Leben und Arbeiten in Quito

Ecuadors Hauptstadt bietet eine der schönsten Altstädte Südamerikas. Nur die Pünktlichkeit wird meistens flexibel interpretiert. Portrait über zwei deutsche Aussteiger in Quito: Claudia Radi leitet eine Schokoladenfabrik; Kai Westphal arbeitet bei einem deutschen Exportunternehmen.

Peter Nederstigt. Foto: Dr. Herbert Sulzer. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Quito.jpg#file" target="_blank">Wikipedia</a> | , aktualisiert

Magische Vulkane. Claudia Radi kam als Konditorin nach Quito und fand ihren Traumjob. Die Deutsche baute eine Schokoladenfabrik auf und leitet inzwischen die Produktion und den Vertrieb.

Wenn Claudia Radi, 40, von ihrem Haus oberhalb von Quito auf die schneebedeckten Spitzen des Antisana und des Cotopaxis schaut, weiß sie, warum sie nach Ecuador gezogen ist. ?Die Vulkane haben eine unglaubliche Anziehungskraft?, sagt sie.

2003 war die gelernte Konditorin zum ersten Mal in dem kleinen Andenstaat, um während eines Freiwilligenprogramms der Uno Kakaobauern moderne Anbaumethoden beizubringen. Ein Jahr später kehrte Radi zurück und arbeitete sechs Monate lang für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. 2005 folgte der große Schritt. Sie ließ sich für zwei Jahre von ihrem Arbeitgeber beurlauben, um in Quito ihr Glück zu versuchen. ?Mir hat vor allem die Lebensfreude gefallen?, erklärt Radi. ?Tag für Tag kämpfen die Menschen mit einem Lächeln auf den Lippen dafür, dass ihre Kinder etwas zu essen haben.? Anfangs schlug sie sich mit befristeten Projekten durch und lernte, wie wenig man braucht, um zufrieden zu sein. Das Leben in Quito ist teuer, seit man mit Dollar zahlt.

Anfang des Jahres baute sie eine Fabrik für den Schokoladenhersteller Ecuatoriana de Chocolates auf und leitet dort jetzt die Produktion und den Vertrieb. Das junge Unternehmen produziert Luxusschokolade und will seinen Bauern faire Preise zahlen. Kürzlich war Radi in ihrer alten Heimat, um die Produkte vorzustellen. Sie merkte wieder einmal, wie genau es die Deutschen mit der Pünktlichkeit nehmen. ?In Ecuador schaut man nicht ständig auf die Uhr?, sagt sie. ?Dafür sind im Arbeitsleben Flexibilität und Geduld gefragt.? Auch die Erdbeben waren gewöhnungsbedürftig. Vor allem aber stören sie die Abgase in der 1,5-Millionen-Metrople.

Wenn ihr Job es zulässt, geht sie deshalb wandern oder unternimmt Ausflüge, beispielsweise in die tropischen Regenwälder von Mindo oder zu den Thermen in Papallacta. Meist aber trifft sie sich mit Nachbarn in ihrem Viertel Bella Vista, wo schon Ecuadors berühmtester Maler Oswaldo Guayasamin lebte. Am liebsten aber sitzt Radi in ihrem runden Holzhaus und genießt die Aussicht auf die schneebedeckten Vulkane. Karriere in Quito. Kai Westphal suchte das Abenteuer Südamerika und schaffte den schnellen Aufstieg bei einem deutschen Exportunternehmen. Die Belohnung: ein vergleichsweise hoher Lebensstandard.

Ecuador ist nicht unbedingt das Land, in das man geht, um Karriere zu machen. Für Kai Westphal ging die Rechnung trotzdem auf. Nach seinem Studium des Internationalen Managements in Flensburg und Auslandsaufenthalten in Chile und Peru wollte er unbedingt zurück nach Südamerika. ?Ich wollte noch etwas erleben. Und ich habe mir erhofft, schneller Verantwortung übernehmen zu können.? Schryver, eine Hamburger See- und Luftfrachtspedition mit Schwerpunkt Lateinamerika, bot ihm beides.

Das Unternehmen exportiert vor allem Industriegüter nach Ecuador, ?beispielsweise alle deutschen LKW?. Der 30-Jährige ist in der Niederlassung des deutschen Transportunternehmens in Quito zuständig für Marketing, Vertrieb und Systemimplementierung, und demnächst soll er eine Niederlassung übernehmen. ?Unsere Kunden erwarten deutsche Tugenden von uns, was schwer zu erfüllen ist?, sagt Westphal. ?Die Leute in Ecuador arbeiten sehr unzuverlässig. Wenn sie etwas für Montag nächster Woche zusagen, kommt es bestimmt nicht nächste Woche.? Auch die Arbeit mit den Behörden ist nicht immer einfach. ?Korruption ist gang und gäbe. Deshalb arbeiten wir mit professionellen Leuten.?

Etwa 45 Ecuadorianer beschäftigt das Unternehmen, darunter einige, die ihre Ausbildung mit dem Besuch der deutschen Schule kombinieren. Weil die Gehälter niedrig sind, leben viele junge Menschen bei ihren Familien. Westphal hingegen kann sich einen höheren Lebensstandard leisten. Hausangestellte, Benzin und Essen sind vergleichsweise billig. Er lebt in einer ruhigen Gegend zwischen der historischen Altstadt und der Neustadt im Norden. Mit Wächter, wie er sagt. ?Das ist hier üblich.?

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es nur zwei Wochen Urlaub. ?Der meiste wird für Behördengänge oder familiäre Angelegenheiten verwendet.? Gut, dass viele Feiertage dazukommen, die oft auf einen Freitag oder Montag geschoben werden. Solche Gelegenheiten nutzt er für Spaziergänge im Parque Metropolitano oberhalb der Stadt, oder er fährt zum Surfen an die Küste.

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