Konzepte der besten Unis Gelungene Kooperationen zwischen Hochschule und Wirtschaft

An der RWTH Aachen, der LMU München und der Uni Mannheim rekrutieren Personaler besonders gerne, wie das aktuelle Hochschul-Ranking der WirtschaftsWoche zeigt. So machen die Uni-Allstars ihre Absolventen fit für die Karriere.

Milena Merten, Jan Guldner und Wenke Wensing | wiwo.de | , aktualisiert

Gelungene Kooperationen zwischen Hochschule und Wirtschaft

Beste Unis

Foto: kasto/Fotolia.com

Angst muss man derzeit nicht haben, wenn man sich mit einem Hochschulabschluss auf den ersten Job bewirbt – die Arbeitslosigkeit unter Akademikern ist verschwindend gering. Das aktuelle Hochschulranking der WirtschaftsWoche zeigt aber: Es gibt Unis, die mehr Eindruck bei Personalern machen als andere, wenn sie als Alma Mater im Lebenslauf stehen.

Wer an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen oder der Uni Mannheim studiert hat, hat besonders gute Chancen auf eine vielversprechende Karriere.

Weil schon ihre Studenten zusammen mit Unternehmen neue Produkte erforschen, sie ihre Inhalte im Austausch mit der Wirtschaft stets weiterentwickeln und so ihre Absolventen bestmöglich auf den Berufseinstieg vorbereiten.

Was machen diese Unis besser?

Drei Allstars, drei Erfolgsrezepte.

• LMU München: Nicht zu früh spezialisieren

In Hochschulkreisen zirkuliert seit geraumer Zeit ein Begriff, dessen Befürworter sich von ihm die Lösung aller Probleme versprechen: Profilbildung. Hochschulen sollen ihr Profil schärfen, nur einige wenige Studiengänge anbieten, in denen sie exzellente Forschung und Lehre anbieten, um so beim Kampf um Mittel und Studenten hervorzustechen. Für Studenten gilt das Gleiche: Sie sollen sich, so der gut gemeinte Rat, früh ein Teilgebiet ihres Faches aussuchen, darin Experte werden und damit Karriere machen.

Dass solche Patentrezepte weder für Hochschulen noch für ihre Absolventen universell gültig sind, beweist die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Sie landet im Personaler-Ranking der WirtschaftsWoche stets weit vorne – und das in mehreren Fächern. In den vergangenen vier Jahren belegte sie im Fachbereich Jura durchweg den ersten Platz. Auch in den BWL- und VWL-Rankings schafft es die Münchner Uni regelmäßig in die Top 3. Ihr Erfolgsgeheimnis? Das Gegenteil von Profilbildung!

Gebhard Flaig ist Studiendekan an der VWL-Fakultät der LMU und beschäftigt sich deshalb intensiv mit den Bedürfnissen der Studenten. Ein Grundprinzip seiner Fakultät erklärt er so: "Wir wollen unsere Studenten nicht zu früh spezialisieren. Sie sollen bei uns eine breite, gute Basisausbildung bekommen." Deshalb heißen die Studiengänge an der LMU auch ganz simpel "Volkswirtschaftslehre" oder "Master of Economics".

Die Uni wendet sich dabei bewusst gegen den Trend zu immer stärker spezialisierten Studiengängen, die beispielsweise "International Business and Social Sciences" oder "Global Political Economy and Development" heißen. Die Uni wolle ihre Studenten nicht für den Einstieg in eine bestimmte Branche vorbereiten, sondern ihnen die Methodik vermitteln, Probleme strukturiert zu lösen, erklärt der Ökonometrie-Professor. Auf dieses Wissen könnten die Studenten dann später im Job oder in der Forschung zurückgreifen.

Außerdem lege die Uni großen Wert auf die Lehre. Sie soll nicht nur lästiges Beiwerk zur Forschungstätigkeit sein. "Eine gute Uni muss die Lehre ernst nehmen", sagt Flaig. Alle jungen Mitarbeiter müssten deshalb Didaktik-Kurse belegen. Denn: "Gute Lehre erfordert Zeit." Forschung und Lehre müssten gleich wichtig sein. Der Plan geht offenbar auf: Etwa die Hälfte der Master-VWL-Absolventen zieht es laut Flaig in die Wirtschaft, die andere Hälfte bleibt in der Forschung.

