Jobs 2007 Energie, Handel, Auto: Neue Stellen in allen Branchen

Ihr Unternehmen baut immer noch Personal ab? Nichts wie raus aus dem Laden, Sie haben Besseres verdient. Der Aufschwung hält 2007 an, die wahren Champs der Wirtschaft stellen kräftig ein. Fast 30.000 Jobs für Einsteiger und Wechsler sind neu zu besetzen, haben Junge Karriere und der Recruiting-Dienstleister Hobsons bei der größten Unternehmensbefragung zum Absolventenmarkt in Deutschland herausgefunden.

Christoph Stehr | , aktualisiert

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Absolvent müsste man sein. Wer jetzt seine erste Stelle wählt, quält sich wieder. Nicht durch Nadelöhre, sondern durch eine Fülle von Alternativen, eine verlockender als die andere. Top-Unternehmen stehen für Bewerber scheunentorweit offen. Das zeigt "Jobs 2007", die deutschlandweit größte Unternehmensbefragung zum Jobmarkt für Absolventen und Jungakademiker mit bis zu fünf Jahren Berufserfahrung. 29.720 Stellen, die 2007 neu besetzt werden, haben karriere und der Recruiting-Dienstleister Hobsons aufgespürt. Mit der passenden Fachrichtung ist der Berufsstart oder Wechsel so gut wie geritzt.

Das Eis bricht

Wenn Sie unsere Standardabsage hören wollen, drücken Sie die Eins. Wenn Sie ein unbezahltes Dauerpraktikum suchen, drücken Sie die Zwei. Wenn Sie Ihren Abschluss noch mindestens vier Semester hinauszögern können, drücken Sie die Drei Wenn Sie immer noch mit Ihrem persönlichen Ansprechpartner verbunden werden wollen, legen Sie bitte auf. Diese Eiszeit scheint ausgestanden. Seit 2004 geht die Akademikerarbeitslosigkeit zurück - zurzeit liegt sie unter vier Prozent, während die Quote am Gesamtmarkt knapp zehn Prozent beträgt. Die Absolventenausbeutung geht deutlich zurück, die karriere-Initiative Fair Company zählt bereits mehr als 650 Unternehmen, die sich gegen die Ausbeutung von Praktikanten und Absolventen aussprechen.

Christiane Konegen-Grenier, Referatsleiterin beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), sieht denn auch überall "positive Signale". Nach einer aktuellen IW-Studie ist der Anteil der Unternehmen, die zusätzliche Jobs für Absolventen anbieten wollen, mehr als dreimal so hoch wie der der Stellenstreicher. Besonders gefragt seien Maschinenbau- und Elektroingenieure, IT-Fachleute und im kaufmännischen Bereich Berater und Vertriebler. Die Untersuchung von karriere und Hobsons stützt diesen Befund. Für 2006 hatten die Unternehmen insgesamt 20.341 Neueinstellungen angekündigt (karriere 1/2006), was bedeutet, dass die Planzahlen für 2007 um satte 46,1 Prozent hochgefahren werden.

In einigen Fällen steigt der Bedarf enorm. DaimlerChrysler sucht 500 Nachwuchskräfte nach 150 im vergangenen Jahr. UBS erhöht von 350 auf 500, der Engineering-Dienstleister Brunel verdoppelt auf 500. "Jobs 2007" belegt drei Trends: Unternehmensberatungen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erreichen wieder ihre Rekordmarken aus den Jahren 1999/2000; Autohersteller halten ihr hohes Niveau, obwohl die Branchenkonjunktur abkühlt; Banken melden sich nach Jahren des Stellenabbaus am Absolventenmarkt zurück.

Solides Wachstum

Eitel Sonnenschein herrscht dennoch nicht. "Die konjunkturelle Entwicklung wird 2007 merklich abflachen", sagt Bernhard Gräf, Makrotrendforscher der Deutschen Bank. Mehrwertsteuererhöhung, Kürzung der Pendlerpauschale und Wegfall der Eigenheimzulage belasteten die privaten Haushalte mit über 20 Milliarden Euro, was den Konsum bremse. Außerdem lasse die Konjunktur in den USA nach - Dominoeffekte in Asien nicht ausgeschlossen. Gräf erwartet nur gut ein Prozent Wirtschaftswachstum nach 2,25 Prozent im abgelaufenen Jahr. Tröstlich: Damit würde das Wachstum immer noch mehr als doppelt so stark sein wie in den letzten vier Jahren.

