Jobsicherheit Arbeiten bei der Bundeswehr

Die Bundeswehr wäre ohne ihre Verwaltung wirkungslos. Sie zählt zu den größten Arbeitgebern Deutschlands, sorgt im Hintergrund für die Streitkräfte und bietet Sicherheit: Nach drei Jahren werden die Mitarbeiter verbeamtet.

Katina Treese | , aktualisiert

Wer regelmäßig zur Zeitung greift oder die TV-Nachrichten verfolgt, weiß viel über die Bundeswehr. Fast täglich wird über sie berichtet. Darf die Truppe im Inland eingesetzt werden? Müssen deutsche Soldaten auch im umkämpften Süden Afghanistans eingreifen? Und welche Befugnisse sollten sie bekommen, um Piraten vor der Küste Somalias zu jagen? Um diese Fragen ging es zuletzt.

Um die Bundeswehrverwaltung geht es so gut wie nie. Sie ist weitgehend unbekannt. Dabei ist sie, neben dem Militär, das zweite Standbein der Bundeswehr. Ohne ihre Arbeit wären die Soldaten wirkungslos. Sie würden keinen personellen und materiellen Nachschub bekommen, der monatliche Sold bliebe aus, und auf die psychologische Betreuung müssten sie ebenfalls verzichten. Rund 100000 Mitarbeiter sind bei der Bundeswehrverwaltung beschäftigt. Sie ist einer der größten Arbeitgeber Deutschlands.

Als Lehrer und Dolmetscher bei der Bundeswehr

Marina Döring, 32, ist eher zufällig dort gelandet. Nach dem Abschluss ihres Studiums der Anglistik und Slawistik vor sechs Jahren suchte sie eine Stelle. Bei ihrer Recherche stieß sie auf die Homepage des Bundessprachenamts. "Die suchten Lehrer und Dolmetscher. Also habe ich eine Bewerbung losgeschickt." Mit Erfolg.

Seit Mai 2004 unterrichtet sie Offiziersanwärter in Englisch. Und bei einem freiwilligen dreimonatigen Einsatz in Usbekistan dolmetschte sie Russisch für die Truppen. Momentan absolviert Döring einen Lehrgang über Recht und Verwaltung. Es soll der nächste Karriereschritt werden für die Regierungsrätin, die noch nicht verbeamtet ist und hinter ihrem Titel das Kürzel z.A. führt, "zur Anstellung". "Die Vielfalt meiner Arbeit begeistert mich", sagt sie und empfiehlt Absolventen, sich gegebenenfalls auch beim Bundessprachenamt zu bewerben.

Die Chancen für Bewerber sind gut

Bewerbungen sind willkommen. "Wir haben permanenten Bedarf und brauchen junge Einsteiger", sagt Oberregierungsrat Markus Nurischad. Er ist zuständig für das Recruiting der Bundeswehrverwaltung. Vor allem Ingenieure und IT-Spezialisten hätten gute Chancen, außerdem Ärzte und eben Sprachwissenschaftler. Bei Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern schwankt die Nachfrage.

Akademiker schlagen bei der Bundeswehr für gewöhnlich die Beamtenlaufbahn ein. Absolventen mit Diplom-, Magister- oder Masterabschluss steigen in den höheren Dienst, FH- und Bachelor-Absolventen in den gehobenen Dienst ein.

Letztere werden vor allem beim Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) gebraucht. "Für 2009 suchen wir noch rund 450 Maschinenbauer, Physiker, Chemiker und Informatiker", sagt Bauoberrat Christian Marquardt, der Recruiting-Beauftragte des BWB. Der Grund: Für den Rüstungsbereich benötige man Leute, "die Facharbeit leisten". Absolventen mit höheren Universitätsabschlüssen sind überwiegend im Projektmanagement tätig. Das Traineeprogramm des BWB dauert für Einsteiger mit Bachelor- und FH-Abschluss ein Jahr. Alle anderen Absolventen müssen mit eineinhalb bis zwei Jahren rechnen, um die von der Bundeswehr angenommene fehlende Praxiserfahrung auszugleichen.

Da musste auch Florian Tamang durch. Der 31-Jährige hat an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel Diplom-Informatik und im Nebenfach Mathematik studiert. In seinem zweijährigen Traineeumlauf wurde er in Wehrtechnik, Verwaltung, Recht und Projektmanagement geschult. Danach ging es für ihn zunächst als Dezernent für Optronik, Infrarot- und Lasertechnik in die Wehrtechnische Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen nach Surendorf bei Eckernförde.

Der Einsatz im Krisengebiet gehört zum Job

Inzwischen ist er in Koblenz der zuständige BWB-Referent für die Absicherungstechnik im Ausland. Er ist für den Schutz der Feldlager mitverantwortlich. Mittelfristig aber plant er anders. Er strebt eine "vorübergehende Tätigkeit bei einer internationalen Organisation wie der Nato oder der EU" an. Und wird von der Bundeswehr mit einer mehrjährigen Beurlaubung und Sprachlehrgängen unterstützt. Fragt man Tamang, ob er sich auch einen Einsatz in einem Krisengebiet vorstellen könnte, antwortet er: "Ja, das gehört zum Job."

