Karrieresprung Allianz - Mit Sicherheit ganz nach oben

Die Allianz hat sich zum globalen Finanzdienstleister entwickelt. Sie verkauft Produkte, bei denen Vertrauen eine große Rolle spielt. Der Konzern sucht kluge Köpfe mit Durchsetzungsvermögen und bietet den schnellen Aufstieg in Führungspositionen.

Andreas Menn | , aktualisiert

Dominik Aulehner erlebt in seinem Job eine Katastrophe nach der anderen. Zu seinem Glück ereilen sie ihn nicht persönlich. Sie erscheinen nur auf seinem Bildschirm, als Zahlen, Tabellen, Statistiken. Dominik Aulehner ist Risikoanalyst bei der Allianz. Sein Spezialgebiet sind Naturgefahren, und zwar die ganz kolossalen: Erdbeben, Orkane, Sturmfluten, Vulkanausbrüche. Weltweit sind Millionen von Menschen gegen solche Ereignisse bei der Allianz versichert. Dominik Aulehner berechnet, was es den Versicherer kostet, wenn sie eintreffen. "Hier ist der Ort, an dem man die wirtschaftlichen Auswirkungen des Wetters und des Klimawandels zuerst spürt", erzählt der 27-Jährige.

Aulehner ist seit 2007 Mitarbeiter bei der Allianz - einer von 153 000, die weltweit für den Versicherer arbeiten. Man kann den Münchener Konzern das Flaggschiff der deutschen Versicherungsbranche nennen: In der Schadens- und Unfallversicherung steht die Allianz nach Umsatz auf Platz eins, im Vermögensmanagement auf Platz zwei. Jedes Dorf hat einen Bürgermeister - und einen Allianz-Vertreter, heißt es. Weltweit hat der Dax-Konzern mehr als 80 Millionen Kunden. Gemessen an seiner Marktkapitalisierung ist er nach eigenen Angaben hinter China Life sogar der weltweit zweitgrößte Versicherer. Binnen zweier Jahrzehnte hat sich Deutschlands Haus- und Hof-Versicherer zum globalen Finanzdienstleister entwickelt. Und der buhlt stärker denn je um die Top-Studenten der deutschen Hochschulen.

Die Versicherungswelt ist für junge Leute attraktiver geworden

Zum Bewerbungsgespräch lädt die Allianz in ihre Münchener Konzernzentrale. Das Hauptgebäude am Saum des Englischen Gartens wirkt, als seien hier Kafkas Klagen über das Beamtendasein in Beton gegossen: Der Zweckbau versprüht so viel Charme wie ein Vorstadtgymnasium. Nur der Efeu, der geduldig an den Fassaden hochrankt, verrät, dass seit den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein paar Dekaden vorbeigezogen sind. Die Allianzler sagen, der Konzern gebe sich bewusst bescheiden und solide, wegen des Kundenvertrauens.

Im Gespräch mit Hochschulabsolventen versucht die Allianz dagegen, ein viel weltläufigeres Gesicht zu zeigen. "Das Sprungbrett in die große weite Welt eines internationalen Finanzdienstleisters steht bei uns bereit", wirbt Wolfgang Brezina, Personalvorstand der Allianz Deutschland. "Wir bieten Absolventen eine durchgängige Karrierelaufbahn bis in die höchsten Führungsebenen." Wenn Brezina den Kopf aus seinem Bürofenster reckt, kann er wenige Hundert Meter entfernt das Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität sehen. Er ist besonders an den BWLern, Juristen, Ingenieuren, Mathematikern und Naturwissenschaftlern interessiert.

Karrierechancen sind sehr gut

"Wenn man einmal in der Allianz angekommen ist, dann kann man da auch was werden", sagt Professor Rolf Arnold vom Institut für Versicherungswesen an der Fachhochschule Köln. "Der Konzern legt großes Gewicht darauf, Leute, die er einmal hereingeholt hat, auch zu entwickeln." Arnold stellt an den steigenden Bewerberzahlen seiner eigenen Hochschule fest, dass die Versicherungswelt für junge Leute attraktiver geworden ist. "Es spricht sich herum, dass die Tätigkeit bei der Versicherung viel breiter und interessanter sein kann als im Bankwesen. Bei einem großen und internationalen Unternehmen wie der Allianz ist am Anfang sehr viel Flexibilität gefragt. Dadurch können Neueinsteiger in sehr kurzer Zeit sehr viel lernen."

