Karrierewechsel Bauer sucht Neuanfang

Peter Heinrich Brix, bekannt aus der ARD-Serie Großstadtrevier, wagte spät eine zweite Karriere. Im Interview redet der ehemalige Landwirt über seine Anfänge als Schauspieler, seine Rollen, und das Risiko, mit Mitte 30 einen kompletten beruflichen Neustart zu wagen.

Markus Schleufe / Zeit.de | , aktualisiert

Herr Brix, mit einer kleinen Rolle auf einem Feuerwehrfest begann ihre Schauspielkarriere. Wie kam es dazu?
Es war Zufall. Irgendwann fragte man mich, ob ich nicht mal anlässlich des Feuerwehrfestes in einem Einakter mitspielen wolle. Es hat mir riesigen Spaß gemacht. Das hat irgendwas in mir ausgelöst, was ich so nicht erwartet hatte – nämlich die Freude am Spielen.

Sie waren also ein Schauspiel-Naturtalent?
Zum "richtigen" Schauspieler war es noch ein langer Weg. Im Nachhinein war das, was ich dort auf der Bühne gespielt habe, nicht wirklich gut. Aber darauf kam es auch gar nicht an. Das Entscheidende war der Spaß am Schauspielern. Danach wuchs der Traum, vielleicht mal bei der Niederdeutschen Bühne in Flensburg, das ist ein semi-professionelles Theater, eine kleine Rolle zu bekommen. Aus meiner damaligen Sicht war das schon fast ein bisschen zu hoch gegriffen. Ich habe mich trotzdem dort vorgestellt.

Sie spielten dann mehrere Jahre an der Niederdeutschen Bühne in Flensburg Theater – parallel zu ihrem Beruf als Landwirt.
Ich bekam erst eine ganz kleine Rolle. Für mich war das ein riesiges Feld, denn dort war es schon sehr professionell. Der Leiter und der Regisseur waren ja Profis. Das Spielen war für mich ein wunderbarer Ausgleich. Ich habe dieses Wandern zwischen den Welten geliebt. Parallel zu meiner Schauspielerei baute sich in unserem Dorf auch eine kleine Künstler-Szene auf. Ein Sozialpädagoge aus dem Dunstkreis der Berliner Künstler-Szene wohnte schon im Dorf, außerdem zog ein Berliner Musiker zu uns. Der spielte seinerzeit Saxophon in einer Band. Diese Leute haben mich interessiert.

Bekannt geworden sind Sie 1995 mit der Rolle des Lothar Krüger in der ARD-Serie Großstadtrevier. Nach über 14 Jahren sind Sie 2009 aus der Serie ausgestiegen. Wie schwer fiel Ihnen der Ausstieg?
Es war schwer, weil eine Rolle auch immer ein Stück vom Leben ist. Andererseits schafft das dann auch wieder die Möglichkeit, neue Dinge angehen zu können. Das gehört zur Schauspielerei, einfach mal loszulassen und einen neuen Weg zu probieren.

Sie sind ausgebildeter, staatlich geprüfter Landwirt, in der Serie Neues aus Büttenwarder spielen Sie einen Landwirt. Eigentlich sollte Ihnen die Rolle leicht fallen …
So einfach ist das nicht, das hat nichts mit der beruflichen Qualifikation zu tun. Das hat mehr damit zu tun, dass man diesen Lebensraum kennt. Man kennt die Leute. Ich habe 30 Jahre lang in so einer Umgebung gelebt. Natürlich nicht so wie in Büttenwarder, das ist ja zugespitzt. Aber ein Stück weit zieht man etwas aus den Erfahrungen.

Inwiefern stellt die Rolle des Landwirts Arthur Tönnsen in Neues aus Büttenwarder für Sie auch eine Reise in die Vergangenheit dar?
Wenn ich dort an einen Misthaufen vorbei laufe oder einen alten Düngerstreuer sehe, dann assoziiere ich damit doch einiges aus alten Zeiten. Das alles ist schon die Welt aus der ich komme. Auch die Maschinen, die dort stehen, stammen aus der Zeit, als ich noch Landwirt war. In der modernen Landwirtschaft sind sie ja so kaum noch vorhanden.

