Karriere-Turbo Mythos MBA – was ist dran?

Der MBA ist noch immer die Eintrittskarte in die Top-Etagen der Wirtschaft. Doch der Markt ist unübersichtlich. Weltweit gibt es mehr als 10.000 Programme. Worauf es bei der Wahl der richtigen Business School ankommt.

Stefani Hergert | , aktualisiert


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Medien werben für MBA

Allein ein Blick in die Vorstandsetagen von Industriekonzernen, Banken und Beratungen weltweit erklärt den Mythos MBA: Denn viele der Vorstände auf der Top-Ebene schmücken ihren Lebenslauf mit den drei Buchstaben.

Der Master of Business Administration (MBA), er ist noch immer der Inbegriff für eine internationale Karriere im Management. Schlagzeilen wie die der Online-Ausgabe der amerikanischen Business Week befeuern das: "Die höchstbezahlten Vorstandschefs mit MBA-Abschluss" titelte die Website vor einigen Monaten.

Doch seitdem diejenigen, die heute in den Top-Etagen angekommen sind, ihren MBA-Abschluss gemacht haben, hat sich viel verändert. Die Welt der Wirtschaftshochschulen, die den MBA anbieten – Business-Schools genannt – hat sich in den vergangenen zehn Jahren massiv gewandelt.

Die Ursprünge

Was also ist dran am Mythos MBA? Und für wen lohnt er sich wirklich? Als das praxisnahe Managementstudium vor mehr als 100 Jahren zum ersten Mal von den amerikanischen Business-Schools wie der Harvard-Universität oder Tuck am Dartmouth College aufgelegt wurde, hätte den Siegeszug wohl kaum jemand vorhergesagt.
 
Ursprünglich war das Masterstudium für all jene gedacht, die sich generelles Managementwissen aneignen wollen, und schon einen ersten Hochschulabschluss und auch ein wenig Berufserfahrung haben.


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Eine international gültige Definition gibt es allerdings nicht, mittlerweile existieren viele Programme, die mit einem MBA abschließen, aber so spezialisiert sind, dass sie mit dem generalistischen Ansatz nicht mehr viel gemein haben.

Eigentlich soll der MBA all jenen das Rüstzeug fürs Management mit auf den Weg geben, die nicht Wirtschaft studiert haben – Ingenieure, Mediziner, Juristen oder Sozialwissenschaftler zum Beispiel. Der Deutsche Henrik Schöpfer, der seinen MBA an der Ceibs in Schanghai gemacht hat, hatte sogar einen erfahrenen Kapitän, der viele Jahre zur See gefahren ist, in seinem Kurs.

Genau das ist die Idee des MBA: Die Studenten lernen von den Erfahrungen und Herangehensweisen der Mitstudenten, daher ist es so wichtig, dass verschiedene Nationalitäten, Kulturen und Studienabschlüsse im Programm aufeinandertreffen.

Eintrittskarte in die Top-Etage?

Dennoch haben selbst an den besten Business-Schools der Welt etwa ein Fünftel der Studenten ihren ersten Hochschulabschluss in Betriebswirtschaftslehre gemacht. Der MBA ist noch immer die Eintrittskarte in die Top-Etagen der Wirtschaft – und das weltweit.

Nur gibt es heute geschätzt mehr als 10.000 Programme, von der ersten Liga, zu denen Business Schools wie Harvard, Wharton, London Business School, Insead oder Ceibs gehören bis hin zu Lokalpatrioten, deren Studiengänge nicht bei weitem das Niveau haben und die Versprechungen auch nicht halten können.


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Allein die drei Buchstaben im Lebenslauf sagen also gar nichts, entscheidend ist, welche Hochschule sie verliehen hat. Zumal: Wichtig ist nicht nur das Wissen, dass der MBA vermittelt, wichtig ist noch vielmehr das Netzwerk der Hochschule und der Markenname.

Denn obwohl der MBA seit der Finanzkrise an Reputation verliert – weil viele gefallene Stars der Wall Street einen MBA-Abschluss haben und man den Hochschulen vorgeworfen hat, nicht verantwortungsvolle Manager, sondern auf den kurzfristigen Profit schielende Egoisten ausgebildet zu haben – hat der Abschluss einer der Top-Hochschulen noch immer einen großen Wert.

Das US-Magazin Forbes hat vor kurzem Ehemalige der besten US-Business-Schools gefragt, wie viel sie fünf Jahre nach dem Abschluss verdienen und wie lange es gedauert hat, bis sich der MBA ausgezahlt hat. An den besten amerikanischen Wirtschaftshochschulen wie Harvard, Stanford, Chicago Booth, Wharton, Columbia oder auch Tuck dauert das gerade einmal 3,5 Jahre.

Teure Investition

Für MBA-Studenten ist das wichtig, weil der MBA eine hohe Investition ist. In den USA zahlen die Studenten an den Top-Hochschulen mehr als 100.000 Dollar (70.000 Euro) allein an Studiengebühren, hinzu kommen Kosten für Wohnung und Leben und natürlich der Verdienstausfall – es sei denn, man studiert in einem berufsbegleitenden Programm.

