Jens Hohensee "Schnöder Mammon ist kein Teufelswerk"

Jens Hohensee ist Senior-Berater bei Kienbaum. Der studierte Geisteswissenschaftler erklärt, dass Schwierigkeiten beim Quereinstieg eine mentale Sache sind, die Industrie Verantwortung trägt und wir in Deutschland noch zu sehr in Schemata denken.

S. Kammler, S. Hergert | , aktualisiert

Junge Karriere: Herr Hohensee, Sie haben Geschichte, Politik und Arabistik studiert. Warum sind Sie dann in die Wirtschaft gegangen?
Jens Hohensee: Ich war in einer finanziellen Notsituation: Als mein Stipendium während der Promotion abgelaufen war, ist mir das Geld ausgegangen. Über eine Initiative, die Geisteswissenschaftler mit der Wirtschaft zusammenbringt, bin ich an eine Stelle als Marketing-Assistent bei IBM im wissenschaftlichen Zentrum in Heidelberg gekommen.

Was sind die typischen Anfangshürden für Quereinsteiger und wie lassen die sich überwinden?
Im Grunde ist das eine mentale Sache. Man muss bereit sein, über den Tellerrand zu schauen und offen sein auch für Bereiche außerhalb des akademischen Lebens. Die größte Hürde etwa für einen Geisteswissenschaftler ist er selber. Man muss im Kopf flexibler werden und auch mögliche Ressentiments gegenüber der Wirtschaft überwinden, sozusagen den schnöden Mammon nicht als Teufelswerk ansehen.

Ist es auch Aufgabe der Wirtschaft, Quereinstiege zu fördern?
Ja unbedingt. In Deutschland schauen wir noch viel zu sehr allein auf Abschlüsse, Diplome und auf Expertisen und zu wenig auf Persönlichkeitsmerkmale und so genannte Soft Skills. Wenn die Unternehmen dieses Denken überwinden, sind wir einen großen Schritt weiter, um vor allem Geisteswissenschaftler in die Wirtschaft zu integrieren. In den USA ist das anders: Die Unternehmen werfen fachfremde Berufsanfänger einfach ins kalte Wasser und gucken, ob sie schwimmen können.

Wird es in Zukunft für Quereinsteiger leichter?
Möglicherweise trägt die demografische Krise dazu bei, dass die Unternehmen umdenken. Es gibt bereits jetzt immer häufiger "bunte" Lebensläufe von Leuten, die das, was sie an der Uni gelernt haben, kaum noch anwenden. Wichtig sind Qualifikationen wie Kommunikationsfähigkeit, sicheres Auftreten und Durchsetzungsvermögen. Diese Kompetenzen werden in Zukunft sehr viel stärker nachgefragt. Andererseits bin ich nach wie vor skeptisch, da wir in Deutschland doch noch zu sehr in Schemata denken, insbesondere beim Blick auf die Lebensläufe.

Welche Rolle spielen die neuen Abschlüsse Bachelor und Master?
Der Bachelor ist teilweise sehr verschult - und das löst keine Probleme. Es muss noch mehr Traineeprogramme geben und die Personalabteilungen müssen offener werden, nur dann wird es mehr Quereinsteiger geben. Und solange sich die Studierenden nicht zusätzlich zum Beispiel durch Praktika in Unternehmen und Auslandsaufenthalte weiterqualifizieren, ist es unerheblich, ob sie einen Bachelor oder Master in der Tasche haben.

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