Junge Elite In bester Gesellschaft hoch hinaus

Früh trifft sich, wer selbst in die Kreise der Mächtigen aufsteigen will – die Nachwuchselite hat eigene Organisationen mit strengen Kriterien für die Auswahl der Mitglieder.

Tim Rahmann, Meike Lorenzen, Rebecca Eisert, Lin Freitag | wiwo.de | , aktualisiert

In bester Gesellschaft hoch hinaus

Elite 1

Foto: Konstantin Yuganov/Fotolia.com

John McCloy hatte es nicht leicht. Als Vertreter der Siegermächte musste er nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Deutschland und Amerika vermitteln. Eine wertvolle Fähigkeit, die heute auch die Stipendiaten des McCloy-Programms brauchen. In einem zweijährigen Masterstudiengang werden zwischen sechs und acht Deutsche an die Harvard Kennedy School gesandt, um sich auf künftige Führungspositionen vorzubereiten.

Die Fakultät ist die politische Eliteschmiede der Hochschule, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und der ehemalige Weltbank-Chef Robert Zoellick zählen zu den Absolventen. Das lockt auch die deutsche Prominenz.

Für Gesprächsrunden mit den McCloy-Teilnehmern reisten schon der FDP-Politiker Christian Lindner und die frühere Bischöfin Margot Käßmann nach Harvard. In diesem Jahr feiert das Stipendium seinen 30. Geburtstag.

Glänzende Karrieren

Von den etwa 200 Abgängern können fast alle auf eine glänzende Karriere schauen. Allerdings nicht immer im Gemeinwesen, zu verführerisch ist oft der Lockruf der freien Wirtschaft. Viele McCloy-Stipendiaten arbeiten als Unternehmensberater, in Großkanzleien oder gründeten eigene Unternehmen.

Um sich für das Stipendium zu qualifizieren, darf der Bewerber nicht älter als 35 Jahre alt sein und muss zur "akademischen Exzellenz" gehören. Konkret: Das Studium sollte mit gut, bei Juristen mit "Voll befriedigend" abgeschlossen werden. Für manche Master-Programme sind zusätzlich drei Jahre Berufserfahrung nötig.

Die Stipendiaten werden von einem Ausschuss der Studienstiftung des deutschen Volkes auserwählt. Parallel müssen sich die Interessierten an der Harvard Kennedy School bewerben. Es folgen ein zweitägiges Auswahlseminar und die Bewertung eines selbst verfassten Essays.

Wertvoller Auftrag

Aufgrund dieser zeitintensiven Auswahl gibt es pro Jahr nur zwischen 60 und 120 Bewerbungen. Und das trotz des großzügigen Angebots: Das Stipendium ist das höchstdotierte Programm der Stiftung. Neben den 43.000 Dollar Gebühren im Jahr erhalten die Auserwählten eine monatliche Zuwendung von knapp 2000 Dollar.

Noch wertvoller erscheint da nur ihr Auftrag: Neben der politischen Karriere steht auch die Verbesserung der deutsch-amerikanischen Beziehung auf dem Programm – ganz im Sinne des Namensgebers John McCloy.

Ihre Aufgabe? Sie sollen nicht weniger als "die Welt verändern". Mit dieser Erwartung nimmt das Weltwirtschaftsforum jedes Jahr zwischen 100 und 200 Führungspersönlichkeiten in die "Young Global Leaders" auf.

Die Gruppe gibt es seit 2005, sie besteht inzwischen aus mehr als 1100 Personen. Dem 2013er-Jahrgang gehören 199 Auserwählte aus 70 Ländern an. Darunter auch der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

Der neue Jahrgang trifft sich erstmals im Juni in Myanmar, um Initiativen zu starten.

Eintritt nur auf Vorschlag

So wie das 2011er-Projekt "Appbridge", das Jugendlichen in Schwellenländern Lernprogramme für Smartphones zur Verfügung stellt. Oder "Global Dignity", in dessen Rahmen Schüler respektvollen Umgang lernen.