Claus Niegsch, Volkswirt bei der DZ Bank, teilt die Prognose. "Wir sehen keine Rezessionsgefahren", sagt er. Solides, wenn auch kein rasantes Wachstum - Deutschland, was willst du mehr? Hypes und Blasen gab es genug. Der Aufschwung reiche jedenfalls für einen "anhaltenden Beschäftigungszuwachs", versichert Norbert Braems, Chefvolkswirt bei Sal. Oppenheim. Fach- und Führungskräfte bräuchten sich keine Sorgen zu machen: "Die Verlagerung von Produktion ins Ausland trifft vor allem den Niedriglohnsektor."

Nicht nur die Konjunktur spricht dafür, dass der Bedarf an Hochqualifizierten zunimmt. Viele Unternehmen müssen dringend die Löcher stopfen, die durch Downsizing in der Verwaltung aufgerissen sind. Personalmanager Gerhard Klepser von der BHF-Bank führt außerdem "strukturelle Überlegungen" an: "Es gilt, aus dem kleineren Reservoir der geburtenschwachen Jahrgänge der 70er und 80er Jahre die Leistungsträger der Zukunft für sich zu gewinnen."

Frisch gepampert

Um bei den Bewerbern zu punkten, ziehen Unternehmen alle Register des Personalmarketings, vom üppig dotierten Promotionsstipendium bis zum Workshop auf Mallorca. Sparsame Studenten buchen ihren Sommerurlaub nicht mehr im Reisebüro, sondern auf den Webseiten der Personalabteilungen. Besucher von Recruiting-Messen bekommen schon mal einen iPod zugesteckt, wenn sie an einem Stand ein halbwegs interessiertes Gesicht machen. In einigen Law Firms ist die 100.000-Euro-Grenze beim Einstiegsgehalt für Junganwälte geknackt. Und Unternehmen wie Citibank, KPMG oder Motorola wärmen die nach dem Internet-Boom eingemotteten Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme auf - mit Kopfprämien von mehreren Tausend Euro.

Bewerbungs-Touristen können sich freuen: "Der Kampf um hochqualifizierte Bewerber wird sich 2007 weiter verschärfen", kündigt Mareike Willimsky an, Recruiting-Chefin bei Bain & Company. Ihre Kollegin Nina Wessels von McKinsey macht die Erfahrung, dass ein großer Name nur die halbe Miete ist: "Bei der Suche nach High Potentials konkurrieren wir mittlerweile mit verschiedenen anderen renommierten Unternehmen." Da schimmert er wieder durch, der "War for Talents", jener Hype-Slogan aus den Jahren 2000/2001, der heute keinem Personaler mehr über die Lippen kommt - allenfalls politisch korrekt tiefer gehängt und eingedeutscht zum "neuen Kampf um Talente", wie Sven Breipohl von Roland Berger formuliert.

Vorsicht vor Lemmingen

Der Appetit auf Frischfleisch erscheint zuweilen unanständig. Wie will ein Unternehmen den Zulauf von 1.000, 1.500 oder gar, wie bei Spitzenreiter Siemens, 2.300 neuen Mitarbeitern binnen zwölf Monaten verkraften? Absolventen dürfen ruhig fragen, ob es sinnvoll ist, den Lemmingen hinterherzustürzen. Zur Erinnerung: Vor einigen Jahren sorgten Unternehmensberatungen für Schlagzeilen, als sie gerade eingestellten Mitarbeitern noch vor Antritt der Stelle "Ausladungsschreiben" schickten. Bewerber tun gut daran, ähnlich wie bei der Geldanlage die Risiken zu streuen, das heißt, sich in verschiedenen Branchen umzuschauen und nicht nur auf die "großen Namen" zu fliegen. Viele Mittelständler bieten attraktive und sichere Jobs - und nennen ansehnliche Einstellungszahlen, auch wenn sie damit nicht unter die Top 50 oder Top 25 gelangen.

