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Landlust: Perlen der Provinz glänzen mit attraktiven Job-Angeboten

Landlust Perlen der Provinz glänzen mit attraktiven Job-Angeboten

Konkurrierende Arbeitgeber einer Region verbünden sich, um Fachkräfte aus den Großstädten anzulocken.

Carola Sonnet | , aktualisiert

Perlen der Provinz glänzen mit attraktiven Job-Angeboten

Region1

Foto: Iakov Kalinin/Fotolia.com

Saarlouis ist nicht der erste Ort, der einem einfällt, wenn von mediterranem Flair die Rede ist. Doch so beschreibt Helga Lukoschat die Stimmung in der Innenstadt, aus der sie gerade zurück nach Berlin gereist ist. "Viele Regionen Deutschlands haben sich in den letzten Jahren enorm verändert", findet die Geschäftsführerin der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF). Das hilft ihr bei ihrem Projekt "Regionale Bündnisse" im Auftrag von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

Weil viele Regionen Fachkräfte suchen, müssen sie speziell für Frauen attraktiver werden. Das EAF-Projekt ist Deutschlands größtes Unternehmensbündnis für mehr Frauen in Führungspositionen: "Wirtschaftsförderung und Chancengleichheit gehören zusammen", sagt Lukoschat.

In den Bündnissen verpflichten sich Unternehmen, ihre Frauenanteile zu erhöhen, und arbeiten dafür mit Städten und Landkreisen zusammen: Bautzen, der Lahn-Dill und der Burgenlandkreis, Unna, Salzgitter, Lörrach, Regensburg, Dülmen, Rostock und Saarlouis sind dabei.
 
Kraft durch Kooperation

Durch ihre Zusammenarbeit soll gelingen, was kein Unternehmen, kein Landkreis und keine Gemeinde alleine schafft: bekannter zu werden und die Vorzüge der Provinz deutschlandweit zu vermarkten. Interessante kleine und mittelständische Unternehmen, die international Geschäfte machen, bieten schnellere Aufstiegschancen als Konzerne und mehr Gestaltungsspielraum.

Zwar bezahlen sie weniger als die Konkurrenten in den Metropolen, dafür punkten sie aber mit günstigeren Lebenshaltungskosten.

Eine solche "Provinzperle" ist die Friedhelm Loh Group aus Haiger im Lahn-Dill-Kreis, jeweils rund 100 Kilometer von Frankfurt und Köln entfernt – ein Familienunternehmen und ein Weltmarktführer in der Metall verarbeitenden Industrie. Personalchefin Heike Bingmann kennt die Vorteile des Landlebens, sie hat zuvor in München gelebt. Heute ist es ihre Aufgabe, Talente aus der Region zu halten und neue aus den Großstädten anzulocken.

"In den letzten drei Jahren haben wir viele Mitarbeiter eingestellt, die vorher bei großen börsennotierten Konzernen, etwa in der Automobilindustrie, gearbeitet haben", sagt Bingmann. Gerade die guten Leute, die eine Weile im Ausland gearbeitet haben und zurückkommen, wenn sie kleine Kinder haben, ließen sich von der Infrastruktur und den guten Schulen locken: "Wichtig sind aber vor allem interessante und herausfordernde Aufgaben im Unternehmen und begeisternde Führungspersönlichkeiten, damit die Menschen ja sagen", sagt die Personalchefin.

Zwölf Jahre beträgt die durchschnittliche Beschäftigungsdauer. "Wer hier anfängt, sieht seine Entwicklungschance und nutzt sie langfristig", sagt Bingmann. Die neue Generation der Arbeitnehmer will sicher sein, dass sich der Umzug mit der Familie auch lohnt.

Großstädter gesucht

Das Aufzeigen von Job-Alternativen im Umkreis ist daher wichtig. Vor allem diejenigen Regionen, deren eigene Bevölkerung schrumpft, benötigen Fachkräfte aus den Großstädten: Nach einer Studie der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung werden etwa im Emsland bis 2025 rund 12.000 Stellen entstehen, die Bevölkerung zwischen 20 und 60 Jahren wird jedoch um 24 000 Menschen abnehmen.

Deshalb fährt das "Ems-Achse-Mobil" durch Deutschland, hält bei 30 Jobmessen, präsentiert Praktikums-, Ausbildungs- und feste Arbeitsplätze, wirbt für den Nordwesten Niedersachsens. Daraus ergaben sich bisher laut Geschäftsführer Nils Siemen schon mehr als 1500 Fachkräftekontakte.

Überzeugende Infrastruktur

Diese Job-Interessenten landen bei einer der sieben Servicestellen, die ihnen ein Rundum-sorglos-Paket bieten: Mitarbeiter sind ihnen bei der Suche nach einem Job für den Ehepartner behilflich, vermitteln Kita-Plätze, nennen gute Schulen und Freizeitangebote, helfen bei der Wohnungssuche oder bei der Zwischenlagerung von Möbeln – was immer Zuzugwillige brauchen.

Das dürfte vielen die Entscheidung erleichtern, die verstopften Straßen ohne Parkplätze, die wenigen Grünflächen und teuren Mieten in den Metropolen gegen ein komfortableres und günstigeres, wenn auch vielleicht etwas weniger aufregendes Leben einzutauschen.

Wer eine Stelle sucht, erfährt über das Unternehmen und die Region, in der er bald wohnen könnte, meist nur sehr wenig. Also hat die Competence Site, ein Ableger der Fraunhofer-Gesellschaft, die Jobboards entwickelt:

Hier gibt es zusätzliche Infos zum jeweiligen Wohnungsmarkt, zu Kindergärten, Schulen und dem Freizeitangebot. Die Idee hinter dem Karriere-Portal: Nur wenn ein Bewerber einen Arbeitgeber mit den ortsansässigen Mitbewerbern vergleichen kann und so ein Gefühl für die Gegend bekommt, lässt er sich auf eher unbekannte Regionen ein. Orte und Firmen vom Raum Aachen bis Weser-Ems präsentieren sich hier gemeinsam: www.competence-site.de

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