Jobsuche Strategische Vorbereitung ist ein Muss

Wer nach dem Studium oder der Lehre einen Job sucht, braucht eine Strategie, die über die Gehalts- oder Standortfrage hinaus geht. Zwei Experten verraten, worauf Berufseinsteiger schon vor der Jobsuche achten sollten.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Strategische Vorbereitung ist ein Muss

Es gibt genug Gründe für einen neuen Job: eine fachliche Neuorientierung, die Kündigung, ein anstehender Umzug, persönliche Unzufriedenheit oder eben der Berufseinstieg. Doch gerade Berufseinsteiger tun sich mit der Suche schwer.

Welcher Job ist der richtige? Bei welchem Unternehmen wird man glücklich? Soll es der mittelständische Betrieb vor Ort werden oder doch der große Konzern in einer der Metropolen – oder vielleicht sogar im Ausland?

Und wie sieht die eigene Zukunftsplanung aus? Chef oder Angestellter? Team-Mitglied oder Einzelkämpfer? Die Karriere-Experten Maja Skubella und Olaf Kempin bringen es auf den Punkt:

Es geht vorrangig um die Frage: Was will ich?

Skubella ist Berufs- und Bewerbungsberaterin für Abiturienten, Schüler und Studenten, aber auch für Neuorientierer und Wiedereinsteiger. Auch Kempin arbeitet vorrangig mit jungen Akademikern. Er ist Co-Geschäftsführer und Gründer des Personaldienstleisters univativ, der junge IT-Experten, Ingenieurwissenschaftler und Kaufleute an Unternehmen vermittelt. Beide haben die Erfahrung gemacht, dass die Antwort auf diese Frage nach dem "Was will ich" für junge Bewerber eine ganz schön harte Nuss sein kann.

Denn viele wissen zwar ganz genau, zu welchem Arbeitgeber sie wollen und wie hoch das Gehalt sein soll, weiterführende Gedanken machen sich aber nur wenige.

Dabei drehe sich eigentlich alles um die Fragen:
• Was ist mir wichtig? 
• Was möchte ich unbedingt vermeiden?

"Das heißt auch, zu beantworten, wann ich morgens aufstehen möchte", sagt Skubella.

Wer ein chronischer Langschläfer ist, wird mit einem Job, für den er jeden morgen um fünf Uhr auf der Matte stehen muss, auf Dauer nicht glücklich. Da helfen auch das Top-Gehalt und die Reputation des Unternehmens nicht weiter. Skubella empfiehlt, sich klar zu machen, wie wichtig der geregelte Neun-Stunden-Arbeitstag ist, ob man bereit ist, viele Überstunden zu machen, ob man einen Schreibtischarbeitsplatz will oder doch lieber mobil oder im Home-Office arbeiten möchte.

Darauf sollte man eine Antwort haben, noch bevor man auf einem Stellenportal nach möglichen Jobs und Arbeitgebern sucht.

Unternehmensstrukturen und Branchen kennenlernen

Wie wichtig sind einem Karriere und Projektverantwortung, seien ebenfalls wichtige Fragen, sagt Kempin. Darüber machen sich aber vor allem Berufseinsteiger wegen der mangelnden Erfahrung keine Gedanken. Wer dagegen schon mal einen Nine-to-Five-Schreibtischjob hatte, weiß, ob ihm das liegt oder nicht doch zu langweilig ist.

"Zu Beginn oder noch vor der eigenen Berufstätigkeit lohnt es sich, verschiedene Unternehmensstrukturen und Branchen kennenzulernen, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen, wo man sich eher wohl fühlt", sagt Kempin. Wer durch verschiedene Praktika schon einmal im Großkonzern, beim Start-up oder dem Handwerksbetrieb reinschnuppern konnte, kann besser entscheiden, ob er es lieber flexibel, kumpelhaft, förmlich oder klar strukturiert mag und wie hierarchisch der Traumarbeitgeber sein sollte, damit es zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Verschiedene Kanäle zur Information nutzen

Doch selbst wenn man weiß, was man will, ist es nicht leicht, von außen zu beurteilen, wer das bietet. Wird der junge Finanzbuchhalter bei Rewe glücklicher als bei Vorwerk – oder umgekehrt? Oder wäre Audi der perfekte Arbeitgeber? Und welches Unternehmen passt gut zur BWL-Absolventin mit Schwerpunkt Marketing?

Kempin rät jungen Leuten, sich über verschiedene Kanäle über ein Unternehmen zu informieren, um ein möglichst umfangreiches Bild der dort herrschenden Arbeitskultur zu bekommen. Er rät sowohl zu unabhängigen Portalen zur Arbeitgeberbewertung, als auch den unternehmenseigenen Social Media-Kanälen und Gesprächen mit Mitarbeitern. Das verringere das Risiko, dass man erst im Vorstellungsgespräch merkt: Das passt überhaupt nicht.

Auch Skubella empfiehlt Berufseinsteigern, sich gezielt über Unternehmen zu informieren, bevor sie sich auf Stellenanzeigen stürzen. Wie verkauft sich ein Unternehmen? Wie steht es um Bewertungen auf Portalen wie kununu? Erst wenn man das Gefühl habe, ein Unternehmen zu kennen, solle man das Gespräch suchen beziehungsweise eine Bewerbung schreiben.

Initiativbewerbungen können sich lohnen

Da der Stellenmarkt sehr groß ist, sollten sich Berufseinsteiger trauen, Wunsch-Arbeitgeber auf den Plan zu rufen und den Berufseinstieg über Initiativbewerbungen zu versuchen, so Skubella. "Viele Absolventen haben den Fuß mit einer Initiativbewerbung in die Tür bekommen", sagt sie. "Wichtig ist, zu begründen, warum man das Unternehmen spannend findet. Personaler wollen hier die Leidenschaft hinter der Bewerbung lesen können."

Ein anderer, von Berufseinsteigern oft unterschätzter Weg auf der Suche nach einem Job seien Netzwerke wie Xing und LinkedIn. Viele Unternehmen machen sich nicht von Anfang an die Mühe, eine Anzeige zu schalten, sondern suchen in solchen Netzwerken nach Kandidaten für eine freie Stelle. "Ich empfehle Studenten bereits während des Studiums in den Netzwerken präsent zu sein und sich einen eigenen Kontaktkreis aufzubauen", sagt Skubella.

Und Kempin ergänzt: "Idealerweise können Studenten über Jobs während des Studiums anfangen zu netzwerken und ihre Kontakte über diese Plattformen pflegen." Dann hat man im Zweifelsfall auch schon mal einen Ansprechpartner für die erwähnten Gespräche mit Mitarbeitern.

Jobwechsel sind normal

Und was, wenn sich der Traumjob dann doch nicht als der richtige erweist? Wechseln, sagt Skubella. "Ich erlebe immer wieder, dass junge Menschen es als negativ empfinden, wenn sie ihren Job nach zwei Jahren wechseln. Dabei ist es gerade in der Einstiegsphase möglich, Berufserfahrungen zu sammeln, ohne dass es blöd aussieht."

Niemand erwartet, dass man seinem ersten Arbeitgeber bis zur Rente treu bleibt – so lange Berufseinsteiger die Jobs nicht wechseln wie die Unterhosen. "Viele Unternehmen bevorzugen Berufseinsteiger, die bereits in einigen Projekten Berührung mit der beruflichen Praxis hatten", sagt Kempin. "Erfahrungswerte können sich ganz schnell zum Karriereturbo entwickeln und verschaffen in der Regel einen Vorsprung zu anderen Kandidaten."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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