Karriere "Mit unternehmerischer Leidenschaft"

Wer schon einmal gegründet hat, kommt auf der Karriereleiter schneller voran - selbst wenn er dabei gescheitert ist: Im Interview erzählt Christine Stimpel, Deutschland-Chefin der Personalberatung Heidrick & Struggles, was Spitzenpersonal heute leisten muss.

Jens Tönnesmann / wiwo.de | , aktualisiert

Christine Stimpel, Deutschland-Chefin der Personalberatung Heidrick & Struggles

Frau Stimpel, Sie gelten als die "Königsmacherin der deutschen Wirtschaft“. Welchen Vorständen und Aufsichtsräten haben Sie schon ins Amt verholfen?
 
Christine Stimpel: In unserer Branche ist Diskretion oberste Pflicht. Außerdem ist die Bezeichnung ziemlich übertrieben. Anders als in den USA suchen viele deutsche Konzerne ihr Spitzenpersonal in den eigenen Reihen.

Das muss Sie wurmen.

Nein. Ich halte es für eine Stärke der deutschen Wirtschaft. So nehmen meistens erfahrene Leute auf dem Chefsessel Platz, die das Unternehmen kennen, sich aber auch im internen Wettbewerb durchsetzen mussten. Wenn die fehlen, suchen die Unternehmen natürlich auf dem Markt nach Alternativen.

Und dann kommen Sie ins Spiel...

Genau. Wir erstellen mit unserem Auftraggeber ein Anforderungsprofil und suchen systematisch in anderen Unternehmen nach geeigneten Kandidaten. Dazu sprechen wir mit vielen Quellen. So machen wir uns ein Bild von den Stärken und Schwächen, noch bevor wir die Kandidaten ansprechen.
 
Googeln Sie auch, welche Spuren die Kandidaten im Netz hinterlassen haben?

Das gehört heute dazu. Die meisten Manager, mit denen wir es zu tun haben, sind allerdings älter und in Netzwerken wie Facebook nicht registriert. Ich würde aber auch jungen Berufsstartern raten, mit Informationen im Netz sehr restriktiv umzugehen, damit Arbeitgeber oder Leute wie wir keine peinlichen Partyfotos finden.

Das klingt altmodisch. Tragen Portale wie Facebook nicht dazu bei, solche Jugendsünden zu enttabuisieren?
 
Ich glaube nicht. Wer Privates oder gar Peinliches ins Netz stellt, macht sich angreifbar, selbst wenn er eigentlich qualifiziert ist und viel Erfahrung hat.

Was verstehen Sie unter Erfahrung?

Wer etwa in der Bundeswehr eine Mannschaft befehligt hat oder ein Non-Profit-Projekt initiiert hat, kann danach zwar keine Bilanzen lesen, hat aber Führungserfahrung gesammelt, die man als Manager braucht. Um vielfältige Erfahrungen zu sammeln, sollte man schon zu Beginn seiner Karriere auf "multiple exposure" achten.

Christine Stimpel, Deutschland-Chefin der Personalberatung Heidrick & Struggles

Was meinen Sie jetzt damit?

Junge Leute sollten sich Arbeitgeber suchen, die ihnen ermöglichen, unterschiedliche Bereiche, Abteilungen und Länder kennenzulernen.

Ist es karrierefördernd, auch schon mal ein Startup gegründet zu haben?

Unsere Auftraggeber schätzen Kandidaten mit unternehmerischer Erfahrung – auch dann, wenn das Vorhaben gescheitert ist. Den Mut, es zu versuchen, bewerten die meisten positiv.

Stehen Gründern also alle Türen offen?

Wer damit Erfolg hat, verbessert seine Chancen auf einen Top-Job im Management enorm. Bestes Beispiel: René Obermann, der zwar sein Studium abgebrochen, aber ein Unternehmen groß gemacht hat, bevor er bei T-Mobile und der Telekom Karriere machte. Er ist aber eine Ausnahme. Für die meisten Unternehmer gilt: Einmal Gründer, immer Gründer.

Kommt es vor, dass Kandidaten Ihnen absagen, weil sie lieber Unternehmer werden wollen?

Das gibt es, aber selten. Wenn die Entscheidung zu gründen aber erst mal gefallen, der Businessplan geschrieben und das Geld besorgt ist, dann können wir denjenigen allerdings auch mit dem besten Angebot nicht mehr davon abbringen. Und manche Manager, die eine unternehmerische Leidenschaft verspüren, aber selbst nicht gründen, betätigen sich auch gerne als Beirat von jungen Unternehmen.

Das heißt?

Sie unterstützen ein Startup, indem sie ihre Erfahrung und ihr Wissen an die Gründer weitergeben – etwa, wenn es um den Ausbau der Produktion geht. Außerdem helfen sie den Gründern mit wertvollen Kontakten aus ihrem über Jahre gewachsenen Netzwerk. Das ist für jene Jungunternehmer besonders interessant, denen anfangs das Geld fehlt, einen solchen Profi selbst einzustellen.

Sind Beiräte denn umsonst zu haben?

Manche lassen sich stundenweise bezahlen, manche möchten als Gegenleistung Unternehmensanteile. Aber viele machen es tatsächlich mehr oder weniger aus gutem Willen, weil sie für die Idee brennen.

Das Gespräch führte Jens Tönnesmann, wiwo.de.

Artikel zuerst erschienen auf WirtschaftsWoche Online wiwo.de

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