Beispiele sind der Motorsägenhersteller Stihl, der 50 Absolventen und berufserfahrene Nachwuchskräfte sucht, die Deutsche Ärzte Finanz mit 100 Jobs, Esprit Consulting mit 40, der Spezialist für Bürokommunikation NRG mit 50, der Kunststoffverarbeiter Rehau mit 80 oder der Prozessautomatisierer Sick mit 60. Das Angebot ist so breit, dass fast jeder Absolvent zum Zug kommt. Harald Stender, der das Personalmarketing der Commerzbank leitet, sieht Chancen sowohl für "punktgenau qualifizierte Spezialisten" als auch für "Führungskräftenachwuchs mit breitem Know-how". Ihr wichtigstes Rüstzeug ist und bleibt - auch das zeigt "Jobs 2007" - ein marktfähiges Studium: Wirtschaft, die Mehrzahl der Ingenieurwissenschaften, Informatik, Jura, unter den Naturwissenschaften vor allem Mathematik und Chemie.

Die Nachfrage nach anderen Absolventen verliert sich in homöopathischer Dosis. Von 464 Unternehmen, die für "Jobs 2007" befragt wurden, konnten genau drei einen konkreten Bedarf beziffern. Puma sucht zehn Designer und zehn Sportökonomen, die Vermögensberatung Versiko fünf Geisteswissenschaftler, BMW 50 "andere", wobei offen bleibt, welche Studiengänge gemeint sind. Während Kaufleute und Ingenieure per Hotline in den Job starten, wird es für diese Klientel auch 2007 meist heißen: falsch verbunden.

Die Methode

Bis zum 24. November 2006 befragten karriere und der Recruiting-Dienstleister Hobsons - unter anderem Veranstalter des Kölner Absolventenkongresses, der größten Recruiting-Messe in Deutschland - 464 Unternehmen aller Branchen nach ihren Einstellungsplänen für 2007. Angesprochen wurden die wichtigsten Beschäftiger von Hochschulabsolventen, das heißt, nicht nur Großunternehmen, sondern auch mittlere Unternehmen mit einem überdurchschnittlichen Anteil an akademischen Mitarbeitern, darunter Anwaltskanzleien, Unternehmensberatungen und Ingenieurbüros. Die differenzierte Abfrage des Gesamtbedarfs und des Bedarfs in einzelnen Studienrichtungen ermöglicht eine umfassende und, wie die Erfahrungen mit den Untersuchungen aus den vergangenen Jahren zeigen, verlässliche Prognose zum Absolventenmarkt.

Mehr Infos: Hobsons GmbH, Joanna Rusin-Rohrig, Tel. 0 69.2 55 37-1 44, e-mail: joanna.rusin-rohrig@hobsons.de

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Hightech - Wirtschaftsprüfung/ Beratung - Banken/Versicherungen - Auto

Hightech: Es brummt

Der Maschinenbau meldet zweistelliges Wachstum, die Auftragsbücher sind bis ins nächste Jahr gefüllt. Seit einem Vierteljahrhundert hat die Branche keine vier Boomjahre in Folge erlebt, was dem Optimismus weitere Nahrung gibt. Der Branchenumsatz liegt bei 151 Milliarden Euro im Jahr. Die Beschäftigtenzahlen steigen, 2006 entstanden 10.000 neue Stellen im Maschinen- und Anlagenbau. Jeder sechste Arbeitnehmer ist Ingenieur, insgesamt arbeiten 874.000 Menschen in der Branche. Laut dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) fehlten zuletzt 18.000 Fachleute, 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwas leiser brummt das Geschäft in der Elektroindustrie. Zwar steigerte die Branche ihren Umsatz um fünf Prozent auf 173 Milliarden Euro, doch die Zahl der Beschäftigten blieb 2006 mit 798.300 um 0,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Für 2007 rechnet der Branchenverband ZVEI damit, dass sich die Geschäfte "mit weniger Dynamik" weiterentwickeln. Was die Ausbildung der Mitarbeiter in Entwicklung und Produktion betrifft, tut der Bologna-Prozess der Hightech-Branche gut. Bachelor- und Masterabsolventen stießen auf positive Resonanz bei den Unternehmen, sagt Willi Fuchs, Direktor des VDI: "Annähernd alle Absolventen sind problemlos untergekommen." Der Bachelor qualifiziere sogar teils besser als das Diplom. "Die Struktur der Studiengänge wurde überarbeitet und den aktuellen Entwicklungen angepasst. Das ist ein Vorteil, auch für die Qualität", meint Fuchs.

