeitig auch Karriere machen will, der schafft dies nur, indem er beruflich und privat Abstriche macht und den hohen Erwartungsdruck in allen Lebensbereichen hinter sich lässt." Grünewald weiß, dass die hochgesteckten Wünsche an den Job und den Partner nur Probleme schaffen: "Übertriebene Ansprüche sind der Glückskiller Nummer eins."

Viele Menschen um die 30 setzen sich einem enormen Druck aus, schreibt auch Florentine Fritzen, Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in ihrem Buch "Plus minus 30". Sie meinen: Erst wenn auf der To-do-Liste des Lebens genügend Punkte abgehakt sind, wenn hinter Karriere, Traumpartner, guten Freunden und schönen Reisen ein "Erledigt" steht, werde sich das Glück einstellen. "Deshalb schuften sie, strampeln sich ab - manchmal bis zur völligen Erschöpfung", schreibt Fritzen. "Wen wundert es da, dass diese Perfektionisten oft gar nicht mehr wissen, wer sie selbst sind und was sie wirklich wollen."

Der Ehrgeiz, den Akademiker im Berufsleben an den Tag legen, färbt auch ins Private ab. Im Job gehört es inzwischen zum guten Ton, alle paar Jahre Unternehmen, Position und Ort zu wechseln. Immer einen Schritt weiter nach vorne, alles für die Karriere.

Ähnlich im Privatleben: Viele arrangieren sich zwar mit einem Partner, haben eine gemeinsame Wohnung, verstehen sich gut mit den Schwiegereltern - und suchen nebenbei weiter. Vielleicht findet sich ja doch noch ein besserer Partner, "Mister oder Miss Perfect". Jemand, der noch besser zu einem passt. Eben wie im Job. "Niemand will einem 85-Prozent-Partner ausgeliefert sein", schreibt Fritzen. Heiraten und sich langfristig binden kommt daher immer seltener in Frage.

Das schlägt sich auch in den Statistiken wieder. Das sogenannte "Erstheiratsalter" ist nach Angaben des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung in den vergangenen 50 Jahren kontinuierlich angestiegen. Männer waren im Jahr 1960 bei ihrer Hochzeit im Durchschnitt 26, Frauen 24 Jahre alt. Heute sind die Männer im Durchschnitt 33 und die Frauen 30 Jahre alt, wenn sie zum ersten Mal heiraten.

"Die Gründe dafür sind vielfältig", sagt Norbert Schneider, Direktor des Instituts. Er spricht von Fusionspaaren und Assoziationspaaren, wenn er die Ehen von früher und heute miteinander vergleicht. Was er damit meint: Wer 1960 den Bund fürs Leben geschlossen hat, der war sich sicher: "Aus zwei Personen wird ein Wir." Die Ehe war damals die Eintrittskarte zur eigenen Wohnung, zu Kindern und zu einem von den Eltern unabhängigen Leben.

Welche Vorteile bringt eine Ehe?

Heute sei das ganz anders: "Zwei Personen, die heiraten, verfolgen zwar das gemeinsame Ziel einer Familie, aber sie bleiben Individuen, das Wir tritt öfters zurück", sagt Schneider. Zudem haben die Vorteile, verheiratet zu sein, deutlich abgenommen. Heute können Frauen Kinder kriegen, ohne je verheiratet gewesen zu sein, sie bekommen, wenn nötig, staatliche Hilfe und haben dabei längst einen Mietvertrag für die eigenen vier Wände unterschrieben.

Viktoria Becker (Porträt siehe Bildergalerie) hat sogar schon ein Haus gebaut - zusammen mit ihrem Freund und ganz ohne Trauschein. Die beiden sind zwar schon seit mehreren Jahren zusammen, geheiratet aber haben sie noch nicht. Sie möchten später eine Familie gründen, vorher aber noch Karriere machen. Becker und ihr Freund sind das, was Norbert Schneider unter einem Assoziationspaar versteht. Sie lieben sich - und gehen trotzdem ihre eigenen Wege.

