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Konfliktfähigkeit Angst vor dem Gesichtsverlust

Job, Wirtschaft, Politik – überall werden Probleme ausgesessen, sagt der Coach Roland Jäger. Streiten kann aber sehr konstruktiv sein. Doch viele fürchten die Eskalation.

Tina Groll, zeit.de | , aktualisiert

Angst vor dem Gesichtsverlust

Gesichtsverlust

Foto: olly/Fotolia.com

Jürgen W. drückt sich vor Konflikten. Statt in die Auseinandersetzung mit seinem Mitarbeiter zu gehen, dessen Fehler ihm viel Arbeit macht, jammert er lieber herum. Motivieren kann er seine Mitarbeiter auch nicht.

Konfliktscheue Führungskräfte wie Jürgen W. gibt es viele. Das hat zuletzt erneut die Gallup-Studie festgestellt.

Der Manager-Trainer Roland Jäger geht in seinem neuen Buch "Ausgesessen" mit diesen Chefs ins Gericht. Die Kultur des Nicht-Entscheidens in den Chefetagen von Wirtschaft und Politik koste uns die Zukunft, schreibt der Autor. Jäger will seinen Lesern Konfliktfähigkeit und eine konstruktive Streitkultur beibringen.

Willenskraft stärken

"Ein Ziel nicht sofort zu erreichen wird als Gesichtsverlust vor den anderen empfunden. Das hat mit dem Vorherrschen eines unreflektierten Leistungsgedankens und Perfektionismus zu tun", schreibt Jäger.

Er setzt sich ein für einen Perspektivenwechsel: Ein Ziel noch nicht erreicht zu haben, ist doch nur ein Zwischenzustand. Jäger empfiehlt Entscheidern, ihre Willenskraft zu stärken.

Planen und fokussieren

Mehrere Studien haben gezeigt, dass Menschen mit einer sehr starken Volition auch außergewöhnlich erfolgreich sind. Sie können sich leichter auf etwas fokussieren, ihre Emotionen und Stimmungen besser managen als andere.

Sie lassen sich also nicht so leicht verunsichern und geraten nicht schnell in Panik. Sie wissen sich durchzusetzen und planen vorausschauend.

Doch warum gelingt es nur wenigen, Konflikte zu steuern? Jäger sieht hier ein klassisches ängstliches Verhaltensmuster als Ursache. Aus Angst vor einer Eskalation leugnen viele Chefs ein Problem zunächst.

Sie ziehen sich zurück, statt aktiv zu handeln.

Doch dieses Zögern verschärft den Konflikt, bis er eskaliert. Jäger will diesen Prozess durchbrechen und früher ansetzen. "Es gibt nie den richtigen Moment, nur den frühmöglichen. Und der ist jetzt", lautet sein Plädoyer.

Stufen der Eskalation

Aus der Forschung ist bekannt, dass Konflikte in mehreren Eskalationsstufen verlaufen. Je niedriger die Stufe, desto einfacher lässt sich ein Problem lösen.

Weil Aussitzen aber in der Regel zu einer rasanten Verschärfung führt, denken konfliktscheue Menschen, dass jedes Problem nur mit einem hohen Aufwand zu lösen ist – sie haben bisher ja nur Eskalation erlebt. Bei ihnen entsteht eine Konfliktspirale aus Angst vor der Konfrontation, die erst Recht eine Konfrontation hervorruft.

Selbstkritisches Handeln gefragt

Wie es besser geht, zeigt der Autor in seinem Buch anhand konkreter Beispiele aus seiner Coachingarbeit auf. Jäger unterfüttert seine Aussagen mit zahlreichen Studien aus der Arbeitspsychologie und Managementtheorie. Das gibt dem Buch Tiefe.

Am Ende zeigt er Alternativen auf. "Ausgesessen" ist ein pointiertes und kluges Buch, das anregt zur Selbstkritik und das konkrete Vorschläge für ein anderes Verhalten macht.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

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