Jobwechsel Nicht ohne meine Familie

Personaler haben einen blinden Fleck: Sie unterschätzen den Einfluss der Lebenspartner auf die Karriereschritte ihrer Mitarbeiter. Der ist deutlich gewachsen ist, hat Marion Büttgen, Professorin an der Uni Hohenheim vom Lehrstuhl für Unternehmensführung erforscht.

Claudia Tödtmann, wiwo.de | , aktualisiert

Nicht ohne meine Familie

Jobwechsel mit Familie 2

Foto: Monkey Business / Fotolia.com

Frau Büttgen, Sie haben untersucht, inwieweit die Partner die Versetzung ihres Mannes oder ihrer Frau in eine andere Stadt oder ins Ausland beeinflussen. Sollten Unternehmen künftig den Partner gleich mit einladen, wenn sie ihren Mitarbeitern einen Job an einem anderen Standort anbieten?

Marion Büttgen: Gute Idee, dann könnten sie zumindest versuchen, Vorbehalte im Hinblick auf den Partner und seine Bereitschaft, einen Ortswechsel mitzutragen, abzubauen. Denn Frauen schätzen die Jobalternativen ihrer Männer an einem neuen Ort beispielsweise schlechter ein, als die es selbst tun. Entweder sind Männer unrealistisch positiv oder Frauen unterschätzen die Chancen ihrer männlichen Partner woanders. Auf jeden Fall könnte das dazu führen, dass Frauen ein Jobangebot ablehnen, weil sie sich Sorgen um die Karriere ihres Partners machen.

Und Männer verhalten sich anders, wenn es um ihre eigene Versetzung und die mögliche Beeinträchtigung der Karriere ihrer Frau geht?

Ja. Männer, die vor der Frage stehen, ob sie eine neue Stelle an einem anderen Ort antreten wollen oder nicht, berücksichtigen die Job-Alternativen ihrer Frauen weniger, als die es umgekehrt tun.

Ihr Fazit lautet?

Fest steht für beide, Männer wie Frauen: Sie nehmen heute insgesamt mehr Rücksicht auf ihre Partner, wenn sie eine Entscheidung für einen neuen Job treffen. Die Bereitschaft des Partners, mitzugehen, hat einen starken Einfluss auf die eigene Entscheidung. Und das nicht nur im Hinblick auf die Jobaussichten des Partners: heimatliche Wurzeln werden ebenfalls berücksichtigt. Auch dies gilt für Frauen stärker als für Männer, wenn sie ein Wechselangebot erhalten.

Ist den Kandidaten heute ihre Partnerschaft und Familie wichtiger als die Karriere?

In der Tendenz ja. Die Work-Life-Balance wird immer wichtiger, vor allem bei den jüngeren Mitarbeitern, der sogenannten Generation Y. Sie bewertet Partnerschaft und Privatleben inzwischen höher als die Generationen zuvor. Das zeigt sich auch in unseren Studienergebnissen.

Karriere kommt für Jüngere also definitiv nach dem Partner und der Familie? Dann müssen Unternehmen schnellstens umdenken.

Karriere machen um jeden Preis ist nicht mehr die Devise. Zudem ist es ohnehin nicht mehr üblich, lebenslang bei nur einer Firma zu arbeiten. Also kann man heute ein Jobangebot an einem Standort, der sich mit der Partnerschaft nicht gut vereinbaren lässt, auch eher mal ausschlagen, ohne dass man die eigene Karriere gefährdet. Die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer ist im Zuge des demografischen Wandels ja deutlich stärker geworden.

...wenn man nicht gerade Vorstand wird bei genau dem Unternehmen?

Richtig, in den Dax-Vorständen sind einige Kandidaten, die ihrem Unternehmen lebenslang treu waren. Ola Källenius, der Kronprinz von Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche, ist so jemand. Aber wie gesagt, diese Karrieren sind heute Ausnahmen.

Ist das den Personalern klar und haben sie das im Hinterkopf, wenn sie die Karrieren der Mitarbeiter planen?

Nein, ich denke, dass das Bewusstsein bei Personalern noch nicht ausgeprägt ist. Der Fokus liegt bislang auf den Mitarbeitern. Nur bei Auslandseinsätzen beziehen sie die Partner mit ein, aber auch dabei meist erst spät: in der Umsetzungs- und nicht schon der Entscheidungsphase.

Dabei erzählen es Kandidaten Headhuntern oft und die klagen landauf, landab über die angeblich mangelnde Flexibilität der Kandidaten.

Denen wird der wahre Grund wohl auch öfter gesagt: Mein Partner zieht nicht mit, deshalb sage ich den Job ab. Gegenüber Headhuntern sind die Leute ehrlicher, denn sie verkörpern nicht das Unternehmen. Dem Personalberater begegnen sie vielleicht nie wieder im Leben. Da verdirbt man sich als Kandidat nichts, mag mancher denken. Das ist beim eigenen Unternehmen anders. Interne Kandidaten gestehen ihrer eigenen Personalabteilung meist nicht den wahren Grund für eine Absage. Sie wollen ihre Karriere nicht verderben. Dann lehnen sie beispielsweise eine Position im Ausland aus anderen sachlichen, aber eben nur vorgeschobenen Gründen ab. Dass sie die Position nicht so attraktiv finden oder dass sie für ihre Karriere nicht so attraktiv ist, etwa.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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