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Job-Index Handelsblatt-FRAX

Mit dem Handelsblatt-FRAX bringen Handelsblatt und Frankfurt School of Finance and Management einen völlig neuen Job-Marktindex für den Bereich Banking & Finance heraus. Dr. Dirk W. Rudolph, Frankfurt School of Finance and Management, erklärt, was es mit dem neuen Index auf sich hat und was er Bankern, Job-Suchern und potenziellen Job-Wechslern bringt.

Christoph Mohr | , aktualisiert

Der Handelsblatt-FRAX zeigt, dass in den letzten beiden Monaten, insebsondere im Juni, die Entwicklung der offenen Stellen deutlich rückläufig war. Im Vergleich zum Vormonat Mai ist der Indexstand im Juni um mehr als 13 Prozent zurück gegangen. Das ist der stärkste Rückgang seit wir den Index berechnen (Juli 2007). Von einer Beschäftigungskrise im Bankenbereich in Deutschland sollte man aber sicher noch nicht sprechen, denn die Zahl der offenen Stellen befindet sich immer noch auf einem hohen Niveau. In den Vormonaten war das Bild der Veränderung der offenen Stellen zwischen den verschiedenen Jobbörsen durchaus widersprüchlich. Häufig meldeten etwa die Hälfte der Jobbörsen steigende Zahlen, während die andere Hälfte sinkende Zahlen vermeldeten

Dr. Dirk W. Rudolph, Frankfurt School of Finance and Management, erklärt, was es mit dem neuen Index auf sich hat:

Der Handelsblatt-FRAX ist nicht der erste Arbeitsmarktindex. Warum brauchen wir schon wieder einen neun Job-Index?
Arbeitsmärkte sind extrem intransparent. Keiner in Deutschland weiß wirklich, wie viele offene Stellen es zum Beispiel für Banker heute wirklich gibt. Nicht einmal die Bundesagentur für Arbeit hat hier eine flächendeckende Übersicht, und das, obwohl sie sich in den letzten Jahren sehr - und auch erfolgreich - bemüht hat, mehr offene Stellen wahrzunehmen, als nur die, die ihr gemeldet werden.

Welche Konsequenzen hat das für die Arbeitnehmer?
Es werden Fehlinformationen produziert, die die Arbeitnehmer aber auch die Arbeitgeber in die Irre führen. Und es werden Fehlentscheidungen getroffen, die für alle Beteiligten sehr negative Konsequenzen haben können. So sind zum Beispiel in den Jahren der großen Entlassungswellen bei den Großbanken zwischen 2002 und 2004 die Bewerberzahlen für Lehrstellen aber auch unsere Studienbewerberzahlen bei der Frankfurt School of Finance & Management sehr stark zurück gegangen. Banken haben in dieser Zeit den Ruf verloren, ein sicherer und verlässlicher Arbeitgeber zu sein. Das ist kein geringer Imageverlust in einer Branche, in der Vertrauen und Verlässlichkeit einen besonderen Stellenwert haben. Aber der so einseitig negative Eindruck, der hier in Bezug auf die langfristigen Beschäftigungsmöglichkeiten entstanden ist, ist falsch. Langfristig gehört die Banken- und Finanzdienstleistungsindustrie zu den kräftig wachsenden Wirtschaftsbranchen. Das zeigen gerade auch die Entwicklungen der offenen Stellen in diesem Bereich.

Aber wie passt das zusammen: gleichzeitig viele Entlassungen und viele offene Stellen?
Der Banken- und Finanzsektor ist ein Wirtschaftssektor, der sich in den letzten Jahren schnell und tiefgreifend umstrukturiert hat. Die Ertragskrise und die Umstrukturierungsmaßnahmen in den deutschen Banken in den Jahren 2002-2004 haben dazu geführt, dass Tausende von Mitarbeitern, die nach den Mustern der Vergangenheit ausgebildet wurden, entlassen worden sind. Die Entlassungswellen dieser Jahre haben in den Medien die entsprechend große Aufmerksamkeit gefunden und den Eindruck erweckt, die deutsche Banken­industrie sei eine alternde, schrumpfende Industrie mit negativen Karriere­aussichten. Weltweit gehört aber die Finanzindustrie einschließlich der Banken zu den über­durchschnittlich stark wachsenden Sektoren. Gerade in diesem Wirtschafssektor entsteht eine große Zahl von intellektuell heraus­fordernden und gut bezahlten Jobs.

