Karriere-Experten raten Gefahren beim Jobwechsel

Ausgewiesene Karriere-Experten sagen, was Bewerber beachten sollten, damit der Jobwechsel gelingt. Und was sie auf keinen Fall tun sollten.

Jochen Mai, wiwo.de | , aktualisiert


Auf ins nächste Abenteuer                                Foto: Karin Jung/Pixelio

1. Was muss ich vor einem Jobwechsel beachten?

Stefan Koop, Geschäftsführer Delta-Personalberatung:
Den zentralen Punkt: "Warum will ich eigentlich wechseln?" sollte man sich schon ehrlich beantwortet haben. Treibt es mich weg oder zieht es mich hin? Letzteres ist immer der erfolgreichere Weg.

Weitere relevante Fragen, die nach Antworten suchen:

• Welche Branche hat für mich Zukunft?
• Will ich Karriere machen oder einfach nur mehr Geld verdienen?
• Ist ein Schritt zur Seite vernünftig?
• Will ich mich fachlich verbreitern?
• Was macht mir im Beruf eigentlich Spaß?
• Was muss ich noch in mich selbst hinein investieren, damit ich begehrt bin?
• Wie ist die Frauenquote im neuen Unternehmen?
• Will meine Frau und Familie auch, dass ich eine neue Aufgabe suche?
• Was ist mit meinem sozialen Umfeld?
• Bin ich bereit, umzuziehen?
• Akzeptiere ich eine längere Abwesenheit von meiner Familie? 
• Kann mein Mann für die Kinder sorgen, wenn ich als Frau den Karriereturbo zünde oder akzeptieren wir ein Aupair-Modell?
• Sind meine Unterlagen in Ordnung?
• Habe ich alle Zeugnisse?
• Ist mein Foto aktuell und attraktiv?
• Habe ich noch genug Urlaub für die Gesprächsrunden?

Die Antworten können zum Teil schmerzhaft sein. Aber besser Sie kennen sie, bevor Sie den neuen Arbeitsvertrag unterschreiben.


Auf ins nächste Abenteuer                                Foto: Karin Jung/Pixelio

2. An welchen Faktoren erkenne ich, dass meine Karriere im aktuellen Unternehmen de facto beendet ist?

Tiemo Kracht, Geschäftsführer bei Kienbaum:
Es sind vor allem sechs Aspekte, die Sie dabei im Blick haben sollten:
1. Sie sollten bewerten, ob die Unternehmens- und Ertragsentwicklung eine tragfähige Basis für eine weitere Karriere bietet.
2. Die Entwicklung des Geschäftsmodells muss kompatibel sein mit dem eigenen Qualifikationsprofil. Andernfalls kann es passieren, dass man plötzlich am Rand oder außerhalb dieser Entwicklung steht.
3. Aufstiegschancen: Wenn die nächste Führungsebene, für die Sie sich vorbereitet haben, mit einem Kandidaten besetzt wird, der jünger, im gleichen Alter oder geringfügig älter ist, kann der nächste Karriereschritt auf Jahre versperrt sein. Gibt es keine weiteren Optionen in anderen Positionen, sollten externe Alternativen erwogen werden.
4. Das persönliche Verhältnis zum direkten Vorgesetzten und seinen "Peers" muss realistisch bewertet werden: Wo stehe ich auf der Prioritätenliste? Habe ich ausreichend Fürsprecher?
5. Diese interne "Konjunkturbewertung" wird dann von Respekt und Wertschätzung abgerundet. Sind diese Signale regelmäßig und überzeugend, ist das ein sicheres Indiz dafür, dass Sie auf der Beförderungsliste bleiben.
6. Sind Sie auf den nächsten Karriereschritt fachlich und persönlich vorbereitet? Also wie mobil sind Sie wirklich – etwa auch, um ins Ausland oder an einem anderen Standort zu wechseln? Der eigene Lebensentwurf kann ebenfalls ein begrenzender Faktor sein.


