Karrierehoffnung Auslandsjob mit Rückkehrticket

Internationaler Wissenstransfer garantiert: Zu diesem Zweck entsenden Arbeitgeber geeignete Mitarbeiter ins Ausland. Für die Expatriates galt das Verlassen der Heimat lange Zeit als Karriere-Turbo. Wer heute seine Chance nutzen will, muss auch die beruflichen Kontakte in der Heimat pflegen.

Mathias Peer | , aktualisiert

Auslandsjob mit Rückkehrticket

Shanghai1

Skyline von Shanghai

Foto: chungking/Fotolia.com

Eines stand für Hanno Hessmer von Anfang an fest: Nach seiner Rückkehr aus China wollte er nicht in seiner alten Position weiterarbeiten – er suchte nach einer neuen Herausforderung. Drei Jahre lang war Hessmer in der Personalabteilung des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer in Schanghai tätig. Doch obwohl er sich bereits Monate vor seiner Rückkehr um eine neue Wunschstelle im Pharma-Personalbereich bemühte, musste er lange zittern.

Erst kurz vor dem Ablauf des Auslandsaufenthalts bekam er die Zusage für den Karriereschritt.

"Meine Vorgesetzten haben mir zwar schon früh signalisiert, dass sie mich unterstützen wollen", sagt Hessmer. Allerdings sei er trotzdem nervös geworden, als die Heimreise näher rückte.

Entsende-Mythen

Denn wer von seiner Auslandsmission zurückkehrt, der kann nicht zwangläufig mit dem Aufstieg im Unternehmen rechnen. Zwar sind internationale Erfahrungen in vielen Führungspositionen mittlerweile unabdingbar.

Dass Auslandsaufenthalte automatisch die Karriere beflügeln, ist aus Sicht von Irmtraud Lang, Geschäftsführerin der Personalberatung Gloor & Lang, jedoch ein Mythos. Sie meint, dass die Entsendung im schlimmsten Fall sogar schaden kann.

Hohe Erwartungen

Lang berichtet von einer Führungskraft im Pharmasektor, bei der die Sache schiefging. Der Manager arbeitete sieben Jahre lang in Asien. Dann fusionierte sein Arbeitgeber mit einem anderen Konzern. Zum neuen Führungsteam in der Heimat fehlten dem Manager die Beziehungen, in den weiteren Planungen wurde er nicht mehr berücksichtigt.

Eine Rückkehr in die Führungsetage am Stammsitz erschien plötzlich so gut wie ausgeschlossen. "Dass die Versprechungen vom Arbeitgeber nicht eingehalten werden können, ist das größte Risiko", erläutert Lang. Sie warnt deshalb vor zu großen Erwartungen.

Damit die Zeit im Ausland nicht zu Enttäuschungen führt, hilft es, die Motivation der Arbeitgeber besser zu verstehen. Hauptgrund dafür, einen Mitarbeiter ins Ausland zu schicken, ist laut einer Studie des Beratungsunternehmens Mercer für 70 Prozent der heimischen Unternehmen der internationale Wissenstransfer.

Die Karriereentwicklung der Mitarbeiter und das Heranziehen neuer Führungskräfte gehört hingegen nur bei knapp über 30 Prozent der Firmen zu den obersten Zielen.

Wer im Ausland persönliche und berufliche Erfahrungen sammeln möchte, muss die Karriere selbst in die Hand nehmen – und dafür in der Regel deutlich größere Anstrengungen in Kauf nehmen, als am Heimatstandort nötig wären. Denn wer Tausende Kilometer vom Stammsitz entfernt im Einsatz ist, gerät ansonsten schnell in Vergessenheit.

Kontakte halten, Netzwerk pflegen

"Es ist sehr stark auch vom eigenen Engagement abhängig, wie sich der Auslandsaufenthalt auf die Karriere auswirkt", sagt Nina Roeck, die gerade für den baden-württembergischen Technikkonzern Bosch in der indischen Stadt Bangalore arbeitet.

"Es ist sehr wichtig, den Kontakt zum Mentor zu halten und das Netzwerk zu pflegen." Diese Erfahrung hat auch Hanno Hessmer gemacht: "Man muss immer wieder Gelegenheiten ergreifen, um sich bei den Vorgesetzten in der Heimat in Erinnerung zu rufen."

Schwierige Rückkehr

Aus Sicht von Mercer-Expertin Christa Zihlmann seien auch die Arbeitgeber gefragt, das Talent-Management bei Auslandseinsätzen stärker zu berücksichtigen. Die Herausforderung für die Beteiligten nimmt dabei eher zu als ab. Denn internationale Karrierewege werden immer üblicher. "Die Anzahl der Entsendungen steigt weiterhin an", sagt Zihlmann.

Für die Karriereplanung ist dabei nicht nur die Zeit im Ausland, sondern auch die Rückkehr zu beachten. In vielen Fällen finden Heimkehrer neue Machtverhältnisse im Stammhaus wieder, sagt Personalberaterin Lang.

Sie rät deshalb: "Man sollte so starten, als wäre man in einer neuen Firma: abtasten, fragen, zuhören – und erst dann wieder mitreden."

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