Job-Coaching Umsteigen: Tipps für den Jobwechsel

Sie sind frustriert in Ihrem Job und liebäugeln mit Alternativen? Unser Experte Jon Christoph Berndt zeigt, wann die Zeit reif ist für eine Veränderung und wie Sie friedlich wechseln.

Jon Christoph Berndt | , aktualisiert

Sie haben sich bereits die ersten Sporen im Job verdient - und sind trotzdem unzufrieden. Irgendetwas treibt Sie an, sich nach Alternativen umzusehen; intern, aber auch außerhalb Ihres aktuellen Wirkungskreises. Stück für Stück finden Sie Geschmack am Wechseln. Jetzt heißt es: besonnen vorgehen, nichts überstürzen. Auch das Umsteigen will gelernt sein.

Der Job ist zum Gähnen langweilig

Wenn sich die Routine einschleicht, ist es wie beim Poker im Morgengrauen: Der bleischwere Kopf ist in die eine Hand gestützt, die andere fährt mühsam die Einsätze. Dann zeigen alle ihr Blatt, und mal streichen Sie den Pott ein, mal die anderen. Reden Sie doch mal mit dem Spielleiter, ob er noch etwas anderes als Poker drauf hat.

Das klärende Gespräch bringt beiden Seiten etwas: Ihr Chef erfährt klipp und klar, dass Sie sich zu Höherem berufen fühlen. Und wenn das Höhere nicht ausgerechnet sein Stuhl ist, wird er gründlich abwägen, ob Ihr Vorstoß ihn erfreut. Ihnen bringt seine Reaktion Gewissheit darüber, ob Sie eine greifbare Perspektive in der Firma haben. Eine Portion ehrliche Worte erspart viel Hätte, Könnte, Würde. Ich finde es gut, wenn Kollegen auf mich zukommen. Das zeigt mir, dass sie sich nicht nur für sich selbst, sondern auch für mich und die Firma interessieren. Deshalb sollte es nach dem Gespräch auch sehr bald Fakten geben: andere Aufgaben, mehr Verantwortung, neue Frische im Hirn. Falls nur heiße Luft zurückkommt, ist das auch eine Antwort.

Übrigens ist die Gefahr der Emigration nach innen gut geeignet, gleich die größeren Geschütze aufzufahren, schön konkret. Entweder: „Ich möchte intern wechseln, und zwar ins Projektmanagement für Afrika!“; dann denkt der Chef: „Oho, die weiß, was sie will!“ Oder: „Ich möchte ins Ausland, und zwar nach Afrika!“; dann denkt der Chef: „Oho, der könnte doch mein Brückenkopf sein!“

Weniger Kohle, mehr Spaß. Oder umgekehrt?

Was wollen Sie wirklich in einem neuen Job? Sollte es tatsächlich der Porsche 911 sein, okay. Wabert da aber etwas zwischen den materiellen Zielen, wird es schon spannender: Ist es die Lust aufs Gestalten? Die Leidenschaft fürs Organisieren? Die Ader, für andere Menschen da zu sein?

Bringen Sie das Wabernde zuerst auf den Punkt. Der Kern Ihres Antriebs ist nämlich der entscheidende Faktor bei der Frage, ob es sich auszahlt, in einen anderen Job zu wechseln. Erscheint es dort genauso schön oder genauso grausig wie jetzt, lohnt das Wechseln nicht. Stattdessen sollte das Mehr ganz greifbar auf dem Silbertablett liegen: Für die einen ist es mehr Geld, für die anderen der gesteigerte Return on Emotional Investment. Für jeden ist es die subjektiv richtige Mischung aus den einschlägigen Zutaten Arbeitsatmosphäre, Projekte, Verantwortung, Gehalt, Weg zur Arbeit, Entwicklungsperspektiven …

Fragen Sie sich deshalb zuerst, wofür Sie bei Ihrer Arbeit wirklich brennen. Danach kommen die Detailthemen und Fragen, die Sie nun an Ihrem einzig wahren Antrieb messen können. Tun Sie das unbedingt schriftlich, sonst denken Sie morgen das Gegenteil von heute. Jetzt haben Sie allmählich die richtigen Zutaten in der richtigen Menge und es wird die Job-Torte daraus, die nur Ihnen schmeckt. Vielleicht steht sie direkt vor Ihnen auf dem Schreibtisch. Dann bleiben Sie. Vielleicht steht sie aber auch bei der Schnederpelz & Söhne AG - dann nichts wie rüber, mit der großen Kuchengabel!

Hilfe, ich bin Chef!

Einmal wurde ich von jetzt auf gleich Chef meiner Beratungsabteilung in einer Werbeagentur. Ich war verzweifelt! Das lag daran, dass von den Chefs null und nichts geplant war: behutsam informieren, weitere Anspruchsteller konstruktiv ruhig stellen, Übergang harmonisch planen … Pustekuchen.

