Köder für Bewerber Suche Azubi, biete Auto

Den Deutschen Firmen mangelt es zusehends an Auszubildenden. Arbeitgeber verspüren einen deutlichen Bewerbungsrückgang, und häufig bleiben die wirklich qualifizierten Bewerber weg. Deshalb versuchen viele Arbeitgeber potenzielle Lehrlinge mit Geschenken zu werben.

Katja Köllen, wiwo.de | , aktualisiert

Suche Azubi, biete Auto

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Foto: Deklofenak/Fotolia.com

Die Deutschen bekommen seit Jahren zu wenig Kinder. Eine Folge davon ist, dass viele deutsche Arbeitgeber jetzt auch zu wenig Bewerbungen für Lehrstellen erhalten. Viele Stellen bleiben sogar unbesetzt.

"Heute müssen wir auch Bewerber nehmen, die früher keine Chance auf eine Ausbildung gehabt hätten", sagt Gerhard Braun, Vizepräsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BD).

Die Unternehmen haben nach Einschätzung des BDA-Vize zunehmend Probleme, genug Bewerber zu finden. "Wir sehen einen Rückgang der Bewerber für eine duale Ausbildung, obwohl die duale Ausbildung an Attraktivität gewonnen hat, seit man nach erfolgreichem Abschluss auch ohne Abitur studieren kann", sagte Braun. Die Unternehmen machen laut Braun daher verstärkt Werbung, um Bewerber zu finden. 

Extras in den Stellenanzeigen

Großzügigkeit ist das Mittel, auf das viele Arbeitgeber jetzt setzen. Sie locken potenzielle Ausbildungsbewerber mit Extraleistungen.

Auslandspraktika, Abschlussfahrten, eine Auto für den "Azubi des Jahres" oder Geschenke wie Netbooks, Laptops oder Smartphones werden dann schon bei den Stellenanzeigen für Ausbildungsplätze versprochen.

Schmackhafte Ausbildung

So bietet der Lebensmittelkonzern Rewe seinen Auszubildenden nach Beendigung der Ausbildung eine Abschlussfahrt und ehrt die regional und national besten Azubis. Einen sogenannten "Azubi Award" nutzt auch die Gastronomiekette Marché, die zur Unternehmensgruppe der Mövenpick Holding gehört, um die hauseigenen Ausbildung schmackhaft zu machen. 

"Bei dieser coolen Veranstaltung triffst du auf all unsere Auszubildenden aus der Schweiz, aus Deutschland und Österreich. Dabei kannst du dich als beste Gastgeberin mit Organisationstalent oder aber als ausgezeichneter Zahlenmensch mit Leidenschaft für Essen und Trinken beweisen", beschreibt Marché die Azubi-Auszeichnung.

Wer ausgezeichnete Leistungen bringt, bekommt bei Marché eine besondere Belohnung: Im dritten Lehrjahr bekommen die besten Azubis für ein Jahr kostenlos einen Smart. Damit steht Marché aber nicht alleine da.

Autos als Anreiz für die Lehrlinge gibt es häufiger. Auch das Medizintechnikunternehmen World of Medicine AG (WOM) setzt auf einen Pkw als Belohnung: "Unser stärkster Azubi fährt für ein Jahr einen ‚VW UP‘!" beendet WOM die Stellenanzeige für Auszubildende.

Der gleiche Anreiz winkt bei K&S-Dr. Krantz Sozialbau und Betreuung: Für den "Azubi des Jahres" gibt es ein Auto. Jedes Jahr zeichnet das Familienunternehmen aus Sottrum bei Bremen eine angehende Pflegekraft aus seinen Seniorenresidenzen aus. Als Prämie: für ein Jahr ein eigener Smart zur freien Verfügung.

Handyverträge und Laptops zum Vertragsabschluss

Kleinere, aber dafür längerfristige, Geschenke bietet zum Beispiel der Unterwäschehersteller almers seinen Azubis an. Jeder, der bei Palmers einen Ausbildungsvertrag unterschreibt, bekommt ein iPhone geschenkt. Für zwei Jahre gibt es darüber hinaus einen Flatratetarif und 5 GB Datentarif.

Die Helios Kliniken wiederum statten ihre Schüler und Auszubildenden seit Herbst 2009 mit Laptops aus – zur dienstlichen und privaten Nutzen. Das steht sogar im Konzerntarifvertrag.

Wer seine Ausbildung erfolgreich abschließt, kann den Laptop privat weiternutzen. Dagegen wirken die Möglichkeiten, eine Zeit der Ausbildung im Ausland zu verbringen, beinahe schon langweilig, gehören aber mindestens bei den großen Konzernen ebenfalls schon zum normalen Angebot dazu, um die besten Bewerber anzuziehen.

Klassische Handwerksberufe versuchen es übrigens schon länger mit Lockangeboten. Vor zwei Jahren startete zum Beispiel der Zentralverband der Deutschen Bäckerhandwerks eine besondere Aktion, um dem Ausbildungsmangel vorzubeugen: Bäcker können seit 2010 wieder auf die Walz gehen.

Eine alte Tradition, die wieder modern sei und vielleicht abenteuerlustige Schulabgänger locken könnte.

"Die Bäckerwalz ist gerade im Zeitalter der Mobilität und lexibilität eine sehr gute Ausbildungsvariante", so Peter Becker, Präsident des Zentralverbands.

Persönliche Herausforderung

Die Tradition der Wandergesellen erweitere den Horizont und sei eine persönliche Herausforderung, die einen gewissen Mut erfordere.

Übrigens scheinen Unternehmen auch die finanziellen Anreize für potenzielle Auszubildende zu verbessern. So verdienten diese laut dem Bonner Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im vergangenen Jahr deutlich besser. Durchschnittlich bekam ein Azubi 2012 vier Prozent mehr als 2011, nämlich 730 Euro pro Monat.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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