Wirtschaftsprüfung/ Beratung: Neuer Boom

Die goldenen Jahre der Wirtschaftsprüfer (WP) sind zurück. Der Umsatz von 14.000 Unternehmen mit 68.500 Beratern beträgt 13,2 Milliarden Euro. Große Gesellschaften wie PricewaterhouseCoopers, Ernst & Young, KPMG und Deloitte & Touche müssen nach Angaben des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW) aktuell 3.500 Stellen besetzen. Der Weg nach oben ist eine Rosskur: Der Nachwuchs fängt als Prüfungsassistent an und bereitet sich auf die knallharte Prüfung zum Wirtschaftsprüfer vor. Wer die schafft, konkurriert um eine der raren Aufstiegspositionen zum Partner. Lohn der Mühe sind Spitzengehälter, die schon nach wenigen Jahren sechsstellig werden. Neben dem Geld locken zunehmend spannende Aufgaben: "Das Geschäftsfeld Forensic Services wächst, weil es für Unternehmen immer wichtiger wird, Wirtschaftsdelikte zu verhindern und aufzudecken", sagt IDW-Vorstand Wolfgang Schaum. Unternehmensberatungen machen ebenfalls glänzende Geschäfte. "Nach einer Delle steigt die Nachfrage seit anderthalb Jahren wieder und hat das Niveau der Boomphase erreicht", berichtet Lutz Rachner von Kienbaum. Umstrukturierungen im öffentlichen Sektor und im Gesundheitswesen machen den Beratungsbedarf dort besonders groß. Daneben sorgen klassische Consulting-Mandate wie Prozessoptimierung für Jobs. "Das Hintergrundwissen der Absolventen muss heute breiter sein als früher, ausgeprägte Dienstleistungsorientierung ist wichtiger denn je", sagt Rachner.

Banken/Versicherungen: Hire and fire

Banken und Versicherungen entlassen Tausende Mitarbeiter, obwohl die Gewinne sprudeln. 233.300 Mitarbeiter im Versicherungssektor erwirtschaften 161,4 Milliarden Euro aus Beitragseinnahmen, die Banken kommen mit 693.050 Angestellten auf eine Gesamtbilanzsumme von 6,9 Billionen Euro. Paradebeispiele für die widersprüchlichen Trends in Geschäftsentwicklung und Personalpolitik sind Deutsche Bank und Allianz. Beide Unternehmen bauen kräftig ab - und suchen gleichzeitig Nachwuchs. Spezialisten für Wertpapierhandel, Unternehmensfinanzierung und Übernahmeberatung sind gefragt. "Der deutsche Bankenmarkt ist attraktiv für ausländische Institute und deshalb umkämpft", sagt Wolfgang Gerke, wissenschaftlicher Leiter der HfB Business School in Frankfurt. "Vom entstehenden Wettbewerb profitieren die Kunden." Und Top-Absolventen. Wer fließend Englisch spricht, Auslandserfahrung mitbringt, mobil und kommunikativ ist, hat beste Chancen in der Finanzbranche. "Für mittlere Angestellte allerdings sinken die Beschäftigungschancen mittelfristig", sagt Gerke. Einstiegsgehälter von Uni-Absolventen in Banken liegen zwischen 34.000 und 44.000 Euro, FH-Absolventen verdienen 32.000 bis 40.000 Euro. Schon zu Beginn der Karriere steigt das Einkommen schnell. Am besten zahlen Privatinstitute, am schlechtesten Genossenschaftsbanken. Trotz vieler Sparmaßnahmen stiegen die Gehälter der Bankangestellten 2005 um 2,8 Prozent, bei Versicherern um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Auto: Mit angezogener Bremse

