Karriere-Urteil Arbeiten bei Schwäbisch Hall

Seit der Wirtschaftskrise wollen Anleger vor allem eines: Sicherheit. Gute Zeiten für Bausparkassen also. Marktführer Schwäbisch Hall investiert besonders in die Aus- und Fortbildung neuer Kräfte und sucht für 2010 neue Mitarbeiter.

Gero Brandenburg | , aktualisiert

Wenn man durch die Gassen der Altstadt schlendert, drängt sich ein Gedanke geradezu auf. Die Stadt und das Unternehmen, die passen zueinander. Auf der einen Seite die 36000-Einwohner-Stadt mit ihrer braven, gutbürgerlichen Fachwerkhauskulisse, auf der anderen Seite das Traditionsunternehmen, hinter dessen modernen Glasfassaden ein bodenständiges und konservatives Geschäftsmodell zu Hause ist: das Bausparen.

Dass beide denselben Namen tragen, Schwäbisch Hall, ist natürlich kein Zufall. Mit ihren wenigen verbliebenen Mitarbeitern zog die 1931 gegründete Firma gegen Ende des Weltkrieges aus dem bombardierten Berlin in den vergleichsweise ruhigen Nordosten Baden-Württembergs um - und lieh sich gleich den Namen des Zufluchtsorts aus. Zuvor hieß sie Bausparkasse der Deutschen Volksbanken.

Mehr als 60 Jahre später ist die Marke Schwäbisch Hall weit über die Region hinaus bekannt, mehr als 90 Prozent aller Deutschen kennen das Backsteinlogo ("Auf diese Steine können Sie bauen") und auch den Werbeträger, den schlauen Fuchs. 6,6 Millionen Bundesbürger sind Kunden, was das Unternehmen mit einem Marktanteil von 30 Prozent zur Nummer eins in Deutschland macht. Um diese Position auszubauen, sollen 2010 mindestens 50 Hochschulabsolventen - bevorzugt Juristen, Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker - für den Innendienst in der Zentrale eingestellt werden, wo bereits 3000 Mitarbeiter tätig sind. Im Außendienst sind es 4000 Kollegen.

Gestiegenes Sicherheitsbedürfnis bei den Anlegern

Sie alle hatten im Rekordjahr 2008 viel Grund zur Freude: 1,1 Millionen neue Verträge mit einer Gesamtsumme von 32 Milliarden Euro schloss das Unternehmen ab - ein sattes Plus von 17 Prozent. Immobilienökonom Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft sieht die Einführung der neuen staatlichen Eigenheimrente - kurz Wohn-Riester - als einen Grund. "Die Bausparkassen haben sehr schnell reagiert und hatten entsprechende Produkte auf dem Markt." Zum anderen seien die Rekordergebnisse auf das "gestiegene Sicherheitsbedürfnis" der Anleger zurückzuführen. In der Wirtschaftskrise verloren Aktien an Zuspruch, das Bausparen hingegen, zuvor als renditeschwach und antiquiert belächelt, erlebt eine Renaissance.

Die Grundidee dahinter ist einfach: Die Kunden zahlen über mehrere Jahre hinweg einen festen Betrag ein. Den Rest der Bausparsumme bekommen sie als Darlehen. Spar- und Darlehenszins stehen schon bei Vertragsabschluss fest. In der Altersvorsorge-Studie der Postbank nannte eine Mehrheit von 63 Prozent kürzlich Bausparen als sicherste Altersvorsorge.

Als Krisengewinner möchte Personalvorstand Erhard Steffen, seit 1976 bei Schwäbisch Hall, seinen Arbeitgeber trotzdem nicht bezeichnen. Der große Erfolg habe mit der Qualität als Finanzdienstleister zu tun, und altmodisch sei Bausparen längst nicht mehr: "Unsere Produkte sind so flexibel, dass wir damit jede Lebenssituation unserer Kunden auffangen." Das Bild vom Eigenheim im Grünen ist auch nicht mehr ganz zeitgemäß. Die Zahl der Neubauten in Deutschland sinkt, 2008 wurden nur 176000 Wohnungen neu errichtet, 16,5 Prozent weniger als 2007. Die Kunden investieren stärker in den Aus- und Umbau ihrer Immobilien, der durchschnittliche Bausparvertrag liegt bei nur 33000 Euro. Da 75 Prozent der Häuser 25 Jahre und älter sind, bleibt aber viel Renovierungsbedarf.

Diese Zahlen kennt natürlich auch Melanie Hüttner, 24, Referentin im Marketing und Expertin für Wohn-Riester  (Kurzporträt Seite 3). Marketing für ein Finanzprodukt ist keine leichte Aufgabe. Für die Außendienstmitarbeiter erstellt Hüttner deshalb Info-Material, "um Beratern und Kunden anschaulich zeigen können, wie Wohn-Riester funktioniert".