Auf ins nächste Abenteuer                                Foto: Karin Jung/Pixelio

3. Wie finde ich heraus, welcher Karriereschritt der richtige ist?

Tiemo Kracht, Geschäftsführer bei Kienbaum:
Das können Sie nur zielführend beantworten, wenn Sie wissen, was Sie wollen. Insofern müssen Sie der Frage eine strategische Karriereplanung voranstellen, an die sich zwar niemand sklavisch klammern sollte, die aber Meilensteine umfasst, die Sie unbedingt erreichen wollen.

Hierbei sollten Sie zwischen Linien-, Projekt- und Expertenlaufbahn unterscheiden: Jede dieser Laufbahnen folgt ihrer eigenen Logik. Verfolgen Sie eine Managementkarriere, sollten Sie sich zum Beispiel fragen: Vervielfältigt die Aufgabe meine Managementkompetenz und schafft damit die Basis für nächste Entwicklungsschritte? Habe ich in der neuen Aufgabe einen messbaren Einfluss auf die Unternehmensentwicklung? Lässt sich damit mein internationales Profil schärfen? Und hat die Aufgabe auch künftig strategische Relevanz?

Unabhängig davon sollten Sie ebenso prüfen, ob nicht auch ein Schritt zur Seite Ihr Qualifikations- und Kompetenzprofil und damit die Optionsvielfalt in der Zukunft verbessert.


Auf ins nächste Abenteuer                                Foto: Karin Jung/Pixelio

4. Wie kurz oder lange darf ich bei einem Unternehmen gearbeitet haben, bevor mir das als unflexibel oder problematisch ausgelegt wird?

Tiemo Kracht, Geschäftsführer bei Kienbaum:
Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Wenn ich in einem Unternehmen acht Jahre dieselbe Position eingenommen habe, kann dies ein Karrierekiller sein, Motto: Das Unternehmen hat offenbar kein Potenzial gesehen. Wenn ich aber zehn Jahre in einem Unternehmen engagiert war, dort Wechsel zwischen Inlands- und Auslandsstationen vollzogen habe, meinen Verantwortungsradius kontinuierlich ausweiten konnte, können diese "Credentials" eine starkes Karrieresprungbrett sein.

Kurz: Eine lange Verweildauer wird einem nur dann zum Malus, wenn in der Zeit keine Entwicklung erkennbar ist: Entweder gibt es der Kandidat nicht her oder er ist kein Treiber der eigenen Geschicke, ist wenig beharrlich und durchsetzungsstark und schafft sich ein komfortables Umfeld. Beide Erkenntnisse sind gleichermaßen belastend.
 
Schnelle Jobwechsel, das sogenannte Job Hopping, sind es indes zunehmend weniger. Häufige Fusionen, Übernahmen, Eigentümerwechsel lassen auch Fach- und Führungskräfte immer öfter unverschuldet unter Veränderungsdruck geraten, sodass eine Station von "nur" zwei Jahren nicht zu Lasten des Kandidaten geht.

Allerdings darf man trotzdem nicht vergessen: Das Aneinanderreihen von mehreren Engagements kürzer als zwei Jahre schafft erhebliche Projektionsflächen zu Lasten des Jobwechslers. Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Insofern sollten berufliche Stationen nicht als Projekte, sondern als Plattformen für substantielle Leistungsergebnisse betrachtet werden.


Auf ins nächste Abenteuer                                Foto: Karin Jung/Pixelio

5. Darf ich zugeben, dass ich aus Frust oder wegen meines Chefs wechseln will?

Heike Cohausz, Outplacement-Beraterin:
Ja auf jeden Fall, denn Ihre Trennungsstory muss authentisch und nachprüfbar sein. Bei einer emotionalen Trennung ist das jedoch eine große Herausforderung, denn negative Nachrede über Ihr Ex-Unternehmen oder den alten Chef sollten Sie auf jeden Fall vermeiden.

Stellen Sie sich zu nächst folgende Fragen:

• Was genau hat meinen Frust ausgelöst?
• Wieso möchte ich nicht mehr mit meinem Chef arbeiten?
• Welche konkreten Situationen haben dazu geführt, dass ich gehen will?

