Karrierebeschleuniger Doktortitel Zwei Buchstaben. Punkt.

Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, steile Karriere, mehr Gehalt oder nur noch pure Eitelkeit? – Wofür steht der Doktortitel vor dem Namen eigentlich? Jährlich promovieren etwa 25 000 Personen in Deutschland – so das Statistische Bundesamt Deutschland. Etwa ein Prozent der Bundesbevölkerung trägt demnach das Kürzel „Dr.“ vor dem Namen.

Sultan Gündogan | , aktualisiert


Foto: SXC
Promovieren oder Nicht-Promovieren, das ist hier die Frage!

Diente die Promotion ursprünglich für das Arbeiten in Wissenschaft und Forschung, streben nun die wenigsten nach ihrer Promotion eine wissenschaftliche Karriere an, laut einer verdi-Studie ist es einer von zehn. Spätestens nach den Skandalen von Karl-Theodor zu Guttenberg und Silvana Koch-Mehrin stellt sich aber nun die Frage: Was ist der Doktortitel noch wert?

Der Doktortitel, als höchster akademischer Grad, stellt einen klassischen Karrierebeschleuniger dar: Betrachtet man zum Beispiel das Bundeskabinett tragen hier neben der Kanzlerin zehn Minister das Kürzel vor dem Namen. In der Wirtschaft sieht es nicht anders aus. Rund zwei Drittel der Chefs der DAX-30-Unternehmen haben promoviert und auch die meisten ihrer Vorstandskollegen.

In der Chemie- und Pharmabranche wird eine Promotion für eine Anstellung in der Forschung in der Regel vorausgesetzt. Die Stellenangebote von BASF, Evonik oder Bayer zeugen davon. Auch bei Juristen ist die Promotion beliebt. Insbesondere Großkanzleien schätzen es, wenn ihre Bewerber einen Doktortitel haben. Bei einer Anstellung gelten sie in der Öffentlichkeit als fachkundiger – und so erfüllt der Titel auch gleichzeitig Marketingzwecke. Denn der „Dr.“ kann laut Personalausweisgesetz als einziger akademischen Grad im Ausweis eingetragen werden, gilt jedoch weder als Namensbestandteil noch als -zusatz.

Wer darf in Deutschland überhaupt promovieren? Voraussetzung ist laut Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in erster Linie ein Hochschulabschluss. Ob Staatsexamen, Magister, Diplom oder Master – sie alle berechtigen dann, an einer Hochschule mit Promotionsrecht eine Dissertation, also die Doktorarbeit, zu schreiben. Neben dieser eigenständigen wissenschaftlichen Abhandlung legen die Promotionsstudenten noch eine mündliche Prüfung ab, die Verteidigung der Doktorarbeit.


Foto: SXC
Kosten und Finanzierung

Promovieren ist mit nicht unerheblichen Kosten verbunden: Zwar zahlen die Doktoranden während ihrer Promotion keine Studiengebühren, aber das obligatorische Publizieren der Dissertation geht ins Geld. Als Faustregel lässt sich festhalten: Für 150 Exemplare mit jeweils über 200 Seiten müssen circa 1.000 Euro berappt werden – wenn die Dissertation im Selbstverlag herausgegeben wird. Bei Veröffentlichungen durch große Verlage zahlen Doktoranden in der Regel mehr – etwa 3.000 Euro fallen dann an. Allerdings werden sie für gewöhnlich am Umsatz der verkauften Dissertationen beteiligt. Kleinverlage berechnen weniger Gebühren. Die schnellste und meist auch preiswerteste Variante ist die Online-Publikation. Doch meist fordert die Uni auch in diesem Fall eine bestimmte Anzahl an gedruckten Exemplaren. Das ist jedoch von Fakultät zu Fakultät unterschiedlich.