Auf Flexibilität ist die Bundeswehr angewiesen. Wenn Soldaten ins Ausland gehen, sind - auf freiwilliger Basis - immer zivile Mitarbeiter dabei. Sie sind die Dienstleister des Militärs. "Wir müssen uns davon freimachen, dass nur der militärische Part im Einsatz ist", sagt Chef-Recruiter Markus Nurischad. "Die Bundeswehr als Gesamtes ist im Einsatz."

Auch zivile Mitarbeiter müssen sich im Notfall verteidigen können

Zu ihrer Sicherheit erhalten die Beamten den Soldatenstatus verliehen. "Denn nur Soldaten fallen laut Völkerrecht unter den Schutz der Genfer Konventionen", erklärt Axel Schulze-Bälz, der Leiter des Personalreferats im Bundesamt für Wehrverwaltung (BAWV). Vor einem solchen Einsatz bekommt jeder Zivile zudem eine allgemeine soldatische Ausbildung und lernt, wie man mit einer Waffe umgeht. "Auch die Damen", sagt Schulze-Bälz, "denn im Notfall muss man sich selbst verteidigen können."

Wer sich bei der Bundeswehr bewirbt, wird daher auch gefragt, ob er den Wehrdienst verweigert hat. "Wir möchten Leute in unseren Reihen haben, die eine gewisse Affinität zur Bundeswehr mitbringen", erklärt Schulze-Bälz. "Wer den Wehrdienst verweigert hat, kann bei uns einsteigen - er muss uns jedoch erklären können, wieso er jetzt plötzlich bereit ist, eine Waffe zu benutzen."

Arbeiten im Ausland

Wer ins Ausland will, hat aber auch andere Möglichkeiten. Mitarbeiter können sich fünf Jahre beurlauben lassen, um bei der Nato oder einer anderen Organisation zu arbeiten, wie es Florian Tamang plant. Auch ein Einsatz in einer der acht Auslandsdienststellen ist möglich. Der dauert in Europa in der Regel vier, in den USA und Kanada fünf Jahre.

Im Gegenzug verlangt die Bundeswehr die Zustimmung zur "uneingeschränkten Verwendung im gesamten Bundesgebiet", wie es im Vertrag heißt. Das bedeutet: Beamte müssen damit rechnen, alle paar Jahre ihren Dienstort zu wechseln. Familienfreundlich ist das nicht. "Wir sind Bundesbeamte", sagt Axel Schulze-Bälz. "Wir können niemanden gebrauchen, der sagt: Ich will nur im Großraum Berlin arbeiten." Ein Mitspracherecht haben die Mitarbeiter natürlich. "Aber für uns ist wichtig, dass wir die Leute dort einsetzen können, wo wir sie benötigen."

Fortbildungen und Sprachkurse für alle Beamten

Florian Tamang sieht das positiv: "Ein Tätigkeits- und Ortswechsel kann bei der Bundeswehr schon einem Berufswechsel gleichen. Und jeder Wechsel wird durch das eigene Personalentwicklungskonzept gefördert." Dieses gilt für alle Beamten der Bundeswehr und verpflichtet sie zum lebenslangen Lernen. Fängt ein Mitarbeiter in einer neuen Position an, erhält er die Lehrgänge, die ihm die nötigen Qualifikationen vermitteln. Oft sind das betriebswirtschaftliche Fortbildungen oder fachspezifische Schulungen zur Software SAP. Zudem sind jährliche Sprachkurse Pflicht.

So lukrativ die Fortbildungen sind: Der größte Trumpf bleibt die Verbeamtung. Drei Jahre dauert es in der Regel, bis Mitarbeiter den Status erhalten. Während in der freien Wirtschaft die Zahl der befristeten Verträge zunimmt, sichert die Bundeswehrverwaltung ihre Mitarbeiter auf Lebenszeit ab. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wie derzeit ist das ein großer Vorteil.

Der Nachteil: Mit den Gehältern der großen Unternehmen kann die Bundeswehr nicht konkurrieren. Der Sold errechnet sich aus einem komplizierten Schlüssel, dem Bundesbesoldungsgesetz. Die Höhe ist abhängig von der Stelle, Studienabschluss, Alter und Familienstand. Ein unverheirateter, 28-jähriger Akademiker ohne Kind bekäme demnach rund 3300 Euro brutto im Monat, eine leitende Regierungsdirektorin, Mitte 50, verheiratet, zwei Kinder, erhielte etwa 6100 Euro brutto, plus Kindergeld.

Der Beamtenstatus ist für Berufsanfänger ein Vorteil

Ein anderer Punkt ist das Knicken-lochen-heften-Image. "Man sollte sich vorher überlegen, ob man in einer Verwaltung arbeiten will. Das muss man lieben oder lassen", sagt Klaus Hamsen. Hamsen war zehn Jahre lang in der Bundeswehr als Offizier in verschiedenen Positionen tätig und hat die Verwaltung kennengelernt. Heute ist er Partner und Geschäftsführer der Personalberatung Ray & Berndtson in Frankfurt. Der Beamtenstatus sei für Berufsanfänger ein Vorteil, sagt er.