Die 29-jährige Viktoria Becker ist Junior- Managerin bei Media-Saturn in Ingolstadt und wird im nächsten Jahr für zwölf Monate nach Schanghai ziehen. Ihr Freund ist Eventmanager und beruflich ebenfalls für mehrere Monate im Jahr im Ausland unterwegs. Wenn sie nach China geht, hält er in Ingolstadt die Stellung. "Er legt mir bei meiner Karriereplanung keine Steine in den Weg", sagt Becker. "Im Gegenteil, er unterstützt mich bei allem." Ihr Traum ist es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen: "Ich möchte auf beides nicht verzichten, schon gar nicht auf eigene Kinder."

Ein Freund, der wie im Fall von Viktoria Becker alle Karrierewünsche seines Partners akzeptiert, auch wenn sie die Beziehung belasten, ist allerdings nicht leicht zu finden. Viele Berufseinsteiger bleiben lieber Single oder gehen zumindest keine allzu feste Bindung ein, bevor sie Abstriche im Job machen. Selbst wenn sie einen Partner haben: zusammenzuziehen kommt für sie erst einmal nicht in Frage. Zur Not will man die Beziehung ja schnell wieder beenden können.

Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte nahm in den vergangenen Jahren deutlich zu. Während 1991 rund 11,9 Millionen Deutsche alleine wohnten, waren es 2008 bereits 15,8 Millionen.

Die Frage, ob es tatsächlich mehr Singles gibt als noch vor 20 oder 30 Jahren, ist allerdings umstritten. Entscheidend ist, wie der Begriff Single definiert wird: Sind sie freiwillig oder unfreiwillig alleine, zeitweilig oder dauerhaft, und welche Altersgruppe wird überhaupt untersucht? Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nahm die Zahl der Alleinstehenden von 14,2 Millionen Deutschen im Jahr 1991 auf 16,9 Millionen im Jahr 2008 zu.

Das sind rund 20 Prozent aller Deutschen. Darunter fallen auch Personen, die ohne Lebenspartner in einer WG oder bei Verwandten wohnen. Beim Familienministerium heißt es hingegen, in der Altersklasse von 25 bis 55 Jahren gebe es anteilig in etwa so viele Singles wie vor drei oder sogar fünf Jahrzehnten. Laut Bevölkerungsexperte Norbert Schneider sind nur vier Prozent der Deutschen wahre Singles. Er versteht darunter diejenigen, die sich freiwillig für diesen Lebensstil entschieden haben.

So wie Single Christian Draws (Porträt siehe Bildergalerie). Der 26-Jährige ist Industriekaufmann bei einem mittelständischen Unternehmen in Wuppertal und macht parallel eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt. Zwei Abende in der Woche und der Samstag gehen dafür drauf. "Da bleibt für eine Beziehung einfach keine Zeit. Ich bin derzeit nicht auf der Suche nach einer Freundin", sagt er. Wenn er abends nach einem langen Tag nach Hause kommt, ist er meistens so kaputt, dass er direkt schlafen geht.

Außerdem genießt Draws durchaus die Freiheit, die er als Single hat. "Ich muss mich mit niemandem abstimmen." Wann er zum Sport geht, sich mit Freunden trifft, für die nächste Klausur lernt oder in den Urlaub fährt, ist allein seine Sache. Doch er gibt zu, dass dieser Zustand nicht ewig andauern soll. "Natürlich fehlt mir was im Leben", sagt er. Sobald der berufliche Stress vorbei ist, will er sich auch wieder anderen Dingen zuwenden. Und wenn dann zufällig die Traumfrau seine Wege kreuzt, ist er offen für eine neue Partnerschaft.

Einfach dürfte das allerdings nicht werden. Das Risiko, dauerhaft Single zu bleiben, ist für Bessergebildete besonders groß, sagt der Soziologe Jochen Hirschle von der Fern-Universität Hagen. Sie suchen ihre Partner vor allem in der Schule, an der Uni oder am Arbeitsplatz. Sie gehen seltener in Diskos oder Kneipen als diejenigen, die einen Haupt- oder Realschulabschluss haben, um dort ihren Traumprinzen oder ihre Prinzessin zu suchen. Für viele Studenten ist das kein Problem, an der Uni ist die Anzahl potenzieller Partner groß genug.