Und davon gibt es – auch an den Top-Hochschulen – immer mehr. Die hohen Kosten in den USA sind ein Grund, warum der MBA in den USA in der Gunst von Interessenten aus Europa oder Südamerika etwas gesunken ist. Denn in den vergangenen zehn Jahren haben europäische Wirtschaftshochschulen zu den besten Anbietern in den USA aufgeschlossen.


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2010 stand sogar mit der London Business Schools erstmals ein europäischer MBA-Anbieter an der Spitze des einflussreichen Rankings der "Financial Times". Die Europäer locken mit ebenso guten Job- und Karriereaussichten, haben aber einen großen Vorteil: Die meisten Programme dauern nur neun bis 12 Monate und kosten mit etwa 50.000 Euro weniger als die amerikanischen.

Bei nur einem Jahr Studium ist auch der Verdienstausfall geringer. Doch nicht alle mögen das kurze Studium. Der Mathematiker Christian Moldenhauer, der seinen MBA in zwei Jahren an der London Business School gemacht, konnte sich das gar nicht vorstellen.

"Ein MBA ist auch eine Zeit des Wandels und der Reflektion", sagt er. Ob ein oder zwei Jahre Vollzeitstudium ist daher eine Grundsatzentscheidung. Neben Europa und den USA holen vor allem junge Business Schools in Asien rasant auf.

Business Schools in Asien ziehen nach

Für Henrik Schöpfer, den ehemaligen Ceibs-Studenten war klar, dass er für den MBA nach Asien geht. Mit Gebühren um die 30.000 bis 50.000 Euro verlangen die asiatischen Top-Hochschulen weniger als die Konkurrenz in Europa oder den USA. Noch. Denn sie haben schon in den vergangenen Jahren die Studiengebühren erhöht, zum Teil um 40 Prozent in nur drei Jahren.

Der Wirtschaftsboom Asiens – er spiegelt sich auch an den Business-Schools wieder. Für Studenten aus dem Westen lohnt sich das Studium nur an den Wirtschaftshochschulen, die einen internationalen Fokus haben und auf Englisch unterrichten.


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Die Frage, ob sich der MBA lohnt, hängt enorm davon ab, wo man studiert und in welcher Region man später arbeiten will. Das Netzwerk der meisten amerikanischen Hochschulen - und das ist wichtig für die Jobsuche - erstreckt sich vor allem auf die USA.

Die europäischen Schulen hingegen sind vor allem für all jene interessant, die auf dem Kontinent oder in Großbritannien arbeiten wollen. Spannend ist der MBA in Asien. Dort vollzieht sich gerade ein Wandel, sagen Experten wie Kulwant Singh, Professor an der National University of Singapore (NUS).

Bisher haben an den asiatischen Schulen vor allem ausländische Großkonzerne mit Niederlassungen vor Ort rekrutiert. Nun aber würden auch asiatische Firmen den Wert der MBA-Absolventen erkennen. Wichtig für MBA-Bewerber ist vor allem die sogenannte "Placement"-Statistik.

Placement-Statistik in Asien steigt

Alle guten Business-Schools veröffentlichen auf ihren Internetseiten detaillierte Zahlen zum Anteil der Absolventen, die direkt nach dem Abschluss einen Job finden und den Branchen, in die sie einsteigen. Bei den Top-Wirtschaftshochschulen hat noch immer um die 90 eines Jahrgangs drei Monate nach dem Abschluss einen Job.

Im Krisenjahr 2009 waren es meist zehn Prozentpunkte weniger. Während die Wirtschaft in Europa und den USA durch die Krise taumelte, haben an einigen Hochschulen mehr Absolventen einen Job in Asien gefunden, als in den Jahren zuvor.


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Der Mythos MBA hat in der Krise etliche Kratzer bekommen - den Business-Schools wurde immer wieder eine Teilschuld an der Finanzkrise zugeschrieben. Selbst die Dekane der besten Wirtschaftshochschulen der Welt haben erkannt, dass der MBA sich wandeln muss.

"Ist der MBA obsolet?", fragte vor kurzem die Leiterin des MBA-Programms am schweizerischen IMD in Lausanne, Martha Maznevski. "Vielleicht, wenn er sich nicht ändert", war ihre Antwort.

Es ist schon bemerkenswert, wenn Business-School-Chefs wie Bodo Schlegelmilch von der WU Executive Academy in Wien und Howard Thomas, Chef der Business-School an der Singapore Management University (SMU) konstatieren: "Der MBA im Jahr 2020 - ein Relikt der Vergangenheit."

Den MBA wird es zwar weiter geben, schreiben die beiden Dekane in einer Studie. Aber die Lehrpläne werden viel komplexer sein, das Bewusstsein von MBA-Studenten für gesellschaftliche Missstände muss geschärft werden. "Neben der Weitergabe der erforderlichen wirtschaftlichen Grundlagen werden Business Schools auch ihre Verpflichtung, Werte zu vermitteln, erfüllen müssen. Werte, die eine Gruppe professioneller Manager verinnerlicht und teilt."

Nur dann wird der Mythos weiterleben.

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