Finanzierungsmöglichkeiten bestehen für Promovierende zum Beispiel durch Anstellungen an Hochschulen, wie sie das Hochschulrahmengesetz vorsieht. Für gewöhnlich beteiligen sich die Doktoranden an Forschung und Lehre, übernehmen dabei Lehrveranstaltungen ihrer Doktorväter. Einen anderen Weg gehen Promovierende aus der Wirtschaft. Die zukünftigen Doktoren schreiben parallel zur Anstellung in einem Unternehmen ihre Dissertation und werden dabei für gewöhnlich besser bezahlt als die promovierenden Hochschulangestellten. Zur Finanzierung sind außerdem Stipendien möglich. Diesen Weg schlagen vor allem Geisteswissenschaftler ein, von denen ein Drittel darauf zurückgreift.

Es ist wichtig, bei den einzelnen Stiftungen, die fachbezogen, parteinah oder unabhängig agieren, dafür vorzusprechen. Einen Überblick gibt die Webseite des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. Bei Auslandspromotionen besteht die Möglichkeit, sich beim Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) um ein Stipendium zu bemühen.

Meist erhalten Doktoranden eine Unterstützung über einen Zeitraum von zwei Jahren – die Höhe der finanziellen Leistung ist vergleichbar mit dem Netto-Gehalt einer halben wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle, also rund 1.000 Euro.

Im Durchschnitt benötigen Promovierende etwa fünf Jahre, um ihre Dissertation fertig zu stellen.
Nach einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum lohnt sich der Einsatz zumindest finanziell. Denn Berufseinsteiger mit Doktortitel verdienen im Schnitt 52.000 Euro jährlich – allen voran Juristen und Ingenieure, gefolgt von Wirtschafts- und Naturwissenschaftlern. Uni- und FH-Absolventen ohne Promotion erreichen im Durchschnitt rund 10.000 Euro weniger.

Verspricht eine Promotion aber automatisch ein besseres Gehalt? Oder den schnelleren Weg die Karriereleiter hinauf? Personalberater beurteilen das sehr unterschiedlich: Für „total überbewertet“ etwa hält Heiner Thorborg von der gleichnamigen Executive Search Boutique den Doktortitel. Dagegen betont Sörge Drosten von Kienbaum Executive Consultants, dass der Doktortitel zunehmend ein gefragtes Mittel sei, sich von der Konkurrenz positiv abzugrenzen. Häufig wünschten die Kunden explizit promovierte Kandidaten für die zu besetzenden (Führungs-)Positionen. Während das in Konzernen häufig der Fall ist, haben kleine Unternehmen oft den gegenteiligen Wunsch: Für sie gelten Promovierte oft als bloße Theoretiker ohne praktische Veranlagungen.


Foto: SXC
Weiterbildung zum Top-Manager: Das MBA-Programm

Um in der Wirtschaft Karriere zu machen, ist der Master of Business Administration (MBA) eine gängige Alternative zur Promotion. Das praxisorientierte MBA-Studium dient der Qualifizierung zu Top-Managern. Laut Kienbaum-Studie erhalten MBA-Absolventen ein ähnliches Einstiegsgehalt wie die Doktoren.

Für den MBA zugelassen werden Hochschulabsolventen mit Diplom- oder Bachelorabschluss sowie Berufserfahrung. Finanziell schlagen die MBA-Programme hoch zu Buche. In Deutschland liegen die Kosten für die gesamte Programm-Dauer – in der Regel sind das zwei Jahre – durchschnittlich bei etwa 17.000 Euro. Ausländische Business-Schools verlangen oft ein Vielfaches, da ihre MBA-Programme international wesentlich anerkannter und ihre Absolventen bei Unternehmen sehr beliebt sind. Davon zeugen die regelmäßig durchgeführten anerkannten Rankings von Businessweek, Financial Times, Forbes, The Economist und U.S. News & World Report. Ihnen zufolge konkurrieren die Londoner Business School und die Harvard Business School um Platz eins, gefolgt von Stanford School of Business und Chicago Booth School of Business.

Anders als bei Promotionen ist es beim MBA üblicher, dass Unternehmen die Kosten für diese Weiterbildungsprogramme übernehmen und somit hochqualifizierte Kräfte an sich binden. Besonders bei Beratern oder in der Investmentbranche sind MBA-Kandidaten gerne gesehen. Und nicht selten tragen die, die es bis ganz nach oben geschafft haben, nicht nur den "Dr." vor dem Namen, sondern den "MBA" auch dahinter.

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...