Sollten auch Sie einmal auserwählt sein, bitten Sie sich gleich nach dem Bedanken für die große Ehre Bedenkzeit aus und schlafen Sie ein, zwei Nächte drüber. Fragen Sie nach: Welche harten und weichen Anforderungen stellt die Position? Welche Unterstützung bekomme ich? Gibt es die Möglichkeit, meine Führungskompetenzen zu stärken? Machen Sie einen Plan, auch mit Coaching und Maßnahmen zur Teambildung. Lassen Sie sich diesen Plan abnicken, bevor Sie ja sagen.

Wenn Sie dann Chef sind, verhalten Sie sich nicht zu chefig: Duz-Kollegen bleiben Duz-Kollegen, und in der Kantine sieht man Sie weiterhin im Kreise Ihrer Liebsten. Bleiben Sie auf dem Boden und beziehen Sie Ihre Teammitglieder in die Meinungsbildung und die Entscheidungsfindung ein. Bei uns bewähren sich eine Stunde Montagsmeeting und dazu eine monatliche „Kotzstunde“: Da darf jeder meckern und jammern, solange er einen Verbesserungsvorschlag macht. Sonst nicht.

Geht die Firma auf Schlittenfahrt?

Wenn der Chef nur noch halbtags arbeitet und die Praktikanten immer zahlreicher werden, dann quietscht der Laden. Das kann der richtige Zeitpunkt sein, die Reißleine zu ziehen. Schließlich haben Sie noch zwei Fallschirme: Ihre Qualitäten und Ihren ersten Erfahrungsschatz. Außerdem, wir kennen es alle aus dem Privatleben: Es flirtet sich leichter, wenn man in einer Beziehung steckt.

Schauen Sie sich bestimmt, aber behutsam nach Job-Alternativen um. Nennen Sie Ihre persönlichen Umschau-Wochen gerne „Marktwert testen“, aber betreiben Sie sie mit ernsthaftem Hintergrund. Achten Sie darauf, nicht mit der Gießkanne vorzugehen. Lieber fünf hoch motivierte Bewerbungen mit Schmackes als einmal quer durch den Garten. Sonst sind Sie schnell ein Wanderpokal, von dem alle wissen, dass er halt gern wandert. Wenn Sie dann Gespräche führen, tun Sie eines bitte nicht: gemeinsam mit dem Personaler darüber unken, was da wohl gerade in Ihrem derzeitigen Laden los ist. Solange der Chef noch ab und zu da ist und das Telefon noch funktioniert: Harren Sie aus! Das Basislager ist immer noch bequem genug, und Rettung ist nah.

Also wirklich nur im Horror-Ausnahmefall alles einreißen, bevor der Helikopter da ist! Auf dem steht nämlich „Joblifter“, und - ist der neue Vertrag erst unterschrieben - bringt er sie sicher und wohlbehalten auf den nächsten Grat. Regel Nummer eins: Geben Sie in der alten Firma alles, bis zum Schluss. Es zahlt sich aus, sowohl beim Zeugnis als auch für Ihr seelisches Wohlbefinden.

Kündigen muss nicht immer wehtun

Wenn es mit dem Wechseln soweit ist, geht es darum, sich im Guten zu trennen: Sie lassen Ihre Firma, den Chef, die Kollegen und andere Dinge im Guten zurück; und die anderen lassen Sie genauso im Guten gehen. Wie aber funktioniert das?

Kündigen Sie erst, wenn der neue Vertrag unterschrieben ist. Suchen Sie dafür das Gespräch mit Ihrem Chef, klipp und klar: „Ich kündige!“ Die schriftliche Kündigung haben Sie in zweifacher Ausführung dabei. Bitten Sie Ihr Gegenüber um seine „unterschriftliche Kenntnisnahme“ (Personaler-Deutsch) auf Ihrem Exemplar. Lassen Sie sich nicht auf Grundsatzdiskussionen ein!

Ein erfahrener Vorgesetzter nimmt es nicht zu persönlich. Er wird Sie zwar vielleicht nicht verstehen, Ihren Entschluss aber bald begreifen. Und er wird Sie auf den letzten Metern so behandeln, wie er es von Ihnen erwartet. Schließlich geht es darum, dass Sie nicht alles stehen und liegen lassen, sondern sich langsam rausschleichen; wie ein gutes Penicillin. Also: Von Ihnen aus ist kein Platz für Krawall, Ränkespiele und Missgunst. Wenn andere das so kurz vor Toresschluss noch anders sehen - stellen Sie die Augen auf Milchglas und die Ohren auf Durchzug. Ich hatte mal einen Chef, der stand nach meiner Ankündigung wortlos auf und machte im Rausgehen das Licht aus. In seinem Chefzimmer!

Übrigens: Es ist keine Zumutung, wenn Sie Ihr Zeugnis vorschreiben sollen. Regen Sie es vielmehr an. Etwas Besseres kann Ihnen nicht passieren.

Einsteigen, aufsteigen, umsteigen, aussteigen - die Job-Coaching-Serie:

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