Partnersuche in der virtuellen Welt

Im Büro sieht das anders aus. Die meisten Kollegen sind inzwischen vergeben, anderen ist eine Beziehung zwischen Kantine und Kopierer zu heikel. Kein Wunder, dass sich zahlreiche Single-Börsen im Internet wie Parship, Elite-Partner oder Neu.de vor allem auf Akademiker eingeschossen haben. Das Geschäft mit der Liebe boomt: Allein der Marktführer Parship erzielte 2008 einen Umsatz von 53 Millionen Euro - das waren rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

"Die virtuellen Dating-Plattformen eröffnen möglicherweise neue Partnerschaftsmärkte", sagt Hirschle. "Für viele Singles stellen sie aber lediglich einen Ersatz dar, weil sie in ihrer alltäglichen Lebenswelt kaum noch Gelegenheit haben, potenzielle Partner kennenzulernen."

Für Single Christian Draws ist die Partnersuche im Internet zwar keine Alternative, doch immer mehr Akademiker zahlen für ein Profil im Netz monatlich so viel wie für die Mitgliedschaft in einem teuren Fitnessstudio. Das Ziel ist vorn vornherein klar: sich zu verlieben. Aber ist das im Internet wirklich einfacher als im realen Leben? "Die virtuelle Suche läuft viel traditioneller ab als gedacht", sagt Hans-Peter Blossfeld, Soziologe an der Uni Bamberg und Direktor des Staatsinstituts für Familienforschung.

Er hat in einer wissenschaftlichen Studie das Suchverhalten von Singles in Online-Partnerbörsen durchleuchtet und stellt fest, dass Frauen und Männer auch im Netz nach Partnern stöbern, die ihnen hinsichtlich sozialer Herkunft, Bildungsgrad und Status ebenbürtig sind. Und wenn das nicht klappt? "Dann suchen Männer nach unten und Frauen nach oben." Sprich: Der Chef sucht die Sekretärin und die Krankenschwester den Arzt. Der Mann wünscht sich eine nette, gut aussehende Begleitung, die Frau einen Ernährer. Laut Blossfeld bleibt - ob bewusst oder unbewusst - auch im Internet das traditionelle Rollenverständnis erhalten.

Sascha Häfner und Jana Eckhardt suchten auf Augenhöhe (Porträt siehe Bildergalerie). Der Anwalt und die Lehrerin meldeten sich 2006 bei Parship an. "Eigentlich gehe ich gerne weg und lerne so neue Leute kennen", sagt der 34-Jährige. "Aber mein Job war damals so zeitintensiv, da ging es nicht mehr anders." Häfner arbeitete zunächst als Anwalt in einer Berliner Kanzlei, heute ist er Jurist bei der Managementgesellschaft Deges, die Straßenbauprojekte plant und durchführt. Arbeitszeiten von sieben bis 22 Uhr waren in der Kanzlei die Regel.

Jana Eckhardt trieb ein anderer Grund ins Internet. "Ich habe mich angemeldet, weil ich 30 geworden bin", erzählt sie und lacht. "Bekannte haben sich ebenfalls über das Internet kennengelernt, da war ich einfach neugierig." Gleich bei ihrem ersten Date hat es gefunkt. Seit rund drei Jahren sind beide nun ein Paar, sie leben mittlerweile in einer gemeinsamen Wohnung in Leipzig - und haben eine einjährige Tochter.

Ab Mitte 20 merken Singles, dass sich der Freundeskreis um sie herum langsam verändert. Bekannte heiraten, bekommen Kinder, bauen sich ein Nest. Nur sie nicht. Von dem Gefühl, immer zu spät dran zu sein, berichtet auch der Autor Sven Hillenkamp in seinem Buch "Das Ende der Liebe". "Nicht mehr die Eltern treiben uns zu den großen Lebensentscheidungen, sondern die Zeit selbst kommt in den Raum marschiert und sagt: ,Du musst jetzt einen Partner wählen! Du musst dich jetzt beruflich etablieren! Sonst wird dein Leben im Leerlauf der Suche vergehen'", sagt Hillenkamp.