BMW geht es gut, VW überraschte zuletzt mit guten Quartalszahlen - solide präsentiert sich eine der Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft. Der Jahresumsatz ist um 3,8 Prozent auf 236,4 Milliarden Euro gestiegen. Rund 766.000 Menschen beschäftigt die hiesige Automobilindustrie. Im Autoland USA bleibt DaimlerChrysler auf seinen hoch motorisierten, durstigen Geländewagen und Kleinlastern sitzen. Der deutsche Markt immerhin wächst noch: 2006 sind 5,4 Millionen Fahrzeuge von den Förderbändern gerollt. Das Plus kommt aber großenteils asiatischen Herstellern wie Kia, Hyundai und Toyota zugute. Sie wollen zuerst den deutschen, dann den europäischen Markt erobern. So baut Hyundai ein Werk in Tschechien, um ab 2008 rund 300.000 Mittelklassewagen in Europa zu verkaufen. Auch die Wettbewerber aus den Nachbarländern sind ernst zu nehmen: Renault will bis 2009 bester europäischer Autobauer mit sechs Prozent Umsatzrendite werden. Was die Jobchancen betrifft, stehen "Ingenieure mit Know-how im Elektronik- und Softwarebereich ebenso wie Wirtschaftsingenieure in Vertrieb, Produktion und Logistik" hoch im Kurs, so "Auto-Papst" Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Er empfiehlt Praktika als Sprungbrett in die Festanstellung: "Je stärker der Praxisbezug, umso bessere Chancen."

IT/Telekommunikation - Handel - Energie - Verkehr/Logistik

IT/Telekommunikation: Schnelle Verbindung

Für 2007 rechnet der Branchenverband Bitkom mit 10.000 neuen Jobs in der mittelständischen IT- und Telekommunikationsbranche (IT/TK). Zwei von drei Unternehmen erwarten laut Bitkom steigende Umsätze. Das Marktvolumen beträgt nach Aussage des Verbands 146,4 Milliarden Euro. 749.000 Beschäftigte verdienen hier ihr Geld. Schwierig gestaltet sich die Nachwuchssuche: Deutsche Absolventen seien zwar technisch ausreichend qualifiziert, doch fehlten ihnen kaufmännische Kenntnisse. Was die verschiedenen Fachrichtungen betreffe, hätten Informatiker die besten Einstiegschancen, sagt Manfred Rühl, Vorstand des Deutschen Verbands für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation. "Die Unternehmen investieren kräftig und haben hohen Bedarf an qualifizierten Fach- und Führungskräften." Deutschland ist Europas größter Einzelmarkt der IT/TK-Branche. Geld wird vor allem mit Internet- und Festnetzdatendiensten verdient, nicht mit dem herkömmlichen Telefongespräch.

Handel: Ärmel hoch

Zum ersten Mal seit fünf Jahren verzeichnet der deutsche Einzelhandel 2006 wieder ein Umsatzplus - voraussichtlich 0,75 Prozent. Grund zu jubeln besteht dennoch nicht, denn die günstigen Rahmenbedingungen hätten ein besseres Ergebnis erwarten lassen: Fußball-WM, sinkende Energiepreise, Vorzieheffekte aufgrund der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung hatten die Hoffnungen geschürt. Die Margen im Einzelhandel sind niedrig, der Arbeitseinsatz hoch. Das jährliche Marktvolumen beträgt 382 Milliarden Euro, 2,7 Millionen Menschen verdienen hier ihr Auskommen. "Discounter suchen zunehmend Absolventen für Managementaufgaben, allerdings muss man sich gut überlegen, ob man diesen Knochenjob machen will", sagt Ulrike Regele, Handelsexpertin des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Der Akademisierungsgrad in der Branche ist nach wie vor gering: Nur fünf bis sechs Prozent der Beschäftigten haben studiert. Trotzdem: "Nachwuchs mit außergewöhnlicher sozialer, methodischer und interkultureller Kompetenz hat eine Chance", sagt Wilfried Malcher vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels.

