Jobchancen So klappt's 2013 mit Ihrer Karriere!

Euro-Krise, Sparrunden, Insolvenzanträge – viele blicken verunsichert ins neue Jahr. Das muss nicht sein: Fünf Experten beantworten die wichtigsten Fragen rund um Ihre Karriere.

Kristin Schmidt | , aktualisiert

So klappt's 2013 mit Ihrer Karriere!

Foto: Paulus-Nugroho/Fotolia.com

Ist 2013 ein gutes Jahr für einen Jobwechsel?

Jan Müller: Wenn Sie aktuell keine spannende Position in Aussicht haben, sondern grundsätzlich über einen Jobwechsel nachdenken, sollten Sie bis zum Sommer warten. Denn die Konjunkturprognosen zeigen bis zur Jahresmitte eine Delle.
Das bedeutet: Die Firmen sind mit Neueinstellungen vorsichtig. Danach sollte das Stellenangebot wieder üppiger und die Konditionen für Arbeitnehmer besser werden.

Aber auch dann gilt es, sorgfältig zu analysieren: Ist das Unternehmen gesund? Stimmt die Strategie? Agiert der potenzielle Arbeitgeber in einem Wachstumsmarkt? Identifiziere ich mich mit den Werten des Unternehmens? Ist die Position interessant und zukunftsträchtig? Blind zu wechseln, nur weil sich eine Chance bietet, ist meist ein Fehler.

Habe ich 2013 gute Chancen auf eine signifikante Erhöhung meines Grundgehalts?

Tiemo Kracht: Nein, damit ist nicht zu rechnen. Denn die Staatsschuldenkrise in Europa sowie die wirtschaftlichen Probleme in den USA und Südamerika wirken sich langsam, aber sicher negativ auf deutsche Unternehmen aus. Insofern wird 2013 ein Jahr der Kostensensibilität. In Zeiten rigider Kostenregime ist eine signifikante Erhöhung von Grundgehältern wenig realistisch und zudem nicht solidarisch.

Es gilt, in erster Linie das Unternehmen zu stabilisieren. Die Steigerung von Grundgehältern bedeutet eine dauerhafte Ausweitung der Kosten, die derzeit nicht auf der Agenda steht. Erhöhungen des Grundgehalts werden nur mit Beförderungen einhergehen. Exzellenten Leistungen kann eher über Sonderzahlungen entsprochen werden. Noch ist Deutschland ökonomisch gesehen in Europa eine Insel der Seligen. Ob das 2013 so bleibt, ist ungewiss.

Welche Zielvereinbarungen sollte ich vor diesem Hintergrund im Jahresgespräch anstreben, welche vermeiden?

Michael Ensser: In Krisenzeiten konzentrieren sich Unternehmen reflexartig auf ihr Kerngeschäft, erhöhen ihre Effizienz und verstärken ihre Routinen. Doch Manager, die sich und ihren Mitarbeitern für 2013 reine Steigerungsziele verordnen, sind Teil des Problems und verhindern die Lösungen, die ihre Unternehmen jetzt dringender denn je brauchen.

Was Führungskräfte für sich und ihre Mitarbeiter anstreben sollten, sind Räume für einen weitreichenden und interdisziplinären Austausch und Zeit zur Reflexion. Anstatt noch schneller im "Hamsterrad" zu laufen, gilt es, die Außenperspektive einzunehmen und dadurch eine Vision für übermorgen zu entwickeln.

Alle reden über den demografischen Wandel – gibt es jenseits der 50 wirklich noch realistische Chancen auf neue Orientierung im Job?

Peter Hadasch: Das kommt ganz darauf an: Will ein 50-jähriger Ingenieur, der seit 20 Jahren bei einem Autobauer in der Entwicklung arbeitet, auf einmal als Einkäufer bei einem Pharmakonzern anfangen, wird das wohl kaum klappen. Baut die Neuorientierung aber auf fachlichen und sozialen Erfahrungen des Mitarbeiters auf, sehe ich kein Problem.

Im Gegenteil: Unternehmen schätzen die Fähigkeiten der älteren Generation. Gemessen an der größeren Fluktuation, die jüngere Mitarbeiter in der beruflichen Findungsphase bewirken, bringen erfahrene Kollegen Ruhe und viel Engagement in eine Organisation.

Brauche ich als Arbeitnehmer mit langjähriger Berufserfahrung Profile bei sozialen Netzwerken wie Xing oder LinkedIn?

Svenja Hofert: Ja, die brauchen Sie, denn den einen Job bis zur Rente gibt es nicht mehr. Ich sehe viele Menschen, die mit Ende 40 ihre Stelle verlieren und merken, dass sie schlechte Karten haben, weil sie den digitalen Zug verpasst haben. Ich bin davon überzeugt, dass die sozialen Netzwerke in gewisser Weise die Bewerbungsfunktion ersetzen werden.

Das merke ich in meiner Tätigkeit als Karriereberaterin. Immer mehr meiner Kunden werden direkt von Xing oder LinkedIn weg engagiert – gerade die Erfahrenen. Ohne soziale Netzwerke geht es in Bereichen wie Marketing, IT, Personal und Vertrieb kaum noch. Wer sich engagieren will, muss sich aber darüber klar sein, dass er dafür Zeit investieren muss. Netzwerke bauen sich nicht in einer Woche auf. Sie sind eine Daueraufgabe.

