Karrierecoachings Von Professionalität und Scharlatanerie

Ideen, Rat und Karrierehilfe: Für alles gibt es Coachings. Die Zahl der Erfolgsratgeber wächst sekündlich und der Bedarf steigt. Das Problem: Coach nennen kann sich fast jeder.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Von Professionalität und Scharlatanerie

Foto: Sergey Nivens / fotolia.com

Von "Tschakka, du schaffst es!" bis "Erkenne Dich selbst" – der Weg zur großen Karriere führt, so scheint es, zwangläufig über Ratgeber und Coaches. Der Großteil der Angebote richtet sich an Führungskräfte und solche, die es werden wollen. Aber auch für den unzufriedenen Durchschnittsmalocher ist einiges dabei.

So richtet sich das neue Buch von Karrierecoach Svenja Hofert "Was sind meine Stärken – Entdecke, was in dir steckt", an alle, die definieren wollen, was sie gut können. Wer sich beruflich neu orientieren möchte oder bei einer entsprechenden Frage im Vorstellungsgespräch nicht dumm dastehen will, sollte auf diese Frage eine Antwort haben. Ob mit oder ohne Hoferts Stärkennavigator.

Steigender Bedarf an Coaches

Auch bei der ehemaligen Handballnationalspielerin Ilka Piechowiak geht es um die Konzentration auf die eigenen Stärken und Fähigkeiten. Diese seien der Schlüssel zum persönlichen Erfolg im Führungsalltag. Nach 20-jähriger Erfahrung im internationalen Management, unter anderem als Marketingleitung der Firma Miele Professional, berät sie Manager, Führungskräfte und selbstständige Unternehmer.

Und der Bedarf nach diesen Externen, die helfen, karriererelevantes nach Außen zu kehren, ist groß. 2013 schon ging eine Studie davon aus, dass rund 8.000 Coaches in Deutschland tätig sind. Laut der International Coach Federation liegt der Umsatz der Coaching-Branche weltweit bei 1,9 Milliarden Dollar. "Immer mehr Menschen kommen in eine Karriereberatung, die nicht nur von einer sinnvollen Tätigkeit träumen, sondern diesen Wunsch auch wahr werden lassen wollen", so Petra Perlenfein von der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGfK).

Klienten werden immer jünger

Die Kunden seien in der Regel zwischen 41 und 50 Jahre alt und festangestellt. Berufseinstieg und die ersten Beförderungen haben diese Klienten also hinter sich. Jetzt suchen sie Rat für die nächsten Schritte. Um Fehler auszubügeln kommt offenbar kaum jemand. Doch das Bild des Klienten wandelt sich. "In der letzten Zeit beobachten wir die Tendenz, dass vermehrt jüngere Menschen mit wenigen Jahren Berufserfahrung in die Beratung kommen. Sie nutzen unsere Expertise, um ihre berufliche Entwicklung gezielt und vorausschauend zu planen", sagt Perlenfein.

Zusammen mit Aila Kruska hat sie für eine Markterhebung der DGfK verschiedene Karriereberater in Deutschland befragt, um mehr Transparenz in das mitunter undurchsichtige Angebot zu bringen. Denn von Trainings mit Tieren, Lehmhütten bauen, Traumdeutung, Hypnose und Tiefenanalyse ist alles dabei.

Das mit Abstand am häufigsten genutzte Beratungsformat ist das persönliche Vier-Augen-Gespräch. Oft erfolgt die Beratung auch per Telefon oder E-Mail. "Aber auch die Beratung per Videochat wird vermehrt genutzt", so die Frankfurter Karriereberaterin Aila Kruska. "Zum Beispiel wenn ein Klient auf Dienstreise oder im Ausland eingesetzt ist."

Was ist überhaupt ein guter Coach?

Welches Coachingformat jemand wählt, ist letztlich Typfrage. Wichtig ist, dass es nicht zur esoterischen Zirkusnummer verkommt. Laut dem Deutschen Bundesverband Coaching (DBVC) geht es weder um eine Dauerbetreuung, noch um Spiritualität, sondern um ein "prozessbegleitendes Unterstützungsangebot für Entscheidungsträger und Personen in Führungspositionen". Ein Trainer dagegen arbeitet an dem Auf- und Ausbau bestimmter Verhaltensweisen, typische Beispiele sind Verkaufs-, Moderations- oder Rhetoriktrainings.

Das Problem ist, dass die Profession "Coach" genauso wenig geschützt ist, wie Trainer, Karriereberater oder Karriereexperte. Karriere kann man schließlich nicht studieren und es gibt auch keine entsprechende standardisierte Berufsausbildung. Einen seriösen Anbieter herauszufinden, ist also nicht immer ganz einfach.

Der DBVC hat eine "Checkliste für Auftraggeber und Klienten" erarbeitet, die etwas Licht ins Dunkel bringen soll.

Die Rahmenbedingungen für ein gutes Coaching

Am Anfang der Karriereberatung sollte in jedem Fall die kritische Selbstanalyse des Klienten stehen und nicht der Eventcharakter. Außerdem sollte das Coaching auf einen Zeitraum von neun bis zwölf Monate, aufgeteilt auf etwa sechs bis zwölf Termine à zwei Stunden ausgelegt sein. Die marktüblichen Honorare für ein qualifiziertes Business Coaching bewegen sich laut DBVC zwischen 150 und 350 Euro pro Stunde. Häufig orientiert sich das Honorar des Beraters am Verdienst des Klienten.

Wer also lebenslange Begleittherapie mit Feenstaub für Mondpreise verlangt, fällt schon mal durchs Raster. Was die zahlreichen Ratgeber angeht, hilft im Zweifelsfall nur anlesen und selbst entscheiden, ob es etwas taugt.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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