Kommunikation mit Bewerbern Kleinteilige Talentsuche

Die Jobsuche findet zunehmend im Netz statt, Personalabteilungen kommen um aufwendige Karriere-Seiten nicht mehr herum. Eine Studie bescheinigt deutschen Firmen dabei grundsätzlich gute Arbeit, oftmals kommunizieren sie jedoch an den Bewerbern vorbei.

Marcel Berndt, wiwo.de | , aktualisiert

Kleinteilige Talentsuche

Bewerbersuche1

Foto: Sergey Nivens/Fotolia.com

Sie könnte glatt das Ratgeber-Portal einer Arbeitsvermittlung sein. Die Bewerberakademie der Homepage des Energiekonzerns RWE bietet Bewerbern Tipps zu Präsentationstechniken, Strategien für den Einstellungstest und kostenlose E-Books über Themen, wie Konfliktmanagement, Rhetorik und Schlagfertigkeit.

Von dem Angebot kann jeder profitieren – nicht nur Bewerber bei RWE, sondern auch bei anderen Unternehmen.

"Das ist sehr professionell gemacht und geht weit über das hinaus, was von der Karriere-Homepage eines Unternehmens zu erwarten ist", sagt Christian Berens, Geschäftsführer der Kölner Kommunikationsberatung NetFederation. Er muss es wissen. Denn seine Firma hat in einer Studie die Karriere-Seiten von 100 deutschen Unternehmen unter die Lupe genommen. RWE landet dabei auf Platz 13.

Im Internet in Szene setzen

Die Studie attestiert deutschen Unternehmen generell ein gutes Vorgehen. Das sei gerade in Zeiten des Fachkräftemangels wichtig, sagt Berens: "Ich kann allein schon für meine Branche, der IT und Kommunikation, sagen, dass es unheimlich schwer ist, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen", sagt er.

"Da sich mittlerweile alle Welt im Internet aufhält, und sich dort die Informationen holt, müssen sich die Arbeitgeber dort entsprechend in Szene setzen."

Portal mit Außenwirkung

Die beste Karriere-Seite stammt laut Studie von der Otto Group. "Unsere Karriereseite ist das Herzstück unserer Bewerberkommunikation und somit das Tool, über das der Großteil der potenziellen Bewerber uns kennenlernt. Entsprechend wichtig ist dieses Portal für uns und für die Außenwahrnehmung unseres Unternehmens", sagt Otto-Pressereferentin Jennifer Buchholz.

Die Internetseite des Studienbesten ist übersichtlich gestaltet und unterteilt sich in Unterseiten für verschiedene Zielgruppen: Berufserfahrene, Berufseinsteiger, Studenten und Schüler.

Es gibt eine prominent platzierte Suchmaske für die Stellensuche, Bewerbungstipps und Interviews, in denen sich Mitarbeiter vorstellen.

69 Prozent aller untersuchten Unternehmen setzen in ihrer Arbeitgeber-Kommunikation auf ihre Angestellten. So schreiben etwa Mitarbeiter des Chemieriesen Bayer (Platz 6) auf der Facebook-Karriereseite des Unternehmens einen Blog über ihren Arbeitsalltag und ihre Projekte.

"Ich denke, es gibt keine besseren Fürsprecher für ein Unternehmen als die eigenen Mitarbeiter", sagt NetFederation-Chef Christian Berens.

Allerdings versäumen die Firmen zugleich, sich direkt anzupreisen – unabhängig von der Kommunikation mit den eigenen Mitarbeitern (ebenfalls 69 Prozent).

Animation für Bewerber

"Auch die Unternehmen müssen sich aktiv bei den Jobsuchenden bewerben. Wenn ein Interessent weiß, was ihm ein Unternehmen bieten kann, dann wird er auch aktiv", sagt Berens.

"Fresenius stellt das ganz schön in den Vordergrund." Der auf Rang 4 platzierte Gesundheitskonzern listet all seine Subunternehmen auf – jeweils mit einem Unternehmensprofil, was das Unternehmen auszeichnet und welche Chancen es bietet.

So können Bewerber die Tochterfirmen direkt vergleichen. "Da können sie ganz klar sehen, warum man sich dort bewerben sollte."

Bewerbung ohne Anleitung

Nachholbedarf sieht die Studie vor allem beim Service. So bietet nur knapp die Hälfte generelle Bewerbungsgtipps an. Und obwohl 83 Prozent der Firmen direkte Online-Bewerbungen ermöglichen, erklärt kaum ein Drittel, wie das jeweilige Bewerbungstool genau funktioniert.

Berens geht davon aus, dass der Trend zu Online-Bewerbungen weiter zunehmen wird: „Man kann sich der ganzen Online-Welt nicht mehr verschließen“, sagt er. „Ich sehe das Internet als Chance, sich schnell, einfach und kostengünstig zu bewerben. Heutzutage muss man keine aufwendigen Mappen mehr rumschicken und spart dadurch Zeit und Geld.“

Dass Online-Bewerbungsformulare die Jobsuchenden in ein Raster quetschen und ihnen die Chance nehmen, sich individuell darzustellen, streitet Otto-Pressereferentin Jennifer Buchholz ab: "Heute können Sie Links zu Ihrer eigenen Homepage integrieren und beispielsweise auch Filme von sich beifügen", sagt sie. 

"Die Darstellung der eigenen Personen gegenüber einem potenziellen neuen Arbeitgeber hat also durch die neuen technischen Möglichkeiten noch ein paar Facetten dazu gewonnen."

Ihr Unternehmen bietet Bewerbern auch an, erste Gespräche mit Personalern über den Online-Telefondienst Skype zu führen. Ist der erste Eindruck dabei positiv, lädt Otto den Bewerber zu einem persönlichen Gespräch ein.

Karriere-Portale schneiden gut ab

Seit 2010 besitzt das Unternehmen außerdem eine mobile Karriere-Internetseite. Damit gehört die Otto Group zu einer Minderheit.

83 Prozent der Unternehmen vernachlässigen bei ihrer Arbeitgeber-Kommunikation das mobile Internet.

Trotz der zahlreichen Schönheitsfehler kann Christian Berens in seiner Studie ein positives Fazit ziehen: "Wir beobachten schon seit langem verschiedene Unternehmensseiten – unter anderem auch zu Investor Relations und Corporate Social Responsibility. Im Vergleich zu anderen Bereichen schneiden die Karriere-Portale am besten ab."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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