Karrierewege Spielend zum Manager von morgen

Wer künftig im Top-Management Karriere machen will, sollte sich schleunigst fit machen im Computer-Spielen.

Katrin Terpitz | , aktualisiert


Illustration: Stefan Bayer/Pixelio

Das oberste Level erreichen

Beim Konsumgüterkonzern Unilever etwa müssen sich Führungskräfte in spe als virtuelle Trainees in der Eiscremefirma Ben & Jerry's bewähren. Ihre Aufgabe: die Eissorte „Indian Summer“ kreieren. So will Unilever vorab checken, welche Kompetenzen und Eigenschaften ein Bewerber mitbringt – und ob er damit ins Unternehmen passt.

Immer mehr Arbeitgeber integrieren Online-Games in ihre elektronischen Bewerbungsverfahren. Die Spiele simulieren typische Entscheidungssituationen eines Managers. Nur wer es bis zum obersten Level schafft, wird zum realen Vorstellungsgespräch geladen.

Mit den oft aufwendigen Strategiespielen versuchen Arbeitgeber, das Interesse der „Generation Gameboy“ zu wecken. Sie wissen: Trockene Ankreuztests schrecken viel umworbene Talente eher ab. „Doch was so spielerisch daherkommt, ist für die Bewerber genauso ernst wie jeder klassische Einstellungstest“, sagt Christian Jerusalem. Er ist Experte für Talentmanagement und Partner der Personalberatung Korn/Ferry.

Risiken kalkulieren und schnell entscheiden

Online-Spiele und moderne Unternehmen, die immer stärker virtuell arbeiten, haben vieles gemeinsam. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest IBM in einer Studie: „Führungskräfte müssen Individuen koordinieren und motivieren, die in verschiedenen Zeitzonen und Kulturen leben.“ Wie erfolgreiche Echtzeit-Strategiespieler müssen sie Risiken kalkulieren und schnell entscheiden.

Diesen Zusammenhang hat auch die US-Armee erkannt. Von Nachwuchssorgen geplagt, setzt sie das Online-Spiel „America's Army“ ein. Es soll technikaffine und reaktionsschnelle Menschen zum Militär locken, die vernetzt denken können – alles Fähigkeiten, die solche Baller-Spiele voraussetzen.


Illustration: Stefan Bayer/Pixelio

Einflussreiche Kampagne

Die besten Spieler versucht die US-Armee anzuwerben. Offenbar mit Erfolg: Nach einer Studie des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) war „America's Army“ einflussreicher als alle anderen Kampagnen der Armee zusammen.

„Es gibt sicher Bewerber, die solche Online-Spiele cool finden und entsprechend auch den Arbeitgeber“, sagt Talentexperte Jerusalem.

So will auch der Kosmetikkonzern L'Oréal Talente mit dem kostenlosen Online-Strategiespiel „Reveal“ auf sich aufmerksam machen. Die Teilnehmer durchlaufen fünf fotorealistisch dargestellte Abteilungen und müssen für Cremes, Verpackungen oder Finanzfragen Lösungen finden. Belohnung für die Besten: ein reales Vorstellungsgespräch.

Allerdings kann kein Computer Menschenkenntnis ersetzen. Christian Jerusalem sagt: „Arbeitgeber, die Talente ausmustern, weil sie unerfahrene Online-Spieler sind, schaden sich nur selbst.“

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