Jobs im Ausland Deutsche Manager für Brasilien

Das Spitzenpersonal deutscher Multis wird abgeworben – mit Gehaltszuschlägen und besten Karriere-Aussichten.

Alexander Busch, São Paulo | , aktualisiert


Foto: Andres Rodriguez/Fotolia.com

Einmalige Chance zum Aufstieg

Nur vier Jahre benötigte Nicolas Fischer, um Beiersdorf in Brasilien weltweit zur Nummer zwei unter den Ländergesellschaften des Hamburger Nivea-Herstellers zu machen. Bis 2015 sollte der Mittvierziger die Umsätze der brasilianischen Tochter erneut verdoppeln – doch der deutsche CEO wurde jetzt vom brasilianischen Konkurrenten Hypermarcas abgeworben.

Dort wartet auf den Betriebswirt aus Karlsruhe eine schwierige Aufgabe: Er soll den börsennotierten Mischladen neu organisieren.

"Das Risiko zu scheitern ist hoch", sagt ein einheimischer Headhunter. "Doch Fischer hat die einmalige Chance zum Aufstieg in die brasilianische Managerelite."

Genügend Energie, Rohstoffe und Kapital vorhanden

Ausländische Experten wie Fischer sind gefragt in Brasilien: Denn der sechstgrößten Volkswirtschaft mangelt es nicht an Energie, Rohstoffen oder Kapital.

Dafür fehlt es dem Land trotz seiner rund 190 Millionen Einwohner an versiertem Personal.


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Eineinhalb Millionen neue Jobs schreiben Brasiliens Unternehmen seit fast einer Dekade jährlich aus. Doch immer mehr Positionen bleiben unbesetzt - quer durch alle Branchen. Besonders groß ist der Mangel an Ingenieuren, Forschern und Technikern.

Daher lockerte Brasilien erstmals seine Bestimmungen für den Zuzug ausländischer Experten. Was dazu führte, dass noch nie so viele Arbeitsvisa für Akademiker ausgestellt wurden wie in 2011.

Nur rund 30.000 Ingenieure jährlich kommen von den einheimischen Unis auf den brasilianischen Arbeitsmarkt. Jedoch 500.000 zusätzliche Ingenieure bräuchte das Land allein schon, um das staatliche Infrastrukturprogramm bis zur Fußballweltmeisterschaft 2014 und für die Olympischen Spiele 2016 umzusetzen.

Abwerbung in vollem Gange

Brasilianische Konzerne werben daher Topmanager von ausländischen Konzernen ab. Ob in Rio de Janeiro, São Paulo oder Belém, darunter sind immer öfter Mitarbeiter deutscher Niederlassungen.

"Bis vor kurzem war es ein Privileg, bei einem Multi in Brasilien zu arbeiten", sagt Sönke Böge. Er ist Chef des brasilianischen Ablegers der internationalen Personalberatung Boyden. "Doch inzwischen bezahlen die lokalen Unternehmen besser als die ausländischen."


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Die Gehälter für Führungskräfte sind in einem Jahr um ein Drittel gestiegen. Zudem ist der Real eine der härtesten Währungen weltweit. "In der Ölbranche, bei Telekom- und Finanzunternehmen sowie bei den Konsumgüterherstellern wird in Brasilien deutlich besser bezahlt als in Europa", bestätigt auch Axel Werner, Präsident der Personalberatung Kienbaum in Brasilien.

Vor allem junge Spitzentechniker mit Managementerfahrung, die über internationale Netzwerke verfügen und sich in Brasilien auskennen, werden abgeworben.

So wie Bertram Heinze. Der 40-jährige promovierte Geologe hat in São Paulo das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus aufgebaut – ein hochkarätiges Schaufenster der deutschen Wissenschaftsindustrie.

Kaum angekommen – schon wieder abgeworben

Doch noch vor der Eröffnung im April ist Heinze bereits 3000 Kilometer weiter nach Norden gezogen, um ein weiteres Forschungszentrum hochzuziehen.

An der Amazonasmündung in der Millionenstadt Belém soll das weltweit führende Umweltforschungszentrum der Tropen entstehen.


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Diesmal ist Heinzes Auftraggeber die brasilianische Vale, einer der größten Bergbaukonzerne der Welt. "Eine ganz besondere Erfahrung, die ich nicht missen will", sagt Heinze über seinen Arbeitgeberwechsel, der sich auch finanziell für ihn gelohnt hat.

Sowohl Nicolas Fischer als auch Bertram Heinze waren von deutschen Unternehmen entsendete Mitarbeiter, sogenannte Expatriates, die auf ihre Rückkehr in die deutsche Firmenzentrale verzichteten.

Stattdessen machen sie lieber Karriere in Südamerika.

Andere Ansprüche

Den beruflichen Aufstieg in der Heimat zugunsten eines brasilianischen Arbeitsvertrags sausen zu lassen – solch ein Schritt will wohlüberlegt sein. Denn die Ansprüche an Manager in Brasilien unterscheiden sich sehr von denen in Deutschland.

Dennoch hat "in den letzten zwei Jahren die Zahl der Expatriates, die bleiben wollen, zugenommen", sagt Tiago Salomão, Seniorberater bei der Personalberatung Korn/Ferry International.


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Gerade verkündete der Volvo-Präsident Anders Norinder, dass er nicht ins schwedische Mutterhaus zurückkehren wolle: "Hier in Brasilien geht die Post ab. Diese Chance will ich nutzen."

Und vor kurzem erst wechselte Jackson Schneider, Vizepäsident von Mercedes in Brasilien, zum brasilianischen Flugzeughersteller Embraer.

Als Direktor für institutionelle Beziehungen bekleidet Schneider nun eine Schlüsselpositionen im Vorstand des drittgrößten Flugzeugbauers.

Große Nachfrage

Dass Brasilien boomt und dringend ausländische Fach- und Führungskräfte braucht, hat sich inzwischen auch in Europa, speziell in Deutschland, herumgesprochen.

"Täglich kommen mehrere Anfragen von Job-Interessenten", sagt Werner von Kienbaum. "Das gab es noch nie."


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Rigide Arbeitsgesetze

Nur wenn das brasilianische Unternehmen nachweisen kann, dass die Stelle nicht mit einem Inländer besetzt werden kann, bekommt es das Arbeitsvisum für eine ausländische Fach- oder Führungskraft. Das Visa- Verfahren dauert bis zu einem halben Jahr.

Vorbild sein

Manager, die in Brasilien Karriere machen wollen, müssen nicht nur Portugiesisch sprechen, auch der Führungsstil ist dort ein anderer: "In Brasilien ist Leadership gefragt", sagt Axel Werner von Kienbaum. Mitarbeiter wollen durch die Persönlichkeit des Chefs überzeugt werden, nicht mit einer Liste akademischer Titel.

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