Die Antworten werden etwa im Führungsstil, der Art der Zusammenarbeit, fehlendem Freiraum und Veränderungen im Unternehmen liegen. Begründen Sie den Wechsel dann lieber damit, was davon konkret nicht (mehr) zu Ihnen und Ihren Stärken passt. So ist es leichter, die Trennung an Fakten und vor allem auch an dem, was Sie für Ihre Zukunft suchen, festzumachen.

Zudem sollten Sie die Trennung in den Zusammenhang mit Ihrem Werdegang stellen: Eventuell passt der Wechselzeitpunkt gut in den Lebenslauf, einfach weil es Zeit wird, sich zu verändern. Und wenn Sie diese Trennungsstory formuliert haben, üben Sie sie bitte noch mit Freunden. So testen Sie, wie sie wirkt.

Faustregel: Je weniger Rückfragen Sie auslösen, desto schlüssiger ist die Begründung.


Auf ins nächste Abenteuer                                Foto: Karin Jung/Pixelio

6. Wie kann ich sagen und erreichen, nur den Job, nicht aber den Arbeitgeber zu verlassen?

Svenja Hofert, Karriereberaterin und Bestsellerautorin:
Es kommt auf die Kultur des Unternehmens an, in der Sie sich bewegen: Manche Firmen fördern solche Veränderungen, etwa vom Controlling ins Personal – und wenn das von oben gewünscht wird, müssen auch die Chefs mitmachen. Das ist ein idealer Zustand für Menschen, die öfter mal was Neues brauchen – aber, zugegeben, selten.

Eine weitere Option ist, sich wegbefördern zu lassen. In manchen Unternehmen ertragen die Chefs nur schwer jemanden neben sich, der ein ähnliches Alphatier ist wie Sie selbst; da ist die Versetzung des Konkurrenten gern gesehen. Heißt: Signalisieren Sie Ehrgeiz, aber seien Sie bloß kein Career Worker, also jemand der "make your boss happy" zu seinem Grundsatz macht. Besser etwas weniger happy machen und statt dessen dezent am Stuhl sägen.

Es ist allerdings sinnvoll, vorher informelle Gespräche mit anderen Abteilungsleitern zu führen – vor allem mit denen, in deren Bereich Sie gern arbeiten würden. Bringen Sie sich in deren Blickfeld. In größeren Unternehmen müssen Sie sich dann ja sowieso meist ganz offiziell auf solche Stellen bewerben – gut wenn man Sie dann schon kennt und nicht nur Sie, sondern auch Ihre Bewerbung mit offenen Armen aufnimmt.

Echte Führungspersönlichkeiten sehen übrigens Ihren eigenen Vorteil darin, andere zu fördern. Sind Sie in so einem tollen Unternehmen gelandet, sprechen Sie Ihre Wünsche aus. Sagen Sie, was Sie wollen. Erst recht, wenn Sie eine Frau sind – die machen das nämlich eher selten.


Auf ins nächste Abenteuer                                Foto: Karin Jung/Pixelio

7. Wie signalisiere ich Wechselbereitschaft, ohne dass das mein Chef mitbekommt?

Svenja Hofert, Karriereberaterin und Bestsellerautorin:
Erst mal ist die Frage, warum er das nicht mitbekommen soll? Wer sich das fragt, kommt meist darauf, dass der schlimmste Fall wäre, dass der Chef beleidigt ist oder aber versucht, einen zu halten – wogegen nichts zu sagen wäre, wenn er ordentlich was drauflegt oder Bedingungen verbessert.

Es ist normal, dass man sich immer mal wieder umschaut. Karriere ist Business – und Sie müssen für den Arbeitsmarkt attraktiv bleiben.

Ich rate hierbei, Schritt für Schritt vorzugehen: Erst mal im engeren Kreis informell streuen, dass man einen neuen Job sucht. Kontakte ansprechen, Gespräche suchen. Ein Kunde von mir trifft sich immer zum Squash, wenn er etwas neues sucht. Sagen Sie beiläufig: Was Neues täte mir gut, ich suche XY – was kannst du für mich tun? In der Phase können Sie auch ruhig den Passus "suche Herausforderungen" ins Xing-Profil streuen. Und falls der Chef oder ein Kollege Sie darauf anspricht, fragen Sie zurück: "Herausforderungen sucht doch jeder, oder?"