Die Teilnehmer werden aus jährlich über 5000 Kandidaten ausgewählt. Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr und Chelsea Clinton, Tochter des ehemaligen US-Präsidenten, konnten sich schon qualifizieren.

Herein kommt nur, wer jünger als 40 ist und beruflich erfolgreich. Kaufen kann man die Eintrittskarte nicht, sich selbst ins Gespräch bringen auch nicht. Doch Vorschläge nimmt das Forum gerne entgegen. Der Einsendeschluss für den nächsten Jahrgang endet am 30. Juni 2013.

Wolldecken mit dem Motiv der amerikanischen Flagge liegen im Gras, darauf sitzen Menschen und diskutieren über die großen Themen unserer Zeit – Außen- und Sicherheitspolitik, Klima und Energie sowie Wirtschafts- und Finanzthemen. Locker ging es zu bei der Young Leaders-Konferenz der Atlantik-Brücke im Sommer 2012. Seit 1952 kümmert sich der Verein vor allem um die deutsch-amerikanische Freundschaft, Vorsitzender ist heute der frühere CDU-Politiker Friedrich Merz.

Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien treffen sich regelmäßig auf Konferenzen. Und seit 1973 hat die Atlantik Brücke auch ein Programm für künftige Führungskräfte – die Young Leaders. In das Netzwerk aufgenommen wird nur, wer zwischen 28 und 35 Jahren alt ist und es beruflich schon zu etwas gebracht hat.

Die Empfehlungen für neue Mitglieder stammen meist von den Alumni, die weiterhin Bestandteil des Netzwerkes sind – Initiativbewerbungen sind zwecklos.

Alles fifty-fifty

Die Organisatoren rekrutieren in der Regel Politiker, Manager und Medienleute. Etwa 300 Bewerbungen gehen pro Jahr ein, 50 Plätze stehen zur Verfügung. Die eine Hälfte geht an Deutsche, die andere an Amerikaner.

Die Young Leaders nehmen an einem einwöchigen Workshop teil, mal in Deutschland, mal in den USA. Die Reisekosten übernehmen die Teilnehmer oder auch deren Arbeitgeber, der Rest des Programms wird aus Spenden finanziert.

Seit dem vergangenen Jahr ist auch Christian Pfeiffer dabei, Marketingchef der Consulting-Sparte bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Das deutsch-amerikanische Verhältnis beschäftigt ihn schon lange, seine Magisterarbeit schrieb er über Interessenvertretungen amerikanischer Unternehmen in der Europäischen Union. Nun gehört Pfeiffer zum Alumni-Netzwerk, wie auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann oder "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann. Wer einmal als Young Leader aufgenommen wurde, bleibt es ein Leben lang.

Die Gründer des World Business Dialogue wollten von Beginn an hoch hinaus. Das Motto der Premiere 1987: "Der Weltraum als Markt". Etwa 40 Studenten der Universität zu Köln locken seitdem im Organisationsforum Wirtschaftskongress (OFW) regelmäßig Hochkaräter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in die Domstadt.

Auf Podien und in Workshops sprechen sie über Megatrends wie den demografischen Wandel oder, wie beim Treffen in der vorvergangenen Woche, über innovative Geschäftsstrategien. In diesem Jahr saßen auf dem Podium unter anderem Deutsche-Bank-Co-CEO Jürgen Fitschen und Deutsche-Telekom-Vorstandsmitglied Niek Jan van Damme.

Microsoft-Gründer Bill Gates war auch schon zu Gast.

Persönlichkeit sticht

Wer teilnehmen möchte, muss vorher ein Bewerbungsvideo oder einen Essay zum aktuellen Kongressthema einreichen. Die Bewertungskriterien: Kreativität, innovatives Denken und Persönlichkeit. Die Entscheidung trifft eine Jury aus Professoren und Unternehmern.

Wer kein Geld für die Reise nach Köln hat, kann sich für ein Stipendium bewerben. Hat man es in den Kreis geschafft, ist man nah dran an den Denkern und Lenkern der internationalen Wirtschaft. Die Bewerbung ist jedes Jahr aufs Neue möglich. Wer einmal dort war, wird wieder hinwollen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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