Kontakte knüpfen Ich-Marketing auf Jobmessen

Nirgends lassen sich so schnell so viele Kontakte knüpfen wie auf Bewerbermessen. Wer einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen will, muss auf die Feinheiten achten. Außerdem: Nach der Messe geht die Arbeit erst richtig los. Was Sie jetzt tun sollten.

Bettina Blaß | , aktualisiert

Christian Steinmetz hatte sich gut auf seinen Besuch der Jobmesse Talents in München vorbereitet. Etwa zehn Stunden lang hat der Wirtschaftsingenieur mit dem Schwerpunkt Energietechnik zu den Firmen, die er treffen wollte, Profilblätter angelegt: Wie viele Mitarbeiter? Welche Branche? Welche Produkte und Tätigkeitsschwerpunkte? Zusätzlich hat er die Nachrichten zu den Unternehmen recherchiert, einen Fragebogen fürs Gespräch entworfen und Mappen vorbereitet mit Kurzprofil und langem Lebenslauf sowie allen nötigen Dokumenten. Moritz Meltzer, der sein Duales Studium in Betriebswirtschaftslehre im Oktober beendet, hatte sich zwar auch die Profile der Unternehmen und vor allem deren Firmenphilosophie angeschaut, aber er hatte sonst nichts weiter vorbereitet für den Besuch von zwei anderen Bewerbermessen.

Fazit von beiden: Die Atmosphäre auf diesen Messen ist prima, sie konnten viele spannende Kontakte knüpfen. Meltzer steigt trotzdem nach seinem Studium bei IBM ein, dem Unternehmen, bei dem er auch die Praxiseinheiten des Dualen Studiums absolviert hat. Und Steinmetz hatte bisher zwei weitere Vorstellungsgespräche nach der Talents. Ergebnis: Zwei Zusagen für ein weiterführendes Gespräch. Sich auf die ausstellenden Unternehmen vorzubereiten, ist auf jeden Fall der erste und richtige Schritt, um auf der Messe Erfolg zu haben. Wer wie Moritz Meltzer nur seinen Marktwert testen will, kann es dabei belassen.

Lebenslauf plus Visitenkarte parat halten

Geht es darum, einen Job zu bekommen, ist Steinmetz'  Weg der richtige. Gerhard Winkler, Bewerbungsberater: "Eine vollständige Mappe ohne Deckblatt, ohne Motivationsschreiben oder Seite 3 ist sinnvoll. Man sollte aber auch einen kurzen Lebenslauf plus Visitenkarte parat halten." Die Unternehmen würden auf den Messen mit Hochglanzpapier zugemüllt, so Winkler. Darum sei so wenig wie möglich aber so viel wie nötig eine gute Wahl. "Und gerade für die spontanen Treffen ist die Kurzvariante ausreichend." Damit ist jedoch noch nicht alles getan in Sachen Eigen-Marketing. Schließlich entscheidet ganz Wesentlich das Äußere darüber, wie ein Bewerber ankommt. Logisch: Business Look ist angesagt. "Es ist von Vorteil, eine Messe zu besuchen, bevor das Studium dem Ende zugeht", rät Winkler.

Denn dann bekommt man ein Gefühl dafür, wie man aussehen sollte. "An den Ständen der Unternehmen stehen die Prototypen der Bewerber", weiß der Bewerbungsberater. Um mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren zu können, sollte man sich optisch anpassen. Das betrifft die Kleidung genau so wie Frisur, Accessoires oder Schminke. Eine sinnvolle Investition sind außerdem hochwertige Visitenkarten. "Am Liebsten dickes Papier und Prägedruck", hat Winkler beobachtet. Die Karten von Bewerbern sehen allerdings nicht so aus, wie diejenigen derer, die bereits im Job sind. "Vielmehr sollte darauf das Gesicht des Bewerbers abgebildet sein und neben den Kontaktdaten auch das Studienfach sowie ein Werbeclaim zur eigenen Person - beispielsweise "Fachkräftemangel? Nicht mit mir!". Außerdem können die drei Hauptargumente auf der Karte vermerkt werden.