Was bedeutet aber nun dieser Index konkret für die Leser/User?
Lassen Sie mich dies bitte anhand eines Beispiels erklären. Angenommen Sie haben sich auf Eigeninitiative hin weitergebildet. Ihre Personalabteilung hatte sie hierzu zwar ermutigt, doch jetzt, nachdem sie alle Kurse erfolgreich abgeschlossen haben, stellt sich heraus, dass zur Zeit keine internen Stellen frei sind, die ihnen den erhofften Aufstieg erlauben würde. Sollten sie auf bessere interne Aufstiegsmöglichkeiten warten oder die Initiative ergreifen und sich bei anderen Unternehmen bewerben? Das hängt sehr von der gegenwärtigen Arbeitsmarktlage ab. Wenn man sich nur auf relativ wenige offene Stellen bewerben kann, weil der Arbeitsmarkt momentan ungünstig ist, dann ist das Risiko hoch, doch wieder bei einem Unternehmen zu landen, bei dem die Arbeits- und Karrierebedingungen auch nicht viel besser sind als beim bisherigen Arbeitgeber. Dieses Risiko ist aber wesentlich geringer in liquiden Arbeitsmärkten. Dann kann man unter einer großen Zahl von offenen Stellen wählen und schon von Beginn an entsprechende Forderungen stellen. Die Liquidität des eigenen Arbeitsmarktes ist deshalb sehr wichtig für die Entscheidung, sich auf die mühsame und zeitaufwendige Suche nach einem neuen Job zu begeben.

Aber wie will man denn beurteilen, ob der eigene Arbeitsmarkt z. Zt. liquide ist und verhältnismäßig viele offene Stellen bietet oder nicht?
Wir haben diesen Index speziell für die etwa 700.000 Mitarbeiter in der Banken- und Finanzdienstleistungsindustrie in Deutschland entwickelt. Zwar veröffentlicht seit einigen Jahren die Bundesagentur für Arbeit einen Index zu den offenen Stellen auf dem gesamten Arbeitsmarkt in Deutschland, doch dieser Index sagt kaum etwas über die tatsächliche Situation im Arbeitsmarkt für Banker aus. Wenn man Zahlen aus so unterschiedlichen Arbeitsmärkten wie z. B. dem Bauhauptgewerbe, dem Gaststättengewerbe und der Finanzdienstleistungsindustrie in einen Topf wirft, erhält man zwar einen Überblick über die gesamtwirtschaftliche Situation, aber für die Arbeitnehmer ist ein solcher Index letztlich wenig hilfreich, denn er sagt nichts mehr aus über die Liquidität des eigenen Humankapitals im relevanten Arbeitsmarkt. Nur ein Index, der eng auf den Arbeitsmarkt eines Wirtschaftssektors fokussiert ist, kann das leisten. Deshalb haben wir einen Index entwickelt, der die Veränderungen der offenen Stellen nur in einer einzigen Branche misst.

Wie sollte der Leser/User den Handelsblatt-FRAX interpretieren?
Mit dem Begriff der Liquidität ist die zu erwartende Suchzeit eines Arbeits­suchenden in diesen Märkten gemeint. In Arbeits­märkten mit einer geringen Liquidität, also mit einer geringen Zahl von offenen Stellen ist diese Suchzeit für den durchschnittlichen Arbeitsan­bieter sehr hoch, in liquiden Märkten hingegen ist sie sehr kurz. Der Index signalisiert daher, ob die aktuellen Bedingungen im relevanten Arbeits­markt günstig für Stellensuchende sind und sie mit einer kurzen Suchzeit rechnen dürfen, oder ob sie eher eine längere Zeit der Suche einplanen müssen. Er misst monatlich die Veränderungen der offenen Stellen im Bereich Banking und Finance und stellt diese Veränderungen in Form einer Fieberkurve dar, die für den Juli 2007 auf 100 normiert wurde. Ein Indexstand von 90 im Dezember 2007 signalisiert also, dass zu diesem Zeitpunkt zehn Prozent weniger offene Stellen veröffentlicht wurden als im Monat Juli 2007.

Was bringt denn nun dieser Arbeitsmarktindex für die Personalabteilungen der Banken?
Zum einen wirkt dieser Index dem falschen negativen Bild über Banken als Arbeitgeber entgegen, dass sich aus dem Missverhältnis zwischen der Wahrnehmung offener und der Streichung bestehender Stellen ergeben kann. Den guten Nachrichten aus den Personalabteilungen wird durch diesen Index mehr Gehör verschafft. Zum anderen erhalten die Personalabteilungen in den Banken durch den Index eine objektive und auf eine breite Datenbasis gestützte Einschätzung von der gegenwärtigen Wettbewerbsintensität um qualifizierte Mitarbeiter. In Arbeits­märkten mit einer hohen Liquidität, also mit einer hohen Zahl von potenziellen Anbietern von offenen Stellen, ist nicht nur die Suchzeit für den durchschnittlichen Stellensuchenden kurz. Spiegelbildlich drückt sich eine solche Arbeitsmarktlage in langen Vakanzzeiten für offene Positionen aus. In diesem Fall muss die Personalabteilung mit einer langen Zeitspanne rechnen zwischen dem Zeitpunkt, an dem sie eine Position besetzen will und dem Zeitpunkt, an dem die Position tatsächlich besetzt wurde.