Stufe 2: Sie machen Listen mit Kontakten und vereinbaren gezielte vertrauliche Gespräche – wenn Sie zum Kunden wechseln wollen, auch gern mit den dortigen Vertrauten. Klar müssen Sie diplomatisch vorgehen, aber noch mal: Ein Job ist ein Job, Sie können und dürfen ihn wechseln, wann immer Sie wollen.

So wie man Sie auch relativ freizügig und nur wenig limitiert vom deutschen Arbeitsrecht rausschmeißen kann. Und dann auch nicht allzu lange zaudert.


Auf ins nächste Abenteuer                                Foto: Karin Jung/Pixelio

8. Wie kann ich Headhunter auf mich aufmerksam machen?

Marcus Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter Personalberatung Hanover Matrix:
Headhunter suchen für eine Position den am besten geeigneten und am Markt verfügbaren Kandidaten. Je nach Bedeutung der Position ist der den Beratern entweder schon bekannt – oder sie sie recherchieren ihn.

Dabei liegt eine Aufgabe darin, die Reputation und Kompetenz eines Kandidaten zu überprüfen. Eine Initiativbewerbung ist daher bereits so etwas wie eine erste Arbeits- und Kompetenzprobe. Tatsächlich kommen aber oft Lebensläufe per E-Mail mit standardisiertem Anschreiben. So ein Massenschreiben ist nicht nur nutzlos, es ist kontraproduktiv.

Der professionelle Weg mit einem Headhunter Kontakt aufzunehmen, ist ein Informationsgespräch: Man ruft an, stellt sich vor und bittet um einen gelegentlichen Gedankenaustausch.

Ist der Headhunter am Kandidaten grundsätzlich interessiert, wird er zum Gespräch bitten, sobald ein passender Suchauftrag vorliegt. Aber eben auch nur dann. Deshalb sollten Sie den Kontakt zu Headhuntern idealerweise pflegen, schon lange bevor Sie einen neuen Job suchen. Das wirkt dann auch sofort weniger bedürftig.


Auf ins nächste Abenteuer                                Foto: Karin Jung/Pixelio

9. Wie viel mehr Gehalt kann ich bei einem Jobwechsel verlangen?

Marcus Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter Personalberatung Hanover Matrix:
Grundsätzlich bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis, also auch das Gehalt.

Die meisten Personalchefs orientieren sich trotzdem am aktuellen Einkommen. Steigerungen um zehn Prozent liegen dabei im Normbereich.

Je mehr Risiko ein Wechsel mit sich bringt, um so eher sind Steigerungen darüber hinaus möglich. Wobei nicht das Wechselrisiko des Kandidaten honoriert wird, sondern die Risikosituation des neuen Unternehmens. Überproportionale Steigerungen sollten dabei ähnlich stutzig machen wie ein ungewöhnlich hoher Zinssatz auf Tagesgeld.

Und mehr Gehalt sollte nie das Primärziel eines Wechsels sein.

Es kann sogar sinnvoll sein, sein Gehalt bei einem Wechsel zu reduzieren – etwa wenn die neue Unternehmenskultur oder Jobzufriedenheit das hergeben.

Entscheidend ist das Lebenseinkommen, dass sich im Zuge einer Karriere erzielen lässt. Und wenn mich ein Wechsel für die Zukunft besser positioniert und damit mittelfristig wertvoller macht, dann kann das ein guter Grund sein, dafür beim aktuellen Gehalt zurück zu stecken.


Auf ins nächste Abenteuer                                Foto: Karin Jung/Pixelio

10. Ist es ratsam auch eine Stelle anzunehmen, die zwar mehr Spaß, aber weniger Gehalt und Status bietet?

Heike Cohausz, Outplacement-Beraterin:
Spaß und Freude an der Aufgabe und jeden Morgen gerne ins Büro zu gehen, sind absolute Voraussetzung für einen erfolgreichen Job. Nur lassen sich die eigenen Stärken voll für das Unternehmen einsetzen. Aber: Jede Lebenssituation ist anders und auch die Ziele können im Lauf der Zeit variieren.