Die internen Mitarbeiterschulungen haben einen hohen Stellenwert

Auch Hüttner profitiert vom Weiterbildungsangebot ihres Arbeitgebers, sei es nun in der Powerpoint-Schulung, im Seminar für Präsentationstechniken oder beim Kommunikationstraining. Am größten ist der Weiterbildungsbedarf der Mitarbeiter, wenn es um neue Gesetze gibt, wie eben die Riester-Förderung von Bausparverträgen. Um die Personalentwicklung besser steuern zu können, wurde die Tochtergesellschaft Schwäbisch Hall Training GmbH gegründet: 60 Trainer bieten 5000 Trainingstage im Jahr an. Schwäbisch Hall kann aber nicht nur mit gutem Image, sicheren Jobs und attraktiven Entwicklungschancen punkten. Auch bei der Unternehmenskultur, der Vergütung und der Work-Life-Balance sieht die Top-Arbeitgeber-Studie der Wirtschaftsberatung CRF die Bausparkasse seit Jahren vorne: In diesem Jahr war es Platz drei unter 400 bewerteten Unternehmen.

Doch selbst ausgezeichnete Unternehmen müssen sich dem "War for Talents" stellen, und Arbeitgeber in der Provinz haben es oft schwer. Den Bedarf an Führungskräften im Vertrieb soll deshalb auch die Hochschule für Management und Vertrieb decken. Der neue Campus, Anfang Oktober eingeweiht, ist eine Außenstelle der Hochschule Heilbronn und wurde von Schwäbisch Hall gestiftet. Im ersten Semester haben sich 150 Studenten eingeschrieben, "in einigen Jahren wollen wir 1000 Studienplätze anbieten", sagt Erhard Steffen.

Die Studienmöglichkeiten erleichtern auch das Netzwerken

Peter Storz  (Kurzporträt Seite 3) hat bereits einige Karrierestufen hinter sich gebracht, studieren tut er dennoch. Oder besser: Er studiert wieder. Der 27-jährige Wirtschaftsinformatiker wählte zunächst ein duales Studium: Die praktischen Erfahrungen machte er bei Schwäbisch Hall, die Theorie paukte er an der Hochschule Villingen-Schwenningen. Nun arbeitet er in der Software-Entwicklung, hat das interne Nachwuchsförderprogramm "Spirit" ebenso wie den einjährigen Business-English-Kurs hinter sich und drückt seit März erneut die Bank im Hörsaal. In Ingolstadt studiert er berufsbegleitend MBA IT-Management. Die Vorlesungen sind freitags und samstags. "Und sonntags muss ich lernen. Alles sehr zeitaufwendig, aber es lohnt sich", sagt Storz.

Bausparen ist keine deutsche Domäne mehr. Schwäbisch Hall, selbst Teil der DZ-Bank-Gruppe, engagiert sich über seine Beteiligungsgesellschaften seit mehr als 15 Jahren im Ausland. Ende 2008 hatte das Unternehmen gut 7000 Mitarbeiter in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien und China. Vor allem die Tschechen gelten als begeisterte Bausparer: Zwei Drittel der Bürger dort haben einen Bausparvertrag abgeschlossen. Einen Vertrag hat auch die 25-jährige Julia Tausch (Kurzporträt Seite 3) in der Tasche. Es ist ihr Arbeitsvertrag für die Zeit nach dem Traineeprogramm, das im Februar 2010 endet. "Diese Jobgarantie ist natürlich ein sehr beruhigendes Gefühl", sagt Tausch.

Kurzporträt: Peter Storz

Wer wie Peter Storz in Satteldorf - 35 Kilometer östlich von Schwäbisch Hall -aufgewachsen ist, kennt die Bausparkasse natürlich. Für Storz war die Wahl des Arbeitgebers deshalb nicht schwer. Nach dem Studium der Wirtschaftsinformatik an der dualen Hochschule Villingen-Schwenningen stieg er fest ein und ist seit 2005 in der Software-Entwicklung im Kreditwerk tätig. Dieser ausgegliederte Teilbereich umfasst die IT und Kreditsachbearbeitung. Der 27-Jährige hat das interne Förderprogramm namens "Spirit" absolviert. Alle sechs Wochen traf er sich in Workshops mit Teilnehmern aus anderen Abteilungen. "So habe ich mir ein gutes Netzwerk aufgebaut."

Kurzporträt: Melanie Hüttner

Melanie Hüttner, 24, ist heimgekehrt zu Schwäbisch Hall. Von 2001 bis 2003 war sie bereits an Bord und absolvierte eine Ausbildung zur Bankkauffrau, bevor sie noch ihr Fachabitur machte und dann an der FH Aalen den Bachelor-Studiengang Internationale BWL belegte. Ihr Auslandssemester führte sie nach Madrid. Bereits während des Studiums knüpfte sie wieder Kontakte zu ihrem alten Arbeitgeber. Ihre Bachelorarbeit schrieb sie über "Wohn-Riester". Dieses Thema ist auch ihr Spezialgebiet im Marketing, wo sie seit einigen Monaten arbeitet.

Kurzporträt: Julia Tausch

Über das Online-Netzwerk Xing nahm ihr späterer Arbeitgeber Kontakt zu Julia Tausch, 25, auf. Damals schrieb sie an der FH Neu-Ulm noch ihre BWL-Diplomarbeit über Vertriebscontrolling. Wenige Wochen später saß sie bereits im Assessment-Center. "Die ganze Unternehmenskultur hat mir sofort gefallen", sagt sie. Seit März 2009 durchläuft Tausch nun das einjährige Traineeprogramm bei Schwäbisch Hall - und spielt regelmäßig Volleyball mit den Kollegen.

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