Energie: Öko hilft

Alternativen zu den fossilen Brennstoffen müssen her, darin sind sich die Fachleute einig. Öl und Gas reichen nur noch wenige Jahrzehnte, die Skepsis gegenüber politisch und wirtschaftlich wackeligen Lieferanten wie Russland wächst. Das treibt die Nachfrage nach Erneuerbaren Energien. Björn Klusmann vom Bundesverband Erneuerbarer Energien schätzt, dass bis 2020 insgesamt 330.000 Jobs entstehen. Besonders Ingenieure und Projektentwickler würden gesucht. Der Branchenumsatz steige von heute 16 Milliarden auf 120 Milliarden Euro. Durch die Liberalisierung des Strommarktes werden Handel, Vertrieb und Marketing immer wichtiger. Nach Untersuchungen des Vereins die Führungskräfte VAF - VDF liegen die Einstiegsgehälter von Uni-Absolventen in der Energiewirtschaft bei 46.500 Euro, FH-Absolventen können mit 41.000 Euro rechnen. Die Liberalisierung wirkt noch in eine andere Richtung: Energieversorger beschränken sich nicht länger auf ihre Heimatmärkte, sondern versuchen, durch Zukäufe und Kooperationen im Ausland Fuß zu fassen. Eon beispielsweise kauft die spanische Endesa. Das eröffnet gute Chancen für internationale Karrieren, außerdem sichert es bestehende Jobs.

Verkehr/Logistik: Bewegte Zeiten

Bahn und Post bauen ihre Position in den Wachstumsmärkten Asien und Osteuropa aus, Airports, See- und Binnenhäfen melden rasant steigende Frachtzahlen, mittelständische Speditionen können sich vor Aufträgen kaum retten. 2,7 Millionen Beschäftigte erwirtschaften einen Jahresumsatz von 170 Milliarden Euro. "Die Logistik ist die einzige unter Deutschlands Spitzenbranchen, die seit Jahren konstant wächst", sagt Claudia Sterthoff von der Hochschule für Logistik in Hamm. Das birgt vielfältige Jobchancen: "Die meisten Stellenausschreibungen sind an BWL-Studenten adressiert, weil es an akademisch ausgebildeten Logistikern fehlt." Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsingenieure fügen als Supply-Chain-Manager die Glieder von Wertschöpfungsketten zusammen, Materialflussexperten ermöglichen Just-in-Time-Produktion in Industriebetrieben. Thomas Wimmer, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Logistik, ist überzeugt, dass der positive Trend in der Branche auch 2007 anhält, "deshalb sind die Aussichten für Absolventen zurzeit sehr gut". ITler können von der Öffnung des Briefmarktes 2007 profitieren, indem sie intelligente Lösungen zur Dokumentenlogistik anbieten, auch Kontraktlogistik genannt. Immer mehr Firmen gliedern Dokumentation, Archiv und Versand aus und übertragen diese Funktionen Dienstleistern.

Law Firms - Life Science/Chemie - Konsumgüter - Öffentlicher Dienst

Law Firms: Wie im Absolvententraum

Einstiegsgehälter über 100.000 Euro, die große Kanzleien wie Shearman oder Skadden zahlen, wecken in vielen der jährlich 10.000 Jura-Absolventen Gelüste. Meist bleibt die Gier ungestillt: "Gute Berufsaussichten haben nur diejenigen mit Prädikatsexamina oder außergewöhnlichen Ideen", sagt Hartmut Kilger, Präsident des Deutschen Anwaltvereins. Insgesamt gibt es in Deutschland 136.000 Anwälte. "Der Markt wird immer schlechter, aber wer ausgetretene Pfade verlässt, hat Chancen." In den Law Firms sind die Spitzensaläre stets auch Entschädigung für unzählige Überstunden und ein Privatleben auf Sparflamme. Wer dieses Joch ein paar Jahre trägt, ist anschließend in den Rechtsabteilungen von Unternehmen willkommen. Dort steigt der Bedarf an Nachwuchsjuristen, vor allem an solchen, die die Themen M&A (Fusionen und Käufe) sowie Steuerrecht beherrschen. Für jene, die kein Prädikatsexamen haben, bieten Anwaltsketten wie Juraxx eine Alternative. Pro Monat macht eine neue Filiale auf. Wen die Laufkundschaft nicht stört und wer sich für die kleinen Rechtsstreitigkeiten des Alltags erwärmen kann, sei dort richtig, sagt Regula Bigler von Juraxx.