Alexandra Keller wird im Juli nach vier Jahren bei der Allianz bereits auf ihre vierte Position wechseln. Die 27-Jährige hat es in das "Allianz Management Programm Vertrieb" geschafft, ein Personalentwicklungsprogramm, das intern "Reisegruppe" genannt wird. Binnen sechs Jahren werden ausgewählte Neueinsteiger hier im Turbo auf der Karriereleiter nach oben geschossen, vom Vertrieb bis auf die Abteilungsleiterebene, die unter Insidern als "Ebene zwei" firmiert. Null ist der Vorstand, eins sind die Fachbereichsleiter, zwei die Abteilungsleiter - 400 gibt es davon. Auf die zwei kommt man in vielen Konzernen erst nach vielen Jahren. Alexandra Keller wird gerade mal 29 Jahre alt sein, wenn sie ihr Reiseziel erreicht hat.

Nach ihrem BWL-Studium begann sie im Allianz-Vertrieb in Karlsruhe. Ein Jahr darauf wechselte sie nach Fulda und beriet die Kunden von mehr als 30 Allianz-Agenturen bei speziellen Vorsorgefragen. 2008 kam sie in die Zentrale nach München, um in einem Projekt zur Entwicklung neuer Vertriebsformate zu arbeiten. Ab Juli wird sie in Frankfurt Vertriebsleiterin für das Vorsorgegeschäft im Bankenvertrieb. Vor jeder nächsten Station warten Zielvereinbarungsgespräche oder Assessment Center, begleitet wird Keller von einem Coach und einem Paten.

Wer bei der Allianz arbeitet, muss flexibel sein

"Sie müssen bei diesem Programm in der Lage sein, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen", sagt sie. "Der Einsatzort wechselt oft, genauso wie die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite." Dafür hat Keller im Konzern eine klare Perspektive. "Das ist mir sehr wichtig", sagt sie, und schnippt eine Fluse von ihrem schwarzen Blazer. "Ich will immer wissen, was der nächste Schritt ist - und dass er auch eingehalten wird, wenn meine Leistung stimmt."

Die Persönlichkeit ist besonders wichtig

400 Hochschulabsolventen und High Potentials will die Allianz 2009 einstellen, trotz Finanzkrise, die den Konzern wohl mehrere Milliarden gekostet hat. "Für uns zählen neben guten Leistungen vor allem Erfahrung und Persönlichkeit - der Blick auf die Noten allein wäre zu kurzsichtig", sagt Personalchef Brezina. "Sozialkompetenzen sind die wichtigste Qualifikation", sagt Norbert Görgen, der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Betriebsrat der Allianz Deutschland. "Schließlich müssen Sie oft schon nach zwei Jahren bis zu 15 Mitarbeiter führen."

Wie man das macht, können sich Absolventen mit viel Glück gleich von den obersten Chefs abschauen. Als Teilnehmer des Vorstandsassistentenprogramms lernen sie die Funktionsweise des Konzerns von sehr exponierter Stelle aus kennen. "In anderen Unternehmen muss viel passieren, bis der Vorstand einmal auf einen Absolventen aufmerksam wird", sagt Brezina. Marion Dalichau hat diesen Sprung in die Vorstandsetage nach fünf Jahren bei der Allianz geschafft. Die studierte Betriebswirtin arbeitet im Büro von Vorstand Oliver Bäte. Dort bereitet sie Arbeitsgruppen vor, erstellt Präsentationen, schreibt Berichte - und erlebt täglich, wie einer der größten Konzerne Deutschlands geleitet wird.

"Ich bin zufällig über eine Stellenanzeige zur Allianz gekommen", sagt die 31-Jährige "Beim Bewerbungsgespräch hat die Wellenlänge gleich gestimmt. Ich war begeistert darüber, wie jung und dynamisch unser Team war." Nach mehreren Stationen in der Zentrale legte sie ein temporeiches Jahr hin, das sie nach London, Paris und Frankfurt brachte. Nachdem sie so ihre operativen Fähigkeiten unter Beweis gestellt hatte, bekam sie das Angebot, ins Vorstandsbüro zu wechseln. Dalichau sagte sofort zu. "Ich bin einfach immer wieder ins kalte Wasser gesprungen", sagt sie. "Und dabei habe ich sehr viel gelernt."

