Konfliktmanagement Wie Zoff dem Unternehmen schadet

Wo Menschen miteinander arbeiten, kann es schon einmal knallen. Doch viele Führungskräfte ignorieren Konflikte im eigenen Unternehmen. Diese Scheuklappenmentalität schadet der Arbeitsatmosphäre – und den Umsätzen.

von Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Wie Zoff dem Unternehmen schadet

Foto: Nomad_Soul/Fotolia.com

"Konflikte im Unternehmen – bei uns doch nicht!", so oder ähnlich antworten die meisten Führungskräfte, wenn sie nach der Streitkultur in ihrem Unternehmen gefragt werden. Konflikte gelten als etwas Unangenehmes und werden lieber ignoriert. Oder die Führungskräfte vernachlässigen sie, weil sich noch keiner bei ihnen beschwert hat.

Konflikte kosten Unternehmen Geld

Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt hat zusammen mit dem Prüfungs- und Beratungsunternehmen Mazars Geschäftsführer, Führungskräften und Angestellte zum Thema Konflikte im Unternehmen befragt. Das Ergebnis der Umfrage "Streit – erfolgreich oder folgenreich?": Im Unternehmensalltag gibt es eine ganze Reihe von Konfliktpartnern, aber es sind die Streitigkeiten in den eigenen Reihen, die am häufigsten auftreten. Und je näher die Streithähne zueinanderstehen, desto belastender ist für sie der Konflikt. Der Streit mit dem Partner geht einem schließlich auch näher, als der mit dem Nachbarn von gegenüber.

Das Problem ist: Konflikte kosten nicht nur Nerven, sondern auch Zeit. Konfliktstudien des Beratungsunternehmens KPMG zeigen, dass circa 10 bis 15 Prozent der Arbeitszeit für Streitereien mit Kollegen, Kunden und Zulieferern drauf gehen.

Auswirkungen der Streitigkeiten

"Wenn sich ein Mitarbeiter eine Stunde lang mit seinem Vorgesetzten streitet und anschließend pünktlich zu seinem Feierabend wutentbrannt das Unternehmen verlässt, hat er bis dahin gemeinsam mit seinem Vorgesetzten zwei Stunden Arbeitszeit für den Konflikt aufgewendet. Nehmen wir nun an die Stunde des Vorgesetzten kostet das Unternehmen 100 Euro und die Stunde des Arbeitnehmers 50 Euro, so entstehen hier zunächst Konfliktkosten von 150 Euro", illustriert KPMG die Entstehung der Kosten.

Ist der Chef dann weiterhin so geladen, dass er seinen nächsten Termin verschiebt oder zu spät kommt, wird es noch teurer. Auch die IHK-Studie kommt zu dem Ergebnis: "Die Auswirkungen von Konflikten sind vielfältig: über Reibungsverluste in der Zusammenarbeit, zu Krankenständen in der Belegschaft oder sogar dem Verlust von wertvollen Mitarbeitern."

Es muss jedoch nicht immer ein Streit mit Anschreien und Beleidigen sein, der das Unternehmen Geld kostet. Es gibt auch sogenannte kalte Konflikte. So beschreibt die Studie den Fall einer vierköpfigen Agentur, in der alle Informationen beim Chef zusammenlaufen – und oft dort versanden. Im Jahr 2011 verbrachten die drei Mitarbeiter rund fünf Stunden pro Woche mit dem Suchen nach Informationen: welche Aufträge sind eingegangen, was wurde reklamiert?

Konsequenzen

Die dadurch verlorene Arbeitszeit beziffert KPMG mit 16.000 Euro. Für Aufträge, die in der Zeit hätten bearbeitet werden können, kommen noch einmal 8 000 Euro entgangener Gewinn hinzu. Würde das Ablagesystem in der Agentur funktionieren, könnten sich die Mitarbeiter rund 15 Stunden in der Woche um andere Dinge kümmern. Kostenpunkt: 48.000 Euro.

Unter dem Strich machte die Agentur also einen Verlust in Höhe von 72.000 Euro – weil Kommunikation und Organisation nicht funktionieren. In einem anderen Fall entstanden einem Unternehmen wegen Mobbings Kosten in Höhe von 433.500 Euro für Aufhebungsverträge, Fehltage der Mitarbeiter, entgangene Erlöse und Gerichtskosten.

Ein Konflikt zwischen zwei IT-Entwicklungsabteilungen in einem international tätigen Unternehmen kostete insgesamt sogar 3,45 Millionen Euro. Diese Kosten können sich Unternehmen sparen – wenn sie die Scheuklappen abnehmen und nicht auf Teufel komm raus Harmonie verordnen.
 
Lösungswege

Einer der Lösungswege kann Mediation sein, also die Streithähne mit einem unbeteiligten Dritten zusammen den Konflikt aus der Welt schaffen lassen. Im Falle des Unternehmens, in dem sich ein Mitarbeiter vom Abteilungsleiter gemobbt fühlte, hätten 17 Tage Mediation 28.750 Euro gekostet. Das wäre eine Ersparnis von 404.750 Euro gewesen.

Laut der IHK-Studie strebt auch die Mehrheit der Befragten eine Klärung von Konflikten an und ist nicht auf Eskalation aus. Die Hälfte der Umfrageteilnehmer ist dafür, erst einmal den direkten Weg einzuschlagen, und die betroffenen Parteien zusammen zu bringen. An zweiter Stelle hielten sie Schlichtung und vor allem Mediation für besonders geeignet.

Je emotionaler der Konflikt, desto wirksamer wird Mediation von den Teilnehmern empfunden. Bei internen Konflikten betrachtet jeder Zweite die Mediation als wirksamste Methode der Konfliktbeilegung. Grundsätzlich sind die Führungskräfte gefragt. Sie dürfen nicht den Kopf in den Sand stecken. Außerdem gibt es laut KPMG drei hausgemachte Gründe, warum Projekte in Unternehmen nicht optimal laufen. Erstens: Fehlende Kommunikation. Zweitens: Fehlende Kommunikation. Drittens: Fehlende Kommunikation.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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