Ob man den Partner im Netz oder in der Kneipe sucht, spielt dagegen keine Rolle. Gerade Bessergebildete haben eine ganze Liste von Charaktereigenschaften im Kopf, die der Gegenüber haben sollte, damit sie sich in ihn verlieben können. Und wo man diese Liste abhakt, ist laut Hillenkamp unwichtig. Er sagt: "Es ist die Freiheit, die heute die Liebe bedroht. Menschen, die unbegrenzte Möglichkeiten wahrnehmen, sind zu einer permanenten Sehnsucht verurteilt. Sie hoffen über alles, was sie erreichen, hinaus."

Die Suche geht weiter

Mariam Hametner, 33, hat für ihre große Liebe berufliche Abstriche gemacht (Porträt siehe Bildergalerie). Viereinhalb Jahre führte die Finanzexpertin eine Fernbeziehung mit ihrem Freund aus Köln. Sie machte Karriere bei Kreditinstituten in Berlin, München und Frankfurt. Dann unterbreitete ihr ein Headhunter das absolute Traumangebot: Zürich, ein Festgehalt von rund 100000 Euro, eine Stelle in der Strategieabteilung bei einer Tochter der Schweizer Großbank Credit Suisse. Die studierte Betriebswirtin war begeistert, sie wollte schon lange ins Ausland. Die Vorstellungsgespräche liefen perfekt. Sie hätte den Job haben können. Doch dann sagte sie ab.

"Ich stand am Fenster unserer Wohnung und habe rausgeschaut", erzählt Hametner. "Und dann habe ich mich gefragt: Was willst du überhaupt? Wie oft willst du deinen Freund sehen? Wie lange hältst du die Stressbelastung durch das viele Pendeln noch aus?" Die elegant gekleidete Frau mit den lockigen, braunen Haaren entschied sich für die Liebe. Sie hat ihre Karriere für ihre Beziehung zumindest vorübergehend aufgegeben. Sie ist mit ihrem Freund zusammengezogen, im August dieses Jahres haben die beiden geheiratet. "Privat war das die beste Entscheidung meines Lebens", sagt sie.

Heute arbeitet sie als selbstständige Finanzmaklerin in Köln. Das sechsstellige Festgehalt ist nur noch ein Traum, sie fängt jeden Monat wieder bei null an. Jeden Monat schaut sie, dass genügend Aufträge hereinkommen. Statt Strategien zu entwickeln, vertreibt sie Produkte. Sie hat das gemacht, was Experten raten: Abstriche machen, Kompromisse eingehen. Doch richtig glücklich ist sie damit nicht. Die Suche nach dem perfekten Leben geht also weiter. Für Tischler Christian Seitz im Privaten, für Hametner im Job.

Von Spreu und Weizen
Diana Fröhlich hat 30 Tage lang online geflirtet. Fazit: Es hat Spaß gemacht. Wider Erwarten.

Tag 1: Nein, ich rauche nicht. Ja, ich mache Sport. Und ich fühle mich in meinen eigenen vier Wänden sehr wohl. Der Fragebogen ist endlich ausgefüllt, mein Profil komplett, mit Foto. Einen Monat lang kann ich nun beim Online-Partnervermittler Parship auf die Suche nach männlichen Singles gehen. Ab heute bin ich Chiffre PSHYLBVD. Ob ich als Frau die Initiative ergreifen muss?

Tag 3: Mein Postfach zeigt mir an: Neun ungelesene Nachrichten. So viele? Jetzt werde ich neugierig. Holger, 31, Maschinenbauer aus Köln, will mich kennen lernen, dann noch Stefan, 35, geschieden, aus Dortmund. Die Profile sind vielversprechend, die Fotos auch. "Parshipen" ist ab jetzt meine liebste Beschäftigung: Nach der Arbeit schaue ich als Erstes hier vorbei, danach eigentlich jede Stunde. Und vor dem Schlafengehen noch mal.

