Lars Zipfel "Einsteiger kriegen Geld zurück"

Fragen an Lars Zipfel, 33, Senior Manager bei der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Ernst & Young in Stuttgart zum Thema Pendlerpauschale.

Til Knipper | , aktualisiert

Herr Zipfel, Ende 2008 hat das Bundesverfassungsgericht durch sein Urteil zur Pendlerpauschale die alte, ab dem ersten Kilometer geltende Regelung wieder eingeführt. Was müssen Berufseinsteiger diesbezüglich beachten, die zum ersten Mal ihre Steuererklärung abgeben?

Grundsätzlich kann jeder die einfache Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz absetzen. Das muss nicht die kürzeste sein. Längere Distanzen können angegeben werden, wenn sie verkehrsgünstiger sind und regelmäßig genutzt werden. Die Finanzämter prüfen das aber inzwischen auch mit Hilfe von Routenplanern nach.

Ist die Absetzbarkeit unabhängig vom Verkehrsmittel?

Ja, es ist egal, ob Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem eigenen Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß zur Arbeit kommen. Sie können einheitlich 30 Cent pro Kilometer geltend machen. Pro Jahr ist die gesamte Entfernungspauschale auf 4500 Euro begrenzt. Nur für den PKW gilt diese Begrenzung nicht.

Inwieweit muss man das belegen?

Man gibt in der Steuererklärung seine Adresse und die seines Arbeitgebers an sowie die Distanz in Kilometern und die Zahl der Arbeitstage pro Jahr abzüglich der Urlaubs- und Krankheitstage. Das Finanzamt errechnet daraus dann die Entfernungspauschale.

Wie bekommt der Steuerzahler sein Geld für 2007 zurück?

Wenn man die relevanten Informationen angegeben hat, obwohl man die Kosten wegen der Gesetzesänderung gar nicht oder nicht komplett absetzen konnte, erstattet das Finanzamt den Betrag automatisch. Das soll innerhalb des ersten Quartals 2009 passieren. Ansonsten kann man die Angaben jetzt formlos nachreichen.

Wie viel bringt das einem durchschnittlichen Berufseinsteiger?

Bei 220 Arbeitstagen und einer Entfernung zum Arbeitsplatz von 20 Kilometern kommt man auf eine Entfernungspauschale von 1320 Euro. Soweit man ansonsten keine Werbungskosten hat, kann man abzüglich des Pauschbetrags für Werbungskosten in Höhe von 920 Euro nachträglich noch 400 Euro zusätzlich absetzen. Ein Single mit einem zu versteuernden Einkommen von 40000 Euro und keinen weiteren Werbungskosten bekommt 146 Euro erstattet. Wenn noch weitere Werbungskosten vorliegen, ist die Erstattung höher.

Was für Neuerungen gibt es 2009 noch?

Seit dem 1. Januar ist die Abgeltungssteuer in Kraft. Anleger müssen Kapitalerträge mit 25 Prozent versteuern, wenn sie ihr Geld nach dem 31. Dezember 2008 angelegt haben. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, den Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 801 Euro auf die Banken zu verteilen, bei denen man Erträge tatsächlich erzielt.

Wie lässt sich die Steuerlast für Berufseinsteiger noch senken?

Für 2009 wurde der Höchstbetrag für die Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen auf 1200 Euro verdoppelt. Wie bisher kann man 20 Prozent der Lohnkosten geltend machen. Maximal werden damit Rechnungsbeträge bis 6000 Euro begünstigt. Die Steuerermäßigung wird direkt von der Einkommensteuer abgezogen. Zu den Handwerkerkosten zählen auch regelmäßige Dienstleistungen, die zusammen mit den Mietnebenkosten erhoben werden, wie die Treppenhausreinigung, Gartenpflege oder Winterräumdienste. Für 2008 gilt noch der alte Höchstbetrag.

Das heißt, noch mehr Rechnungen sammeln?

Ja, man muss die Handwerkerrechnungen und die Zahlungsbelege einreichen.

Die Abgabefrist endet weiter am 31. Mai. Ist es sinnvoll, die Steuererklärung früher abzugeben?

Wenn man mit einer Erstattung rechnet, ist das sinnvoll, weil man dann auch sein Geld früher zurückbekommt. Gerade Berufseinsteiger, die ihren Job erst im Laufe des Jahres angefangen haben, sollten ihre Steuererklärung frühzeitig abgeben, weil sie fast immer Geld zurückbekommen.

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