Karrieretipps Wenn der Headhunter klingelt

Die Personalberater-Branche boomt und profitiert von der großen Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Doch was tun, wenn man wirklich von einem Headhunter angerufen wird?

von Janis Hülder, wiwo.de | , aktualisiert

Wenn der Headhunter klingelt

Foto: Dan Race/Fotolia.com

Ein großes Thema beherrscht derzeit die Diskussion um den deutschen Arbeitsmarkt. "Fachkräftemangel" heißt das omnipräsente Schlagwort: Für Unternehmen werden auf Grund der seit Jahrzehnten abnehmenden Geburtenzahlen allmählich die Arbeitskräfte knapp. Zumindest solche, die sie sich wünschen, vor allem hochqualifizierte MINT-Akademiker (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technologie), aber auch Techniker und Handwerker.

Hilfe bei der Suche nach den raren passenden Mitarbeitern erhalten immer mehr Unternehmen von professionellen Personalberatern – im Volksmund auch Headhunter genannt. Allein in Deutschland gibt es rund 2000 Beratungsunternehmen mit insgesamt knapp 5700 Personalberatern.

Rekordvermittlung

Laut Angaben des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater BDU hat die Branche im Jahr 2012 insgesamt rund 51000 Positionen bei Fach- und Führungskräften besetzt. Mit 1,55 Mrd. Euro Umsatz verzeichnet die Branche einen Rekord.

"Besonders gefragt waren Experten der Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie der Elektro- und Energietechnik, in der Regel mit MINT-Abschlüssen", sagt ein Sprecher des Verbands. Und trotz der Unsicherheiten der Eurokrise rechnet der Verband auf der Basis eigener Umfrageergebnisse mit einem weiteren Wachstum von rund 3,5 Prozent für 2013.

Headhunter sind und bleiben auf Fach- und Führungskräfte mit bereits vorhandener Berufserfahrung und entsprechend überdurchschnittlichen Gehaltserwartungen spezialisiert. Bei knapp 60 Prozent der mit Hilfe von Personalberatern besetzten Positionen wurden Kandidaten für Fachkräftepositionen oder das mittlere Management mit einem Zieleinkommen zwischen 75 000 und 150 000 Euro gesucht. In jedem vierten Projekt standen Führungskräfte im oberen Management mit Zieleinkommen zwischen 150 000 und 50 0000 Euro auf dem Wunschzettel der Auftraggeber.

Wer also in den Fokus eines Headhunters gerät, hat meist gute Chancen auf einen Gehalts- und Karrieresprung. Die erste Kontaktaufnahme durch den Headhunter erfolgt meist per Telefon und kommt in aller Regel unerwartet. Doch wie man darauf reagiert und vor allem, wie viel man von sich selbst und den eigenen Wünschen dem Headhunter offenbart, sollte man sich generell und unabhängig vom konkreten Fall im vorhinein überlegen. "Bis zu einem gewissen Punkt sollten Sie offen mit ihrem Gesprächspartner umgehen", sagt Klaus Aden, Geschäftsführer der Personalberatung LAB Lachner Aden Beyer & Company und seit über 20 Jahren in der Branche aktiv.

Die Spielregeln

Headhunter rufen mögliche Kandidaten für eine zu besetzende Position in aller Regel im Büro während der Arbeit an. Dann bleibt ihnen meist nicht mehr, als sich offen vorzustellen. Kommt der Anruf bei der Arbeit ungelegen, vor allem wenn Kollegen mithören können, sollte man sich gleich auf einen passenderen Gesprächstermin einigen. Headhunter stehen dafür meist auch am Abend oder Wochenende zur Verfügung.

Im zweiten Gespräch wird sich der Headhunter vermutlich zunächst nach dem Werdegang und dem aktuellen Job erkundigen. Nach den Antworten darauf kann man den Spieß umdrehen und offen fragen, um welche Stelle es konkret geht. Dabei merkt man schnell, ob sich das Gespräch lohnt oder nicht. "Es ist durchaus legitim, dass auch Sie dem Berater einige Fragen stellen. Seriöse Kollegen haben dafür vollstes Verständnis", erklärt Aden. Erscheint der Headhunter vertrauenswürdig, sollte man ihm wieder die Gesprächsführung überlassen.

Früher oder später in diesem Gespräch wird jeder Personalberater auch die Frage nach dem Gehalt stellen. "Das ist sicherlich nicht das Lieblingsthema der Deutschen", weiß Aden. Er rät dennoch dazu, dem Headhunter eine möglichst realistische Vorstellung des aktuellen Verdienstes zu geben. Normalerweise wird der Headhunter sagen, ob sich das Zieleinkommen der zu besetzenden Stelle in dem gewünschten Rahmen bewegt.

Er selbst hat übrigens auch durchaus ein Interesse daran, denn bei 60 Prozent der Aufträge orientiert sich das Honorar des Headhunters am Zieleinkommen seines Kandidaten. Übertrieben nach oben treiben werden Headhunter die Gehaltswünsche der von ihnen kontaktierten Kandidaten dennoch nicht. "Wenn die Vermittlung schließlich am Gehalt scheitert, hat keiner etwas davon", meint Aden.

Seriöse Headhunter liefern Jobprofil

Nicht immer dürfen die Personalberater ihren Auftraggeber oder andere entscheidende Faktoren wie den Arbeitsort schon in einem ersten ausführlichen Telefonat nennen. "Wenn sie tatsächlich an der angebotenen Position interessiert sind, sollten sie aber auf jeden Fall nach einem schriftlichen und autorisierten Jobprofil fragen", empfiehlt Aden. Auch das sei schon ein Indikator für einen seriösen und vor allem exklusiv beauftragten Personalberater. Außerdem kann man sich so nach dem Gespräch noch einmal näher damit befassen, ob der angebotene Job infrage kommt.

Und wenn nicht? Auch wenn man dem Headhunter schließlich eine Absage erteilt, sollte er unbedingt einen positiven Eindruck mitnehmen. "Sagen Sie ihm freundlich, dass sein Angebot derzeit nicht für Sie infrage kommt. Hält er Sie für geeignet, wird er Sie bei einem seiner nächsten Mandate gegebenenfalls wieder anrufen", erklärt Aden. Vielleicht geht es ja dann um den Traumjob.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...