Sie entdecken also in der Rolle des Landwirts auch ein bisschen den alten Peter Heinrich Brix?
In jeder Rolle, die man spielt, findet man sich wieder. Man muss bei der Schauspielerei immer aus sich selber schöpfen. 

Ist es Ihnen damals leicht gefallen, die Landwirtschaft ganz aufzugeben?
So eine Entscheidung kann einem nicht leicht fallen. Es war so, dass ich an meine Grenzen gestoßen bin. An der Niederdeutschen Bühne habe ich alles rauf und runter gespielt, parallel dazu war ich viel mit dem Musiker und dem Sozialpädagogen mit einem Einakter unterwegs. Irgendwann kam die Frage, wie man das alles noch hinbekommen soll. Ich hatte doch meine Verantwortung auf dem Hof. Und die Landwirtschaft ist ein 100-Prozent-Job. Aber wenn ich als Schauspieler Entwicklung nehmen wollte, musste ich auch da zu 100 Prozent bei der Sache sein. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder höre ich auf zu spielen oder ich lege die Verantwortung für den Hof in andere Hände.

Sie wussten aber zu diesem Zeitpunkt, dass Sie mit der Schauspielerei Ihre Brötchen verdienen können?
Es war umgekehrt. Ich musste ins Risiko gehen. Das war ja das Problem. Ich musste dafür sorgen, dass der Hof läuft. Ich brauchte jemanden, der mich auf dem Hof vertritt, in dessen Hände ich die ganze Verantwortung legen konnte. Jemanden, bei dem ich das Gefühl hatte, der will das machen und kann das machen. Schließlich fand ich einen jungen Landwirtschaftsmeister. Ab da fing ich mit 34 dort an, wo andere mit 18 beruflich starten.

Hatten Sie Angst, dass Sie scheitern könnten?
Das war ein großes Risiko. Mit meinem Nachfolger auf dem Hof hatte ich den Deal, dass ich nicht wieder zurückkommen würde. Zum Glück hat es ja geklappt. Im Nachhinein hat es Spaß gemacht, einfach den Reset-Knopf zu drücken. Zuerst habe ich mich mit einfachen Synchronrollen über Wasser gehalten. Ich wohnte in einem kleinen Zimmer und schlief auf einer einfachen Palette mit einer Schaumstoffmatratze darauf. Schritt für Schritt ging es voran, es war immer eine Entwicklung da.

Welchen Bezug, außer ihrer Rolle in Neues aus Büttenwarder, haben sie heute noch zur Landwirtschaft?
Ich verfolge noch die Entwicklung, aber das Know-How habe ich nicht mehr. Ich bin auch immer gerne auf dem Land, aber ansonsten findet die Landwirtschaft in meinem Leben nicht mehr statt. Ich säge mir mein Holz noch selber, so ein bisschen bin ich gerne in der Natur unterwegs. Natürlich hat das nichts mit Landwirtschaft zu tun und es ist auch nicht so, dass ich sage, das möchte ich gerne noch einmal machen. "Nichts wird sein wie vorher", um ein Zitat Manfred Maurenbrecher zu verwenden, und so ist es dann auch. Ich hoffe, dass ich so lange wie möglich mit der Schauspielerei zu tun habe.

Was raten Sie Menschen, die völlig unzufrieden sind mit ihrem Job und eigentlich etwas ganz anderes machen möchten?
Zuallererst eine ehrliche Analyse. Einfach zu sagen: Ich bin unzufrieden in meinem Job, ich mache was anderes, reicht nicht aus. Man braucht eine Vision. Man muss irgendwas in sich haben, was man so weit ausbauen kann, dass es andere interessiert. Und wenn man dann auch noch davon leben kann, ist das ein großes Glück.

(Zuerst erschienen auf ZEIT ONLINE)

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...