Tag 4: Der Fernseher läuft, das Bier ist kalt und die Chips stehen griffbereit. Virtuell flirten ist gar nicht so schlecht. Und sehr bequem. Ich schreibe den ganzen Abend lang nette Mails mit Menschen, die ich noch nie im Leben gesehen habe. Der Vorteil: Es sieht mich ja keiner.

Tag 7: Die erste Woche ist vorbei. So langsam trennt sich die Spreu vom Weizen. Ich verabschiede mich jetzt von den uninteressanten Kontakten. Doch bei drei Christians, vier Juristen und diversen Ingenieuren verliere ich fast den Überblick. Hilfe! Ob ich mir eine Excel-Tabelle anlegen soll? Oder vielleicht in ein Word-Dokument Stichworte zu den einzelnen Kandidaten schreibe? Ich lasse es. Klingt zu sehr nach Büro und damit meinem Job.

Tag 9: Seit zwei Tagen ist Alex, 35, Bauingenieur aus Aachen, mein neuer Favorit. Wir mailen den ganzen Abend - mein Postfach ist voll.

Tag 13: Alex und ich treffen uns im realen Leben. Doch schon beim Anblick seines Outfits weiß ich, dass das hier nichts wird. Schuld ist sein bunt kariertes Hemd, rot-blau-weiß. Am liebsten wäre ich gleich wieder nach Hause gefahren, aber so unfair bin ich nicht. Doch zwei Stunden und zwei Weißweinschorlen später bin ich - ernüchtert - wieder zu Hause.

Tag 14: Ich habe ein Déjà-vu. Ein Arzt aus Münster will mich plötzlich kennenlernen. Doch sowohl Profil als auch Foto kommen mir irgendwie bekannt vor. Es ist Fabian, der mir letzte Woche ein automatisches "Mach's gut" geschickt hat. Angeblich sei ihm die Distanz zu weit. Ich schätze, der hat auch keine Excel-Tabelle …

Tag 16: Es ist passiert, was ich schon viel früher erwartet hatte. Timo, 33, Rechtsanwalt, findet mein Profil interessant - und will mich direkt treffen. Denn für "langen Mailverkehr" hat er berufsbedingt keine Zeit. Ich ignoriere die Mail und fühle mich in meinem Vorurteil bestätigt, dass Männer im Internet alles suchen, nur keine ernsthafte Beziehung.

Tag 18: Ich bin zum Detektiv geworden. Jeder Vorname, jede Jobbezeichnung, die ersten beiden Ziffern der Postleitzahl: Ich nehme jeden Hinweis auf die Identität einzelner "Bewerber" dankend an und recherchiere bei Facebook, Xing, StudiVZ. Meistens habe ich schon die ersten Fotos der Kandidaten gesehen, bevor die wissen, wie ich heiße. Das macht Spaß. Und meine Erfolgsquote liegt bei fast 100 Prozent.

Tag 19: Endlich mal was Neues. Ein Lehrer! Die Auswahl an den angeblich zu mir passenden Männern war bis heute immer die gleiche: Wirtschaftsinformatiker, Ingenieure, Juristen. Doch wäre ich mal besser dabei geblieben! Der Lehrer aus Duisburg findet Flohmärkte voll spannend. Für mich gibt es nichts Schlimmeres, als Samstagmorgen den Trödel anderer Leute zu begutachten. Da habe ich mich zu früh gefreut.

Tag 25: Ich habe mich entschieden, mein Profil noch mal aufzupeppen. Bei meinen Hobbys steht ab jetzt Snowboarden. Das ist ohnehin viel cooler als Ski fahren. Mal sehen, ob mir Parship jetzt die passenden Partnervorschläge macht.

Tag 27: Volltreffer. Die Boarder haben mein Profil besucht. Gleich drei Kontaktanfragen von Männern, die Österreich und die Schweiz nur im Winter bereisen. Besonders Peter gefällt mir. Vielleicht wird es ja noch was - auf meine letzten Tage hier.

Tag 30: So, das war's. Mein Account läuft heute aus, ich verabschiede mich ein bisschen wehmütig von PSHYLBVD. Meine letzte Post schicke ich an Peter - er braucht noch meine private E-Mail-Adresse. Virtuell flirten hat Spaß gemacht, wenn man es nicht zu ernst nimmt.