Life Science/Chemie: Erfolgsformel gefunden

Drei große Übernahmen sortieren Deutschlands viertgrößten Industriezweig neu. Bayer schluckt Schering, die niederländische Nycomed übernimmt Altana, Merck kauft sich mit Serono in die Biotech-Sparte ein. Obwohl solche Deals erfahrungsgemäß Jobs kosten, plagen die Pharmariesen Nachwuchssorgen. Noch gibt es genug Bewerber, doch damit das so bleibt, muss nach Einschätzung der Branchenverbände schon im Kindergarten das Interesse an Naturwissenschaften geweckt werden. Spannende Aufgaben locken nicht nur bei den Pillendrehern: "Die Innovationsstärke der Chemiebranche wird nur von wenigen übertroffen", sagt Doktor Renate Hoer von der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Die Verdienstmöglichkeiten tun ihr Übriges: Einstiegsgehälter bis 60.000 Euro plus Bonus können sich im internationalen Vergleich sehen lassen. In diesen Gehältern spiegelt sich die gute Branchenkonjunktur wider. Nach Zahlen des Verbands der Chemischen Industrie ist der Umsatz seit 2000 von 135 Milliarden auf 152,8 Milliarden Euro gewachsen. Überhaupt sind deutsche Life-Science- und Chemie-Unternehmen im Wettbewerb gut aufgestellt - nicht zuletzt weil sie am Fusionskarussell so fleißig mitdrehen. Ein kritischer Faktor ist dabei allerdings die Unternehmensgröße. Viele Mittelständler sind auf Dauer zu klein, um zu überleben.

Konsumgüter: Machtverlust der Marke

Die Hersteller von Markenartikeln in den Bereichen Nahrung, Körperpflege, Haushalt freuen sich mit dem Handel über das verbesserte Konsumklima. Das Auftragsplus von 1,6 Prozent im Jahr 2006 führen Experten zwar größtenteils auf die Fußball-WM zurück, doch der Gute-Laune-Sommer wirkt nach. Das ifo-Institut geht davon aus, dass die Produktion 2007 um weitere 1,5 Prozent zulegt. ifo-Forscher Hans-Günther Vieweg erwartet allerdings einen Bremseffekt durch die höhere Mehrwertsteuer. Die Jobaussichten in der Konsumgüterindustrie sind durchwachsen. "Während exzellente Absolventen in Vertrieb und Produktmanagement noch Karriere machen können, sieht es im Servicebereich mager aus", sagt Harald Münzberg von Capgemini. Die Möglichkeiten, sich aus dem Support- und Backoffice-Bereich hochzuarbeiten, sind begrenzt, weil diese Tätigkeiten vermehrt ausgelagert werden. Mittelfristig wird es in der Konsumgüterindustrie nur noch für eine kleine Zahl von Absolventen Aufstiegspositionen geben. Dennoch bleibt die Branche beliebt. Vor allem bei Marketingabsolventen haben Namen wie Procter & Gamble, Unilever oder Beiersdorf einen sehr guten Klang.

Öffentlicher Dienst: Auf Sparflamme

Jährlich fallen 1,5 Prozent der insgesamt 4,8 Millionen Stellen im öffentlichen Dienst weg, Beamte und Angestellte müssen länger arbeiten, Weihnachts- und Urlaubsgelder werden gekürzt oder gestrichen. Die Kommunen fahren einen noch härteren Sparkurs als die Länder. Peter Heesen, Bundesvorsitzender des dbb beamtenbund und tarifunion, macht Bewerbern wenig Hoffnung: "Hohe Arbeitsbelastung, mangelnde Stellenausschreibungen und Umstrukturierungen erschweren den Einstieg." Der Beamtenfunktionär vermisst "eine nachhaltige Personalpolitik". In den letzten Jahren, moniert auch Politik- und Verwaltungswissenschaftler Werner Jann von der Uni Potsdam, seien "so viele Stellen abgebaut worden, dass die Funktionsfähigkeit zu leiden beginnt". Wer in die Führungsriege strebt, muss lenken, sparen und motivieren wie in der Wirtschaft, und das zu geringeren Gehältern. Silberstreif am Horizont: Bis 2012 staut sich aufgrund vieler Pensionierungen großer Nachwuchsbedarf auf. Eine Top-Adresse im öffentlichen Dienst ist das Auswärtige Amt. Jedes Jahr bewerben sich 2.000 Absolventen, genommen werden 35, die Hälfte davon Juristen. Langfristig verbessern sich die Aussichten für Lehrer, Betriebswirte, Naturwissenschaftler und Ingenieure.

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