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Jobchancen Die Regelpolizei

Compliance-Experten sorgen für Regeltreue in Unternehmen. Ihre Karriereaussichten sind gut.

Mathias Peer, Andreas Schulte und Stefan Merx | , aktualisiert

Die Regelpolizei

Foto: Eugenio Marongiu/Fotolia.com

Wer sich nicht an Regeln hält, muss mit drastischen Konsequenzen rechnen. Der Weltfußballverband Fifa hat deshalb dieser Tage Grund zur Nervosität. Ging es bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar mit rechten Dingen zu? Oder flossen Bestechungsgelder, um das milliardenschwere Großereignis in den Wüstenstaat zu bringen?

Wenn sich der Verdacht als zutreffend herausstellt, könnte das schwerwiegende Folgen nach sich ziehen – für Katar und für die Fifa: "Sollte im Vorfeld der WM-Vergabe nach Katar nachweislich bestochen worden sein, wäre die Vergabe möglicherweise nichtig", sagte vor wenigen Wochen der Schweizer Manager Domenico Scala, der als Leiter der Compliance-Kommission als eine Art interner Schiedsrichter der Fifa fungiert.

Auch Mittelstand braucht Regeltreue

Positionen wie seine gewinnen auch in Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Denn regelwidriges oder unethisches Verhalten Einzelner kann schnell einen ganzen Konzern in Mitleidenschaft ziehen – entweder unter rechtlichen Gesichtspunkten oder in den Augen der Öffentlichkeit. Um die Regeltreue zu garantieren, bauen Großunternehmen deshalb schon seit Jahren ihre Compliance-Abteilungen aus. Der Trend erreicht nun auch den Mittelstand. Vor allem Juristen mit entsprechender Expertise haben gute Berufsaussichten.

"Wir sehen dort einen wachsenden Bedarf ", sagt Jörg Viebranz, Partner bei Comformis, eine auf Compliance spezialisierte Unternehmensberatung in Berlin. Der Grund: "Immer häufiger verlangen Konzerne von ihren Zulieferern ein Compliance-Management. Zudem wollen Familienunternehmen ihr gutes Image absichern."

Der Nachholbedarf ist groß, dementsprechend auch die Chancen für erfahrene Spezialisten: Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sehen 72 Prozent der Mittelständler in Deutschland Compliance im eigenen Unternehmen zwar als unerlässlich an. Aber erst 60 Prozent erfassen die Compliance-Risiken des Unternehmens systematisch.

Diese Risiken umfassen ein breites Feld: Illegale Preisabsprachen, Schmiergeldzahlungen oder Verstöße gegen den Datenschutz können erhebliche Schadensersatzzahlungen bewirken und zu großen Imageverlusten führen. Die Compliance-Abteilung hat die Aufgabe, regelwidriges Verhalten zu verhindern und aufzudecken. Dafür sind vor allem juristische Fachleute gefragt. "Wir sehen zwar auch, dass Unternehmen Wirtschaftsprüfer oder einfach nur Kenner des Unternehmens aus der eigenen Belegschaft suchen, aber Juristen stehen weiterhin in der ersten Reihe", sagt Viebranz.

Erfahrung kommt vor Compliance

Doch um in diesem Bereich oberster Ansprechpartner seiner Firma zu werden, sind in jedem Fall Zusatzqualifikationen nötig. "Wer sich erfolgreich bewerben will, muss mehr mitbringen als nur einen Abschluss als Volljurist", sagt Christian Brenner, Professor für Unternehmensführung an der Hochschule Kempten.

Für Berufsanfänger eignet sich diese Position in der Regel nicht. "Im Unternehmen ist der Compliance immer erst das Risikomanagement vorausgeschaltet", erläutert Brenner. "Wer keine Erfahrung hat und daher nicht in der Lage ist, diese Gefahren zu erkennen, kann nicht als Compliance-Officer anfangen."

Kleinere Unternehmen verzichten zudem häufig darauf, eine ganze Stelle einzurichten. "Meistens übernimmt der Justiziar in der Firma diese zusätzliche Aufgabe", sagt Viebranz. Der Job als Teilzeit-Compliance-Officer bedeutet dann zunächst eine Mehrbelastung. Doch die zusätzliche Verantwortung wirkt sich bei der nächsten Gehaltsverhandlung meist positiv aus.

Auch die Aufstiegsmöglichkeiten sind gut. Denn oft wachsen die Abteilungen nach und nach. "Es ist durchaus üblich, dass ein Compliance-Officer als Einzelkämpfer beginnt, aber nach wenigen Jahren eine Abteilung leitet", sagt Viebranz. Zudem sammeln Compliance-Beauftragte bei Mittelständlern jene Erfahrung, die Großunternehmen in dem Bereich voraussetzen.

Viele Wege führen zum Ziel

Eine einheitliche Ausbildung zum Compliance-Experten gibt es nicht. Die meisten erwerben ihre Fachkenntnis nebenbei während ihrer Berufstätigkeit. Dabei sind, je nach Unternehmen, unterschiedliche Kompetenzen wichtig. Die Handelskette Media-Saturn sucht zum Beispiel Volljuristen, die sich auch auf internationalem Parkett wohlfühlen. Das Unternehmen ist in 15 Ländern präsent.

Auch in Anwaltskanzleien haben Compliance-Spezialisten eine Chance. Sie helfen oft kleineren Firmen ohne eigener Abteilung in diesem Bereich. Juristen mit Unternehmenserfahrungen sind deshalb besonders gesucht. Der Wechsel kann sich lohnen, denn Unternehmensjuristen sind in der Regel nicht so gut bezahlt wie ihre Kollegen in Großkanzleien.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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