Just Schürmann Maßstäbe für deutsche Hochschulen

Just Schürmann, Geschäftsführer der Boston Consulting Group, erklärt im Interview die Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen Rankings - und sagt, worauf Studienanfänger bei der Wahl ihrer Hochschule achten sollten.

A. Himmelrath, B. Mersch | , aktualisiert

Junge Karriere: Herr Schürmann, bei der Boston Consulting Group kümmern Sie sich um das Recruiting. Welche Rolle spielen Rankings bei Ihren Personalentscheidungen?

Just Schürmann: Da muss man unterscheiden zwischen dem, was in den USA und was in Europa passiert. In der amerikanischen MBA-Landschaft spielen Rankings eine dominierende Rolle. Egal, wer das Ranking durchführt - es sind letztlich immer die gleichen 20 Top-Unis, die oben stehen. Wenn wir in den USA rekrutieren, dann sind diese Ranglisten für uns deshalb ein relativ zuverlässiger Indikator für eine hochwertige Ausbildung und die gute Qualität der Absolventen.

Und das ist in Europa nicht so?

Nur zum Teil. Bei den großen europäischen Wirtschaftshochschulen, die MBA-Studiengänge anbieten, funktioniert das schon ganz gut. Aber wenn wir auf Deutschland schauen, haben wir eine ganz andere Situation: Dort wird nach sehr unterschiedlichen Kriterien gerankt - je nachdem, wer das Ranking durchführt. Mal stehen wissenschaftliche Kriterien wie die Zahl der Veröffentlichungen im Mittelpunkt, mal die Ausbildungsbedingungen aus Sicht der Studenten, dann wieder Einschätzungen von außen. Für uns sind solche Rankings deshalb wichtige Indikatoren - aber diese ergänzen wir noch um eigene Erfahrungen mit den Hochschulen und deren Absolventen.

Wie groß sind denn dann die Abweichungen, die Sie entdecken?

Unsere eigenen Einschätzungen über die Qualität bestimmter Fachbereiche und die veröffentlichten Rankings decken sich etwa zu 70 Prozent. Abweichungen kommen daher, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse stärker gewichten. Als Berater legen wir zum Beispiel großen Wert auf internationale Erfahrung. Generell kommt den Rankings aber eine wachsende Bedeutung zu: Die deutsche Hochschullandschaft verändert sich zurzeit so stark, da braucht man einfach Maßstäbe. Die Universitäten müssen sich an die neuen Gegebenheiten anpassen und sich als Marken etablieren.

Ist denn das Bewusstsein für diese Art der Markenbildung an den Hochschulen überhaupt vorhanden?

Vor zwei, drei Jahren wäre die Antwort eindeutig gewesen: Nein. Mittlerweile hat sich das gebessert, aber was die einzelnen Unis daraus machen, ist noch sehr unterschiedlich. Wir sind in ständigem Kontakt mit vielen Dekanaten und stellen immer wieder fest: Die einzelnen Professoren wollen Veränderung - aber das System als Ganzes ist eher langsam, so dass wichtige Fragen noch nicht geklärt sind. Zum Beispiel, wie viele Bachelor-Absolventen einer Universität tatsächlich in Master-Studiengänge übernommen werden. So etwas sollte eine Hochschule zur Profilbildung nutzen - und das könnte dann der Ausgangspunkt für einen sich selbst verstärkenden positiven Entwicklungsprozess sein, der sich auch in Rankings manifestiert.

Das müssen Sie genauer erklären.

Wenn sich eine Hochschule oder ein Fachbereich ein starkes Profil gibt, dann spricht sich das herum: Bekomme ich hier eine fundierte Ausbildung? Stimmen die Studienbedingungen? Kann ich problemlos in ein Master-Programm wechseln? Damit ziehe ich die guten Bewerber an. Je höher die Bewerberzahlen sind, desto besser sind die, die ich aussuchen kann - und das sorgt für gute Absolventen. So entwickelt die Hochschule ein positives Image.

Heißt das, man sollte schon bei der Hochschulwahl auf die Platzierung im Ranking achten?

Nein, denn Rankings sind in Deutschland noch lange nicht so wichtig wie in den USA. Studienanfängern würde ich raten: Lasst euch nicht kirre machen! Wichtiger ist es, erst einmal herauszufinden, was man selber möchte. Da sind Rankings zwar ein Faktor, aber genauso wichtig sind die Internationalität einer Hochschule, die Intensität ihrer Praxiskontakte oder ihr wissenschaftliches Niveau. Ich glaube, dass gerade die Möglichkeit zu Auslandserfahrungen und die Nähe eines Studiengangs zu möglichen Arbeitgebern - oder zu wissenschaftlichen Instituten - eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

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