Karrierewechsel "Ich lerne immer noch jeden Tag dazu."

Der frühere Finanzvorstand von Bilfinger Berger, Jürgen M. Schneider, leitet heute als hauptamtlicher Dekan die BWL-Fakultät der Universität Mannheim. Im Gespräch mit Handelsblatt-Redakteurin Stefani Hergert erklärt er, warum er die Fakultät nicht wie eine Firma führen kann.

Stefani Hergert | , aktualisiert

Was genau macht ein hauptamtlicher Dekan?
Als man mich gefragt hat, ob ich den Job machen will, musste ich auch erst einmal fragen: ,Was ist das genau?' Im Prinzip geht es darum, die Belange der Fakultät im Auge zu haben, weiterzuentwickeln und diese gegenüber dem Rektorat zu vertreten. Ich beschäftige mich mit Berufungsverfahren, Haushaltsfragen, Internationalisierung und Akkreditierungen.

Lässt sich eine Fakultät wie ein Unternehmen führen?
Nein. In der Wirtschaft muss man sagen: ‚Jetzt hören wir auf zu diskutieren und handeln endlich'. Und das auch mal gegen den Widerstand einzelner. An der Universität wird mehr diskutiert. Ich kann ja den Professoren keine Weisungen erteilen, höchstens - wie ich gelernt habe - wenn es darum geht, die Lehre sicherzustellen.

Also schon eine starke Umstellung für einen Manager wie Sie?
In der Firma führen Sie sehr stark mit Zahlen und Zielerreichung. Den Druck der Zahlen erfahren wir in anderer Form, zum Beispiel durch Budgetrestriktionen statt Prämien bei Zielerreichung. Daran muss man sich gewöhnen. Am Anfang waren Themen wie Berufungsverfahren oder Hochschulrecht für mich Neuland. Ich lerne immer noch jeden Tag dazu.

Stellen Sie sich oft die Frage: ‚Warum läuft das hier so und nicht anders?'
Hin und wieder schon, aber ich kann ja nicht gleich alles infrage stellen. Es gibt ein paar Dinge, die sind antiquiert. Warum führt zum Beispiel immer noch der Rektor die Gehaltsverhandlungen für Professoren? Auch dieser Teil der Budgethoheit gehört ins Dekanat.

Nun kann man sich vorstellen, dass freiheitsliebende Professoren einen Manager nicht nur begeistert aufnehmen. Gab es Ablehnung?
Nein, ganz im Gegenteil. Die Professoren haben sich ohne Gegenstimme für mich entschieden.

Diskutieren Sie als Praktiker mit den Professoren auf Augenhöhe?
Es hilft auf jeden Fall, dass ich selbst wissenschaftlich gearbeitet habe, auch wenn das schon fast 40 Jahre her ist. Die heutige Forschungsqualität kann ich aber nicht beurteilen. Wenn ich Fachaufsätze lese, verstehe ich manchmal nur die Problemstellung und die Quintessenz. Aber das sehen die Kollegen Professoren mir nach.

Wie lange werden Sie bleiben?
Ich musste selbst erst einmal fragen, für wie lange ich denn gewählt bin, und ich war überrascht, dass es sechs Jahre sind. Für mich ist entscheidend, dass ich die Aufgabe hier engagiert angehe. Bei vorzeitiger Beendigung wäre mir aber eine geregelte Übergabe sehr wichtig.

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