Wo haben Sie eigentlich die Daten für diesen Index her?
In der Vergangenheit ist die Konstruktion von sektorfokussierten Arbeitsmarktindices an der fehlenden Datenbasis gescheitert. Um eine ausreichende Datenbasis für unseren Arbeitsmarktindex zu erhalten, der sich nur auf den Banken- und Finanzsektor konzentriert, haben wir mehrere Quellen genutzt, auf die man über das Internet zugreifen kann. In den vergangenen Monaten haben wir monatlich bei zehn Jobbörsen bzw. Internet-Jobsuchmaschinen Suchabfragen zu offenen Stellen ausschließlich im Bereich Banking und Finance durchgeführt.

Aber auf diese Weise zählen Sie doch viele Stellen doppelt und dreifach, denn ein und dieselbe Stelle wird ja für gewöhnlich bei vielen Jobbörsen veröffentlicht. Verfälscht das nicht den Index?
Nein, denn der Index bezieht sich nicht auf die absoluten Zahlen der offenen Stellen, sondern nur auf die Veränderungsraten. Nur dann, wenn sich die Mehrfachzählungen systematisch im Zeitablauf verändern und nicht nur zufällig schwanken, nur dann könnten sie zu einer systematischen Verfälschung führen. Zwar kann man im Markt der Jobbörsen eine gewisse Konsolidierung, das heißt Marktkonzentration bei den Börsen beobachten, die dann dazu führen könnte, dass der Handelsblatt-FRAX die Wachstumsraten der offenen Stellen unterschätzt, aber dieser Einfluss ist relativ gering und schränkt die Aussagefähigkeit des Indexes nicht allzu sehr ein. Im Gegensatz zu anderen Arbeitsindices, die von einigen Jobbörsen selbst erstellt werden, ist unsere Vorgehensweise bei der Index-Berechnung aber immun gegen die Marktanteilsveränderung dieser Börsen. Solche Marktanteilsveränderungen führen zu starken Verzerrungen. Im Gegensatz dazu steht unser Index auf einer sehr breiten und damit gut abgesicherten Datenbasis.

In wie weit entspricht denn die Datenerhebung und Berechnung des Handelsblatt-FRAX wissenschaftlichen Standards?
Zahlen suggerieren leicht den Eindruck von zweifelsfreier Präzision. Wirtschaftsstatistiken sind aber nur in Ausnahmefällen wirklich präzise. Und auch der Handelsblatt-FRAX kann und wird nicht für sich beanspruchen, die wahren aber unbeobachtbaren Veränderungsbewegungen der offenen Stellen im Bereich Banking und Finance in Deutschland präzise abbilden zu können. Das Problem ist aber, dass dies keiner der bisherigen Indices für die Veränderungen der offenen Stellen in Banking und Finance kann. Der Handelsblatt-FRAX zieht aber im Gegensatz zu den bisherigen Indikatoren eine Vielzahl von relevanten Daten­quellen für die Berechnung der offenen Stellen im Bereich Banking & Finance heran, anstatt implizit oder explizit zu behaupten, dass eine einzelne Datenquelle bereits ausreichend sei. Durch die Nutzung einer Vielzahl von relevanten Daten­quellen lässt sich die Präzision der Schätzung der tatsächlichen Veränderungsrate wesentlich erhöhen, denn dadurch kann der Einfluss der Marktanteilsveränderungen einer einzelnen Jobbörse bei der Berechnung weitgehend eliminiert werden.

Was können denn die Mitarbeiter der Banken in Zukunft aus dem ständigen Auf und Ab des Handelsblatt-FRAX lernen? Was sagen ihnen denn diese Schwankungen letztlich?
Zunächst einmal können sie daraus lernen, dass die Liquidität des Marktes für ihr wichtigstes Kapital – ihr Humankapital – ständig schwankt. Für ihr Finanzkapital gibt es die täglichen Werte der Aktienindices, aber die Marktgängigkeit des eigenen Humankapitals konnten die Arbeitnehmer bisher allein deshalb schon nicht im Blick behalten, weil es hierzu gar keine aussagekräftigen Indices gab. Der Handelsblatt-FRAX füllt diese Lücke. Damit soll er dazu beitragen, dass hier der Umdenkungsprozess bei den Arbeitnehmern beschleunigt wird. Sie müssen in Zukunft ständig auf die Marktgängigkeit ihres eigenen Humankapitals achten.

Was meinen Sie mit diesem Umdenkungsprozess?
Auch Humankapital kann sich über die Zeit hinweg entwerten. Der sehr stark zugenommene dynamische Wettbewerb unter den Banken führt dazu, dass neue Qualifikationsprofile nachgefragt werden und alte verschwinden. Es ist in Arbeitsmärkten nicht so sehr der Lohn, der den Wert des Humankapitals bestimmt, sondern die Liquidität, d. h. die Marktgängigkeit dieses Kapitals. Längere Arbeitslosigkeit schmälert das Lebenseinkommen gleich doppelt. Erstens durch den Verdienstausfall und zweitens durch häufig geringer bezahlte Tätigkeiten und geschmälerte Karriereaussichten nach der Arbeitslosigkeit. Nur durch ständige Investitionen in sein Humankapital – also Weiterbildung – kann man es über viele Jahre und Jahrzehnte marktgängig halten. Das haben bisher viel zu wenig Menschen hier in Deutschland verstanden

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