Das sind zum Beispiel Auslandserfahrung, Chinesisch-Kenntnisse und Teamerfahrung. "Man verdichtet dadurch seinen Lebenslauf auf wenige Punkte. Und bringt sich in Zusammenhang mit dem Foto wieder in Erinnerung", so Winklers Rat. Völlig überflüssig seien dagegen Flyer: "Sie sind eher Beschäftigungstherapie denn Marketinginstrument", bringt es Gerhard Winkler auf den Punkt. Schließlich stehe das Wesentliche sowieso in den Bewerbungsunterlagen. Bleibt die Frage: Wie bringt man diese Unterlagen an den Mann? Ohne feste Termine müssen die Teilnehmer mit langen Warteschlangen rechnen. Darum ist es gut, sich im Vorfeld um ein Gespräch zu bemühen. Vorteil bei Zwei-Tagesmessen: "Man kann am ersten Tag noch Termine für den nächsten ausmachen", sagt Bewerber Christian Steinmetz. Er spricht aus Erfahrung. Und diese Spontaneität kann manchmal Gold Wert sein. So traf Steinmetz bei einem zufälligen Gespräch auf einen Personaler, der zunächst etwas verhalten war. Doch als er von Steinmetz' Studienschwerpunkt hörte, wurde er immer hellhöriger und bat ihn schließlich nach einem langen und ausführlichen Gespräch um seine Unterlagen und Kontaktdaten.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich gerade bei Jobmessen nicht immer alles bis ins Detail planen lässt. Darum ist es wichtig, mit offenen Augen und Ohren über die Messe zu gehen. Und ob mit oder ohne Termin empfiehlt sich eines: Wer den richtigen Gesprächspartner erwischen will, dem ist zunächst jeder Unternehmensvertreter mit Namensschildchen Recht. Gegebenenfalls wird man intern weitergereicht. Dann geht es darum, möglichst schnell die Hauptargumente für die eigene Person loszuwerden, denn "für die Unternehmen ist das Fließbandarbeit. Kein Bewerber bekommt eine Stunde Sprechzeit", sagt Gerhard Winkler.

Auch darum ist es wichtig, sich vorher darüber Gedanken zu machen, wie man auf den Gesprächspartner zugeht und mit ihm spricht: "Nämlich weder hektisch noch aufdringlich", rät Winkler. Lächeln sei dagegen sehr erwünscht - und Freundlichkeit natürlich auch. Schließlich wollen Unternehmen und Bewerber alle nur eins: passende Kontakte knüpfen, die möglichst beide Seiten weiterbringen.

Nicht auf den Lorbeeren ausruhen Nach der Messe geht die Arbeit erst richtiglos, sagt Bewerbungsberater Gerhard Winkler.

Was sollte ich direkt nach der Messe tun? Sie haben Visitenkarten gesammelt und sich Notizen über den Gesprächsverlauf gemacht. Sichten Sie die Karten. Welches Unternehmen war interessant? Welcher Job passte? Schreiben Sie Ihrem Ansprechpartner sofort eine E-Mail und bestätigen Sie so Ihr Interesse. Was steht in dieser Mail? Bedanken Sie sich für das nette Gespräch. Erinnern Sie an Details: den Auslandsaufenthalt, das Praktikum, Sprachkenntnisse. Fassen Sie wie in einem Anschreiben die Argumente zusammen, mit denen Sie punkten. Benennen Sie konkret die Position, über die Sie gesprochen haben.

Teilen Sie jetzt all das mit, was Sie im Gespräch vergessen hatten zu sagen. Schicke ich nur eine Mail oder eine komplette Bewerbungsmappe? Falls Sie eine Mappe auf der Messe abgegeben haben, schicken Sie nur noch eine Mail. Sollten Sie nur eine Kurzvita übergeben haben, senden Sie Nachweise Ihrer Qualifikation: Zeugnisse und Arbeitsproben. Sollten Sie an einen unbekannten Dritten verwiesen worden sein, schicken Sie eine komplette Mappe. Wie geht der Kontakt weiter? Personalabteilungen bitten immer um Geduld und darum, nicht nachzufragen. Ich kenne aber genügend Jobsuchende, die nach 14 Tagen telefonisch nachgehakt haben, und rasch ein Gespräch bekamen.

Zum Beispiel, weil sie einen anderen Gesprächspartner hatten, der sie super-interessant fand. Oder weil die Personalabteilung sie einfach vergessen hatte. Habe ich den Job in der Tasche, wenn ich zum zweiten Gespräch eingeladen werde? Keinesfalls. Beim Gespräch im Unternehmen stoßen Sie auf andere Leute, die sie völlig neu begeistern müssen. Bereiten Sie sich mindestens so gut vor wie auf die Messe: Recherchieren Sie Zahlen, Daten, Fakten und überlegen Sie sich Fragen. Sie sollten ein zweites Gespräch keinesfalls unterschätzen: Sie befinden sich noch mitten im Überzeugungsfeldzug.

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