Job-Treue Wie hoch ist mein Marktwert?

Ist die Zufriedenheit mit dem Job ausschlaggebendes Kriterium dafür, ob Arbeitnehmer ihrem Job treu bleiben? Eine aktuelle Studie sagt nein. 27 Prozent sind regelmäßig auf Jobsuche – obwohl sie zufrieden sind.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Wie hoch ist mein Marktwert?

Foto: Flexmedia/Fotolia.com

Das Portal Careerbuilder hat mehr als 1 000 deutsche Arbeitnehmer befragt, ob sie mit ihrem Job zufrieden sind und warum. Die gute Nachricht für Arbeitgeber: 66 Prozent der Befragten gaben an, zufrieden beziehungsweise sehr zufrieden in ihrem Job zu sein. Schaut man sich bestimmte Job-Aspekte an, so variiert der Zufriedenheitsgrad, bleibt aber insgesamt positiv. Zwei Fünftel aller Arbeitnehmer (42 Prozent) gaben an, "zufrieden" oder "sehr zufrieden" mit den beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber zu sein, ein Fünftel (20 Prozent) ist "unzufrieden" oder "sehr unzufrieden". Was die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten betrifft, so sind fast die Hälfte (47 Prozent) "zufrieden" oder "sehr zufrieden" mit ihren Optionen. Nur 12 Prozent gaben an, "unzufrieden" zu sein. Die meisten Arbeitnehmer haben auch im Bereich der Work-Life-Balance wenig zu beanstanden: 65 Prozent der Arbeitnehmer sind "zufrieden" oder "sehr zufrieden", während nur einer von zehn (10 Prozent) "unzufrieden" ist.

Arbeitgeber testen Marktwert

Aber: Nur weil jemand mit seinem Chef und den Kollegen zufrieden ist und auch beim Gehalt nichts zu meckern hat, heißt das noch lange nicht, dass derjenige seinem Arbeitgeber treu bleibt. Laut der Studie geben mehr als ein Viertel (27 Prozent) an, regelmäßig nach neuen Herausforderungen zu schauen, selbst wenn sie derzeit fest angestellt sind. "Da sich der Arbeitsmarkt öffnet und neue Möglichkeiten entstehen, beginnen Arbeitnehmer damit, ihre Chancen zu prüfen – fast ein Drittel der Arbeitnehmer schauen regelmäßig nach neuen Herausforderungen, obwohl sie zufrieden sind", so Rosemary Heafner, Leiterin Human Resource bei CareerBuilder.

Trotzdem sollten Unternehmen die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter nicht aus den Augen verlieren. So zeigt nämlich eine Studie der Unternehmensberatung Hay Group, dass es bei der Mitarbeitermotivation in einigen Betrieben noch hapert. Die Studie analysiert das Engagement und die Motivation der Mitarbeiter deutscher Unternehmen auf Basis der Daten von 240.000 Arbeitnehmern aus 75 Unternehmen. In der Mehrzahl der Kategorien sind die Werte im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen – ein nicht zu unterschätzendes Warnsignal.

"Noch nie haben sich die Marktbedingungen und das Geschäftsumfeld von Unternehmen so schnell und so grundlegend verändert wie heute. Diese Veränderungen haben immense Auswirkungen auf das Engagement und die Motivation der Mitarbeiter", sagt Michael Träm, Geschäftsführer der Hay Group. "Wenn sich die Unternehmen an die neue Gegebenheiten anpassen, müssen sie ihr wichtigstes Kapital – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – auf diesem Weg mitnehmen."

So seien beispielsweise Weiterbildungen und eine klare Kommunikation der Schlüssel, um Mitarbeiter zu motivieren. Allerdings sind immer noch 60 Prozent (2013: 65 Prozent) der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen der Ansicht, dass Sie nicht genügend Zeit für Weiterbildungen haben. 45 Prozent finden, dass ihr Unternehmen nicht offen und ehrlich über Veränderungen kommuniziert – eine Verbesserung zum Vorjahr (2013: 54 Prozent).

Preis-Leistungs-Verhältnis

Hinzu kommt, dass es eine gefährliche Lücke zwischen Leistung und Vergütung gebe: 70 Prozent der befragten Mitarbeiter haben den Eindruck, dass keine klare Verbindung zwischen ihrer Leistung und ihrer Vergütung erkennbar ist. "Die hohe Zahl der Mitarbeiter, die das Gefühl haben, für ihre Arbeit und ihren Einsatz nicht ausreichend bezahlt zu werden, stellt für Unternehmen ein großes Risiko dar", sagt Dr. Träm.

"Unzufriedene Mitarbeiter können ihre Fähigkeiten im Internet viel einfacher und besser darstellen als vor der Digitalisierung – die Hürden für den Jobwechsel sind viel geringer als in der Vergangenheit." Allerdings heiße das nicht unbedingt, dass sich die besagten 70 Prozent für unterbezahlt halten, so Katrin Heinold von der Hay Group. Das sei "nur" bei 30 Prozent der Fall. Der Rest seien Leute, die ihre Performance bewusst limitieren, weil sie davon ausgehen, dass es nicht honoriert wird wenn sie mehr leisten. Wer von seinen Mitarbeitern also mehr will, als nur Dienst nach Vorschrift, muss ihnen eventuelle Mehrarbeit auch in irgendeiner Weise bezahlen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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