Über Ihre persönliche Situation sollten Sie sich also klar sein, bevor Sie einen Seiten- oder Rückschritt in Betracht ziehen. Dabei hilft es, sich Fragen zu stellen, die in die Zukunft reichen:

• Wo möchte ich in zehn Jahren stehen?
• Bringt mich der Schritt dorthin?
• Ist mir Führungsverantwortung wirklich wichtig oder lasse ich mich dazu drängen, weil jeder dies für erstrebenswert hält?
• Wie wichtig ist mir eine ausgewogene Lebensbalance?
• Welche Optionen habe ich, meine Karriere fortzusetzen, wenn ich mich künftig anders entscheide?

Ein Seiten- oder Rückschritt kann für eine ruhigere Phase im Leben, etwa um mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können, sinnvoll und wichtig sein. Auch Funktions- oder Branchenwechsel, um die Karriere in eine andere Richtung zu lenken, sind dafür geeignet.

Entscheidend dabei aber ist, dass Sie diese Entscheidung durchdacht und nicht aus einer spontanen Laune heraus treffen. Dann können Sie sie auch bei einem späteren Wechsel gut begründen.


Auf ins nächste Abenteuer                                Foto: Karin Jung/Pixelio

11. Mir liegt ein attraktives Jobangebot vor. Worauf muss ich dabei besonders achten?

Stefan Koop, Geschäftsführer Delta-Personalberatung:
Trotz aller Freude über die Attraktivität der Jobofferte: Nehmen Sie diese nicht sofort an. Die finale Absprache mit der Familie darf jetzt nicht fehlen: Sind sich alle bewusst, was der Jobwechsel wirklich bedeutet?

Auch die ehrliche Frage an sich selbst: Kann ich die an mich gesetzten Anforderungen erfüllen? muss klar mit ja beantwortet werden. Denn nichts ist fataler, als nach drei, vier Monaten zu merken, da habe ich einen Fehler gemacht und mich hinreißen oder gar blenden lassen.

Auch nicht unwichtig: Haben sie sich über die Frauenquote im Unternehmen informiert? Je nach Geschlecht kann diese Karriereverläufe unterschiedlich beeinflussen.

Nicht zuletzt ist auch die Frage entscheidend, welche Perspektiven Ihnen der neue Arbeitgeber bietet. Hat die Branche eine mittelfristige Zukunft oder ist gleich Krise angesagt?


Auf ins nächste Abenteuer                                Foto: Karin Jung/Pixelio

12. Auf welche Finessen im neuen Arbeitsvertrag muss ich bei einem Jobwechsel achten?

Peter Groll, Fachanwalt für Arbeitsrecht:
Arbeitsverträge sind Standardverträge aus dem PC der Personalabteilung und in der Regel nicht verhandelbar. Einzig auf den Beginn des Arbeitsverhältnisses und das Gehalt kann der Arbeitnehmer Einfluss nehmen.

Überdies gibt es eine Reihe von Regelungen, die der Arbeitnehmer ruhig unterschreiben kann, weil sie einer gerichtlichen Überprüfung sowieso nicht standhalten würden. Unwirksam ist zum Beispiel ein Passus, der vorsieht, dass mit dem monatlichen Gehalt jegliche Überstunden abgegolten sind.

Verbietet das Unternehmen dem Ex-Arbeitnehmer nach der Kündigung jegliche Konkurrenztätigkeit, ohne hierfür eine Entschädigung zu leisten, ist diese Regelung ebenfalls unwirksam.

Ohnehin sollten Sie solche Verträge eher anders lesen: Wenn schon der Arbeitsvertrag die Abgeltung von Überstunden zu regeln versucht, sollten Sie nicht überrascht sein, wenn diese vom Chef regelmäßig eingefordert werden.

Drum prüfe, wer sich bindet – das gilt auch für Arbeitsverhältnisse. Und wenn der Arbeitgeber seinen ersten Kontrakt mit Ihnen schon mit unwirksamen Regelungen, Verboten und Vertragsstrafen spickt, ist er vielleicht doch nicht der ideale "Partner".


Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...