Der Ruf der Promotion hat in den vergangenen Jahren durch Skandale um gefälschte Doktorarbeiten stark gelitten. Lohnt sich das jahrelange Ackern für einen Doktortitel überhaupt noch, um seine Karrierechancen zu verbessern?

Michael Ensser: Als Karrieremotor hat der Doktortitel ausgedient. In einer Zeit, die immer dynamischer und schneller wird, sind Führungskräfte gefragt, die verschiedene Welten zusammenführen und Menschen verschiedener Hintergründe und Kulturen begeistern können. Agilität, Vernetzung und Kreativität sind entscheidend.

Die Promotion hingegen dient meist der Vertiefung und Weiterentwicklung hoch spezialisierten Wissens. Natürlich erfordern Spitzenfunktionen beispielsweise in der Wissenschaft einen akademischen Titel. Doch auch hier kann Führung nicht gelingen, wenn entscheidende Kompetenzen fehlen. Die persönliche Lust zu promovieren sollte man sich freilich nicht nehmen lassen, sie aber nur kurz ausleben.

Auch die Kritik am MBA wächst – sind nach Finanz- und Wirtschaftskrise mehrere Zehntausend Euro für diesen Titel noch ein lohnenswertes Investment in die eigene Karriere?

Svenja Hofert: Insgesamt gilt: Je mehr Menschen einen MBA haben, desto weniger ist er wert. Dennoch gibt es Riesenunterschiede beim Aufwand, den Kosten und der Außenwirkung – vom Billig-MBA über mittelklassige Angebote bis hin zum Abschluss an einer Elite-Business-School. Grundsätzlich sollte der MBA zum Lebenslauf und den Ambitionen passen. In kleineren Unternehmen kann so ein Titel schon zu viel sein.

Dort wird häufig nach Erfahrungen geguckt, nicht nach Abschlüssen. Selbstständigen, die den Titel nur als Status sehen und nicht gefragt werden, wo sie ihn gemacht haben, reicht ein Billig-MBA. Für Diplom-Kaufleute oder Absolventen eines wirtschaftswissenschaftlichen Masters halte ich einen MBA generell für unsinnig.

Sinnvoll ist er für Ingenieure, die nicht promovieren wollen, oder für Geistes- und Naturwissenschaftler – aber bitte erst nach ein paar Jahren Berufserfahrung.

Habe ich mit einem Bachelor-Abschluss ausreichend akademische Basis für meine Karriere gelegt, oder soll ich unbedingt einen Master dranhängen?

Jan Müller: Der Bachelor hat sich nach einer Berg- und Talfahrt in der Wahrnehmung der Unternehmen gut etabliert. Viele Arbeitgeber bewerten relevante Fähigkeiten wie die Kompetenz, Probleme zu lösen, oder das Einarbeiten in neue Fachgebiete als gut und gehen davon aus, dass die Bachelor-Absolventen in jede Karrierestufe aufsteigen können.

Dennoch sollten sich die Studenten darüber im Klaren sein, dass das Bachelor-Studium unter hohem Druck, in einem verschulten System stattfindet. Dabei bleibt zwar wenig Zeit für zusätzliche Praktika. Diese sind aber in jedem Fall nötig, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Für eine Karriere in Forschung und Wissenschaft wird weiterhin ein Master-Abschluss notwendig sein.

Viele Unternehmen haben sich der Frauenförderung verschrieben. Wie kann ich als Mann meine Karrierechancen wahren?

Tiemo Kracht: Auch in Zukunft ist bei jeder Stellenbesetzung zu erwarten, dass weibliche Fach- und Führungskräfte bevorzugt werden. Männer können ihre Karrierechancen aber dadurch wahren, dass sie sich zum einen durch diesen Trend nicht verunsichern lassen und hektisch werden. Zum anderen wird es weiterhin auf die konkrete Leistungsbilanz ankommen, die für den nächsten Entwicklungsschritt wesentlich ist.

Weiterbildung – sowohl fachlich wie auch sprachlich – ist nicht zu unterschätzen, um den internen wie externen Marktwert zu steigern. Drittens sollte jede Führungskraft immer einen Plan B und C bereithalten und ihre Marktanbindungen und Vernetzungen auf keinen Fall verlieren. Karrierechancen gibt es nicht nur im aktuellen Unternehmen, sondern vor allem bei einem Arbeitgeberwechsel. Viertens: Männer sollten Diversity als Chance für die Unternehmensentwicklung begreifen und sich nicht als ewiggestriger Gegner in Stellung bringen. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit!

Ist 2013 ein gutes Jahr für ein Sabbatical – oder läutet dann das Totenglöckchen für meine Karriere?

Peter Hadasch:
Sabbaticals werden in der Praxis bislang kaum nachgefragt, obwohl es dem Ideal vieler Beschäftigten entspricht, hin und wieder die Alltagsroutine zu durchbrechen. Das wird sich auch im Jahr 2013 nicht ändern. Die Hemmnisse liegen aber weniger in der Angst, der Karriere ein jähes Ende zu bereiten, als in der mangelnden Finanzierbarkeit einer solchen Unterbrechung.

Zunehmend wird das Sabbatical auch weniger zu Erholungszwecken oder zur Selbstfindung genutzt, sondern für die Pflege der Eltern verwandt. Diese soziale Verantwortung wird ein verantwortungsvoller Arbeitgeber sicherlich nicht mit dem Läuten des Totenglöckchens für die Karriere abstrafen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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