Außerdem gebe es die Möglichkeit, sich intensiv mit den aktuellen Einsätzen der Bundeswehr zu befassen. "Wenn eine Truppenentsendung nach Afghanistan stattfindet, dann sind logistische, rechtliche und organisatorische Fragestellungen zu lösen. Das ist sicher eine interessante Facette, die sich in anderen Behörden so nicht findet."

Der Unterschied zur freien Wirtschaft ist groß

Andererseits sind die Beförderungen und die Gehälter stark reglementiert. "Die Gesetzmäßigkeiten sind andere als in der Privatwirtschaft." Darin sieht Hansen das größte Problem für einen möglichen Wechsel zurück in die freie Wirtschaft. "Die Art des Arbeitens ist in der Verwaltung völlig anders als in der freien Wirtschaft. Das ist nicht besser oder schlechter. Nur jeder, der diesen Schritt geht, muss wissen: Das war es jetzt." Sein Fazit: Wem soziale Sicherheit wichtig ist, der sollte in den öffentlichen Dienst gehen. "Wer hingegen das Risiko sucht, ist dort völlig falsch."

Dass die Bundeswehr ein potenzieller Arbeitgeber für ihn sein könnte, merkte Jan Opitz erst durch einen Info-Stand auf einem Absolventenkongress. Er war nach dem Abitur ausgemustert worden und dachte zu Beginn seines BWL-Studiums in Bayreuth nicht daran, einmal in der Bundeswehrverwaltung zu arbeiten. Mittlerweile ist er Regierungsrat z.A. (zur Anstellung) und seit Februar 2006 im Bundesamt für Wehrverwaltung in Bonn beschäftigt, momentan in der Abteilung für Infrastruktur- und Umweltschutz.

Der 34-Jährige ist begeistert von der Vielfalt seiner Aufgaben. "Einen 08/15-Arbeitstag gibt es bei uns nicht. Das verhindert schon die Projektarbeit. Außerdem wird Wert gelegt auf die ,Verwendungsbreite'. Das hat mit der Beamtenlaufbahn zu tun und bedeutet, dass wir eine Stehzeit von zwei, drei Jahren haben und dann einen anderen Dienstposten und damit auch ein anderes Aufgabengebiet bekommen."

Seit gut einem Jahr ist Angela Schreiber Musterungsärztin beim Kreiswehrersatzamt der Bundeswehr in Recklinghausen. Nach ihrem Medizinstudium an der Universität GHS Essen und der Facharztanerkennung informierte sie sich über alternative Berufsfelder - und entdeckte die Bundeswehr. Die Tätigkeit als Musterungsärztin entsprach genau ihren Vorstellungen. Jetzt beginnt der Arbeitstag der 34-Jährigen um Viertel nach sieben mit dem ersten Wehrpflichtigen. "Natürlich ist es einigen peinlich, wenn sie die Hose runterlassen müssen, und es Kursieren immer noch wilde Gerüchte über die Untersuchung. Aber die meisten jungen Männer nehmen es wohl oder übel gelassen. Ich habe sogar die Erfahrung gemacht, dass Einige froh darüber sind, von einer Ärztin und nicht von einem Arzt untersucht zu werden."

Oberregierungsrätin Heidemarie Schmid weiß stets, wie das Wetter wird. Die 35-jährige Diplom-Meteorologin unterrichtet seit 2002 junge Flugwetterberater an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Nach ihrem Studium an der LMU München ging sie zunächst in die Forschung, erst ans Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, dann zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Doch die Lehrtätigkeit reizte sie mehr, und bei der Fachhochschule des Bundes in Brühl fand sie vorbildliche Bedingungen. "Die Klassenstärke liegt bei maximal zwölf Studierenden. So kann ich sehr gut auf jeden Einzelnen eingehen." Die Beamtenanwärter müssen zudem keine Studiengebühren bezahlen, und es gibt eine Übernahmegarantie. Meteorologen braucht die Bundeswehr übrigens vor allem für die Flug- und die Seewetterberatung.

Bundeswehrverwaltung

Die Bundeswehrverwaltung ist der Dienstleister der Streitkräfte. Nach Artikel 87a und 87b des Grundgesetzes haben die Soldaten der Bundeswehr militärische Aufgaben. Die zivilen Beschäftigten sorgen für die Verpflegung und die Bekleidung, den Bau von Kasernen und Feldlagern, die Besoldung und die juristische Unterstützung. Die Verwaltung teilt sich in zwei Bereiche: in die Territoriale Wehrverwaltung mit dem Bundesamt für Wehrverwaltung (BAWV) in Bonn und den Wehrbereichsverwaltungen und in den Rüstungsbereich mit dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) in Koblenz. Zusätzlich zu den Dienststellen im gesamten Bundesgebiet gibt es acht Außenstellen in Europa, den USA und Kanada.

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