Wie bei der Wohnungssuche
Michael Detering hat 30 Tage online geflirtet. Fazit: Mann muss sich richtig ins Zeug legen.

Tag 1: Der Computer will es genau wissen. Schlafen Sie bei offenem Fenster? Glauben Sie an das Gute im Menschen? Und wie finden Sie sexuell betonte Werbung? "Störend"? "Uninteressant"? Oder "eigentlich doch ganz erfreulich"? Ich muss lachen. Der Fragebogen von Parship ist echt gut. Um eine passende Frau zu finden, gebe ich gerne Auskunft!

Tag 2: Ich habe noch keinen Finger gerührt, und schon ist die erste Mail in meinem Posteingang. Wahnsinn! In ihrem Profil beschreibt sie sich als "gutaussehend", ihr Foto zeugt von einer guten Selbsteinschätzung. Flirtbörsen sind offenbar doch nicht der Restposten derjenigen, die sonst keinen abbekommen. Ich fahre für ein paar Tage in Urlaub - in freudiger Erwartung, dass mein Briefkasten danach überquillt.

Tag 7: Mein Postfach verhungert. Offensichtlich müssen auch online die Männer den ersten Schritt machen. Ich schreibe erst mal der Unbekannten eine E-Mail.

Tag 8: Ich bekomme von ihr eine automatisch erstellte Antwort: "Mach's gut, aber ich möchte im Moment lieber keine weiteren Kontakte." Egal, das System hält ja noch 1624 weitere Vorschläge für mich bereit! Ich schreibe zig E-Mails. Bei meinen Recherchen habe ich gelesen, dass nur 20Prozent der Erstanfragen beantwortet werden - also lieber breit streuen.

Tag 13: Ich erhalte ein "Spaß-Match" von einer Doktorandin aus Wuppertal, 27 Jahre alt. Sie mag Clubbing und Biergärten, und sie spielt Klavier. Das ist meine Traumfrau! Ich schreibe ihr eine Mail.

Tag 14: In ihrer Kommentarleiste lese ich: "Sorry, kann keine Nachrichten beantworten." Wie jetzt? Ich mache mich schlau: Profil ausfüllen und Partnervorschläge erhalten ist kostenlos, Nachrichten lesen können nur die Mitglieder, die gezahlt haben. Das System zeigt mir aber nicht an, wer richtig angemeldet ist und wer nicht. Das heißt: Ich habe massenweise poetische Mails für den Papierkorb produziert!

Tag 19: Nach tagelangem Mailen rufe ich Christine aus Leverkusen an. Sie ist 27. Und Lehrerin. Ich bin aufgeregt. Was soll ich erzählen? Sie hat eine tolle Stimme, aber sie wirkt sehr ruhig. Das Telefonat dauert nur zehn Minuten. Trotzdem visieren wir ein Date an.

Tag 20: Ich klicke mich noch einmal stundenlang durch die Profile. Es ist fast wie Wohnungssuche: Die Angebote klingen alle ähnlich, und ich weiß nicht, welche schon vergeben sind. Viele schreiben nur nichtssagende Floskeln: "Ein perfekter Tag ist für mich ... wenn die Sonne scheint und ich nicht arbeiten muss." Super, genau so eine Frau habe ich immer gesucht.

Tag 21: Die nicht-angemeldete Wissenschaftlerin schickt mir ein "Lächeln". Warum? Sie kann meine Nachrichten doch gar nicht lesen. Parship bricht mir das Herz.

Tag 22: Mein erstes Date. Ich treffe Petra in Bochum. Sie ist 27. Und Lehrerin. Sie erzählt, dass sie heute Blumen im Vorgarten umgepflanzt hat. Vorgarten? Sie wohnt bei ihren Eltern. Schon seit 27 Jahren lebt sie in Bochum. Wir unterhalten uns zwei Stunden lang in einem Café. Ganz nett, aber doch nur oberflächlich. Das war nix.

