Karrierefaktoren Männermangel macht Frauen ehrgeizig

Laut einer neuen Studie entscheiden sich Frauen eher für eine Karriere, wenn in der Gesellschaft ein Mangel an Männern herrscht.

Daniel Rettig, wiwo.de | , aktualisiert


Foto: Franz Pfluegl/Fotolia.com

Abhängigkeit von Gesellschaftsstrukturen

Seit Monaten diskutiert die deutsche Öffentlichkeit über das Für und Wider einer Frauenquote. Egal ob man eine solche gesetzliche Regelung unterstützt oder ablehnt – der Kern der Debatte dreht sich vor allem um einen Punkt: Frauen soll der berufliche Aufstieg erleichtert werden.

Doch bevor der Anteil weiblicher Führungskräfte steigt, müssen Frauen sich erst mal für eine solche Karriere entscheiden – und just jene Entscheidung hängt auch von der Struktur einer Gesellschaft ab, resümiert eine neue Studie.

Deren Essenz: Frauen entscheiden sich eher für eine Karriere, wenn ein Mangel an Männern herrscht. Zu diesem Ergebnis kommt die Psychologin Kristina Durante von der Universität von Texas in San Antonio.

Kind oder Karriere? 

Für ihre Untersuchung wertete sie verschiedene Statistiken aller 50 US-Bundesstaaten aus: Das Verhältnis von unverheirateten Männern und Frauen; den Anteil von Frauen in den zehn bestbezahlten Jobs, und wie alt die Frauen im Schnitt bei der Geburt ihres ersten Kindes waren.

Und dabei fand Durante einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Geschlechterverhältnis und dem Anteil von Frauen auf hoch bezahlten Posten. Je weniger Männer in einem Bundesstaat noch zu haben waren, desto mehr Frauen machten dort Karriere. Und: Je mehr die Frauen in der Überzahl waren, desto weniger hatten Kinder – die sie außerdem auch noch in höherem Alter zur Welt brachten.


Foto: Franz Pfluegl/Fotolia.com

In weiteren Experimenten gaukelte Durante weiblichen Freiwilligen durch Fotos oder Zeitungsartikel drei unterschiedliche Situationen vor: Die einen gingen davon aus, dass Frauen in der Bevölkerung eindeutig in der Überzahl waren, die anderen glaubten an eine Überzahl von Männern. Die dritten rechneten mit einem ausgeglichenen Verhältnis.

Danach sollten alle angeben, wie viel Wert sie auf eine eigene Karriere, finanzielle Unabhängigkeit und einen lukrativen Job legten. Und siehe da: Glaubten sie daran, dass Frauen in der Überzahl waren, war ihnen die eigene Karriere wesentlich wichtiger.

Mehr noch: Sie zielten wesentlich häufiger nach einem gut dotierten Posten. Außerdem gingen sie fest davon aus, dass die Suche nach dem richtigen Partner ziemlich kompliziert werden würde.

Schuld ist die Evolution

Offenbar sorgte der Männermangel beim weiblichen Geschlecht für mehr beruflichen Ehrgeiz. Durante erklärt sich das Ergebnis mit der Evolution. Auch im Tierreich verhielten sich weibliche Wesen bei akutem Männermangel anders.
 
Der Hintergrund: Gibt es mehr Weiblein als Männlein, ist nicht für jeden Topf ein sprichwörtlicher Deckel vorhanden – und Frauen müssen für sich selbst sorgen. "Bei einem Mangel an Männern legen Frauen mehr Wert auf Geld und materiellen Erfolg", sagt Durante. Denn beruflicher Erfolg sichert den eigenen Lebensunterhalt – insbesondere dann, wenn Frauen womöglich ein Leben lang ohne Partner bleiben müssen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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