Karriere-Atlas 2008 Berlin: tolerant und liberal

Berlin ist zwar das politische Zentrum der Republik, wirtschaftlich hingegen hinkt die Metropole auch 18 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer hinterher

Gero Lawecki | , aktualisiert

Kein Dax-30-Konzern hat seinen Sitz in der Hauptstadt, der letzte, der Pharmariese Schering, wurde vor zwei Jahren von Bayer aus Leverkusen übernommen. Die Arbeitslosenquote liegt über dem Bundesdurchschnitt, und entsprechend niedrig ist die Kaufkraft der Einwohner. Und trotz der hohen Dichte von Hochschulen und den Mitteln aus der Exzellenzinitiative für die Freie Universität und die Humboldt-Universität ist die Stadt auch in Forschung und Lehre nicht Spitze. In unserer Studie landet Berlin trotzdem auf dem dritten Platz. Warum?

Die Stadt punktet mit Internationalität. Der Anteil qualifizierter Migranten an der Bevölkerung ist hoch, und die Musik-, Mode- und Clubkulturen ziehen junge Menschen und Touristen aus der ganzen Welt an. Ihre Hotspots sind die Viertel Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg und Mitte. Die Mietpreise sind in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, doch lässt es sich hier immer noch weit günstiger leben als in anderen Metropolen wie London, Paris oder New York.

Die Stadt an der Spree ist zudem tolerant und liberal. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen liegt über dem bundesweiten Durchschnitt, und nirgendwo in Deutschland leben so viele Künstler, auch relativ gesehen. Deren Präsenz prägt das Klima der Stadt. Die Kreativen sind - neben dem öffentlichen Dienst, der Gesundheitsindustrie und Biotechnologie - das Standbein der Wirtschaft. Mehr als 150.000 Beschäftigte arbeiten an Film- und TV-Produktionen mit oder sind in der Musikindustrie, in Multimedia-, PR- und Werbe-Agenturen oder Modeateliers tätig.

Dieser kreative Geist beeinflusst auch andere, noch junge, aber zukunftsträchtige Industrien - die Solarbranche zum Beispiel. 4000 Angestellte zählt sie derzeit schon - und sie wächst weiter stark. Im Forschungspark Adlershof im Osten Berlins haben sich zahlreiche Unternehmen der Solar-Technologie angesiedelt. 35 Prozent aller in Deutschland produzierten Photovoltaik-Module kommen aus der Hauptstadtregion. Der Grundstein dafür wurde früh gelegt: Bereits 1994 führte die Fachhochschule für Wirtschaft und Technik den Studiengang Regenerative Energien ein.

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