• RWTH Aachen: Hand in Hand mit der Praxis
Wie eine gelungene Kooperation von Hochschule und Wirtschaft aussehen kann, lässt sich heute tausendfach auf deutschen Straßen beobachten. Mit knallgelben, elektrisch betriebenen Lieferwagen surren die Paketzusteller der Deutschen Post durch die hiesigen Innenstädte. Den Streetscooter getauften Wagen entwickelten Ingenieure der RWTH Aachen in Zusammenarbeit mit dem Dax-Konzern. Mitgearbeitet haben daran auch Studenten, die so einen direkten Einblick in ihre spätere Arbeit bekommen konnten.

Dass Ingenieure aus Aachen wissen, was Industrieunternehmen wollen, hat viel mit solchen Praxisprojekten zu tun. Auch deshalb sind die ingenieurswissenschaftlichen Absolventen der RWTH seit Jahren die beliebtesten im Hochschulranking der WirtschaftsWoche. Konzerne wie Miele oder Siemens stehen Schlange, um ihren Fachkräftenachwuchs am Niederrhein zu rekrutieren.

Laut Aloys Krieg, dem Prorektor für Lehre an der RWTH, liegt das Geheimnis in der Verzahnung von Theorie und Praxis. "Der Theorieanteil ist wichtig", sagt Krieg, "Ebenso wichtig ist aber, dass Studenten möglichst früh an Forschungsprojekten mitarbeiten."

Dabei können Studenten an der gesamten Breite technischer Entwicklungen partizipieren. Sei es bei theoretischen Modellen in der Informatik oder der konkreten Planung von Motoren für ein Elektroauto. Kaum eine Uni hat so viele Industrieprojekte wie die RWTH. Einige der Unternehmen haben deshalb direkt am Campus Forschungszentren. Dort können angehende Ingenieure als Hilfskräfte arbeiten – und erste Praxiserfahrung sammeln. "Die Studenten sollen durch solche Jobs ein Gefühl dafür bekommen, was sie in ihrem späteren Beruf erwartet", sagt Aloys Krieg.

Universität Mannheim: Studieninhalte auf dem Jobprüfstand
Dieter Truxius weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, die besten Mitarbeiter zu rekrutieren. Der Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim hat viele Jahre selbst an entscheidender Stelle in Unternehmen gesessen, zuletzt als Finanzchef beim Logistikunternehmen Dachser.

Deshalb ist ihm die Vorbereitung seiner Studenten auf die Anforderungen der Wirtschaft so wichtig. "Die meisten Leute gehen von hier nicht in die Forschung, sondern in die Praxis", sagt Truxius. Seine Bemühungen und die seiner Kollegen, die BWL-Studenten der Universität Mannheim so auszubilden, dass sie Firmen direkt nach dem Berufseinstieg weiterhelfen können, zeigen sich auch im Ranking der WirtschaftsWoche: Regelmäßig landet die Hochschule dort im Fach BWL auf den vorderen Rängen. Ein wichtiger Grund dafür ist die Bereitschaft der Verantwortlichen, die Studieninhalte regelmäßig auf den Praxisprüfstand zu stellen – und sie gegebenenfalls anzupassen.

Im BWL-Bachelor wie auch im Master in Management stehen deshalb in diesem Jahr Veränderungen an. Weiterhin sollen die Studenten dort die wichtigsten Grundlagen aus Buchhaltung, Marketing und Finanzierung lernen. Darüber hinaus will Truxius aber, dass seine Bachelorabsolventen in Zukunft wissen, wie man als Betriebswirt mit den Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit umgeht. Außerdem sollen sie tieferes Wissen in den rechtlichen Grundlagen des Wirtschaftens erarbeiten. "Aus der Praxis kommt der Ruf nach mehr Vorbildung in diesen Bereichen", sagt Truxius. In Mannheim wurde ihr Ruf erhört.

Dank dieser fachlichen Umbauten werden die Mannheimer Absolventen ihr Profil noch stärker auf den direkten Berufseinstieg ausrichten können. Da sie den Abschluss aber in der gleichen Zeit und mit gleichem Aufwand wie bisher erreichen können sollen, mussten die Verantwortlichen an einer Stelle streichen, die dem Ökonom Dieter Truxius in der Seele wehtut: "Wir werden die Pflichtanteile der Volkswirtschaftslehre im Bachelor- und Masterstudiengang kürzen müssen", sagt der Dekan, "das Fach ist interessant und wichtig, aber wir werden uns auf die Vermittlung solider Grundkenntnisse beschränken, da diese für die betriebswirtschaftliche Praxis normalerweise ausreichen."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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