Die Hierarchie ist streng

Wer in der Zentrale einsteigt, muss sich allerdings mit den strengen Hierarchien eines Dax-Konzerns vertraut machen. "Einige Absolventen sind nicht auf die Realität in einem großen Wirtschaftsunternehmen vorbereitet", sagt Betriebsrat Görgen. "Der Arbeitsalltag besteht leider nicht immer daraus, eigene Schwerpunkte setzen zu können." Freigeister und Unternehmertypen sollten es bei der Allianz im Vertrieb versuchen. Dort werden mehrere Hundert neue Kräfte pro Quartal gesucht. Die meisten Mitarbeiter verbringen zumindest eine Station ihrer Laufbahn in einer Vertriebsagentur. Streicheleinheiten sollten Einsteiger dort aber nicht erwarten. "Im Vertrieb geht es ziemlich rau zu", sagt Görgen. "Sie müssen sich an Zielvorgaben messen. Sie müssen gut sein. Und das bedeutet: Sie müssen besser sein als andere."

Der Weg in die Moderne ist eingeschlagen

Die hohe Taktzahl der vernetzten Welt schlägt auch hinter den altmodischen Mauern in der Königinstraße. Konzernchef Michael Diekmann hatte dem Konzern vor vier Jahren eine Schlankheitskur verordnet. Die Abteilungen wurden umstrukturiert, sämtliche Telefonkontakte auf ein Call-Center geschaltet, selbst die Post wird zentral empfangen und in Massenscannern digitalisiert. Jede einzelne Geschäftseinheit wird nun auf Erfolg getrimmt. Unter den Mitarbeitern rumorte es, vor allem unter den Vertrieblern. Gewohnte Ansprechpartner fehlten plötzlich, die Arbeit geriet ins Stocken. Vor allem aber fielen Tausende Stellen weg. Azubis müssen sich nach der Abschlussprüfung jetzt mit befristeten Verträgen zufrieden geben. "Der Konzern versucht den Spagat zwischen kurzfristigen Kosteneinsparungen und langfristiger Bindung der Mitarbeiter", sagt Betriebsrat Norbert Görgen. "Sagen wir es so: Es gelingt ihm immer besser."

Wenn dringende Projekte anstehen, erwartet der Konzern von seinen führenden Mitarbeitern, dass sie auch schon mal spontan am Wochenende arbeiten. Dafür bietet die Allianz Gleitzeitlösungen, Arbeitszeitkonten, Überstundenausgleich und kostenlose Kinderbetreuung selbst am Wochenende. Auch Rauchentwöhnungsseminare, Sozialberatung, Anti-Stress-Kurse, und sogar eigene Sportzentren kann sich der Versicherungsriese leisten. Einige Kantinen tragen ein Öko-Zertifikat, für seinen Fuhrpark zahlt der Konzern einen CO2-Ausgleich. Wenn Büros neu eingerichtet werden, dann mit höhenverstellbaren Tischen, die den Rücken schonen.

Die konservative Welt wurde auch als Weltkonzern nicht abgelegt

Die Aufgabe der Mitarbeiter bleibt die gleiche: Sie müssen Produkte verkaufen, die niemand anfassen kann, aber für die Vertrauen besonders wichtig ist. Darum hat die Allianz ihre konservative Prägung auch als Weltkonzern nicht ganz abgelegt. Die Damen tragen Kostüm, die Herren Anzug und Krawatte. Das ist hier unausgesprochene Pflicht. Selbst die jungen Mitarbeiter wirken gesetzter, sprechen gewählter, bewegen sich kontrollierter als in vielen anderen Branchen. Sie erzählen von systematischen Analysen und strukturierten Abläufen, von Benchmarks, die gesetzt, und Lebensgeschäften, die geschrieben werden müssen.

Ein langweiliger Job? Metereologe Dominik Aulehner schüttelt entschieden den Kopf: "Meine Ergebnisse sind doch Basis wichtiger Entscheidungen." Aulehner analysiert inzwischen eigenverantwortlich die Risiken für Holland, Belgien und die Türkei und die Kosten, die der Allianz zum Beispiel im Falle eines Erdbebens entstehen würden. Jetzt möchte er gerne selbst für eine Weile ins Ausland wechseln, vielleicht nach Dublin. "Mein Traumziel ist eigentlich die Allianz-Tochter Fireman's Fund in den USA", sagt er. Die sitzt aber im Norden von San Francisco. Und der Katastrophen-Experte weiß: "Da ist das Erdbebenrisiko sehr hoch."

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