Tag 23: Keine Ahnung, was sich das System dabei denkt, aber ich kriege fast nur Lehrerinnen vorgeschlagen. Die nächste ist Steffi aus Hannover. Sie ist 29. Auch sie will am Wochenende bei der Familie im Garten helfen. Wo zum Teufel bin ich hier gelandet? Trotzdem schicke ihr eine SMS. Plumpe Frage: "Und? Schon alle Blumen gepflanzt?" Sie schickt eine lustige Antwort. Wir smsen uns den ganzen Abend, jeder über 30 SMS ... Wir tauschen nicht nur Banalitäten aus. Wir flirten.

Tag 24: Ich rufe Steffi an. Das Gespräch läuft - es geht nicht nur um den Job und die Biografie. Wir telefonieren eine Stunde lang. Ich bin glücklich.

Tag 25: Für heute ist das Date mit Christine angesetzt. Ich denke den ganzen Tag an Steffi. Das Synchronflirten macht mich fertig! Dann die SMS von Christine: "Es tut mir total leid, aber ich muss dir leider absagen." Sie bereite sich auf eine Prüfung vor. Ob wir uns in drei Wochen treffen könnten. Liebe braucht Zeit, okay - aber so viel Zeit?

Tag 29: Ich treffe Steffi. Wir gehen spazieren und in ein Café. Wir reden fast vier Stunden lang. Trotzdem springt der Funke leider nicht über. Liebe ist eben kompliziert. Dating-Börsen sind eine gute Möglichkeit, um Frauen kennenzulernen. Eine Frau zu finden, die wirklich passt, funktioniert aber nicht auf Knopfdruck.

Einen Partner finden - aber wo? 
Hörsaal oder Mensa, Großraumbüro oder Kantine: Jeder dritte Deutsche mit Abitur findet seinen Partner an der Uni oder im Job. Bildungs- und Berufseinrichtungen sind demnach der Heiratsmarkt schlechthin. Und wo sucht der Rest?

Internet: Wer im Netz auf die Suche geht, hat die Wahl zwischen mehr als 2000 Datingportalen und Singlebörsen, die die große Liebe versprechen. Singles, die bei Friendscout24, Elite Partner, E-Darling, Parship oder neu.de Menschen kennenlernen wollen, müssen dafür tief in die Tasche greifen. Ein Drei-Monats-Abo kostet oft rund 150 Euro.

Fisch sucht Fahrrad: Das ist das Motto vieler Singlepartys in ganz Deutschland. Wer die Veranstaltungen in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder Hannover besucht, weiß, was er will: einen neuen Partner.

Jumpingdinner: Singles "hüpfen" von Wohnung zu Wohnung und sind dabei einmal der Gastgeber. Beim Jumpingdinner wird ein Drei-Gänge-Menü serviert, jeder Gang bei einem anderen, noch unbekannten Teilnehmer. Zusammen kochen, essen und sich dabei kennenlernen - nach dem Dessert treffen sich alle in einer Kneipe. Mehr über die Termine und Kosten unter: www.jumpingdinner.de und www.blind-date-cooking.de

Salsa-Tanzkurs: Hier lernen Singles nicht nur den richtigen Rhythmus, sondern auch jede Menge neue Leute kennen. Denn die Tanzpartner werden ständig getauscht, so dass jede mit jedem in Kontakt kommen kann. Und nach dem Kurs startet die Salsa-und-Merengue-Party. Organisiert werden die Veranstaltungen von der Singlebörse Dating Cafe. Auf der Plattform werden neben zahlreichen Events auch Singlereisen angeboten. www.datingcafe.de

Kontaktanzeige: Die klassische Kontaktanzeige in der Zeitung ist zwar etwas aus der Mode gekommen. Doch die Suchenden können sich auf Zuschriften freuen, die kreativ und ernst gemeint sind. Einen Brief zu schreiben erfordert einfach mehr Mühe als eine E-Mail.

Single-Reisen: Im Urlaub lässt es sich gut flirten. Einige Reiseveranstalter haben spezielle Angebote für Singles. Sie achten auf eine ausgewogene Mischung von Männern und Frauen im gleichen Alter. Anbieter: www.sun wave.de, www.adamare-singlereisen.de

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