Jahresgespräch Rechnen ist Silber, Reden ist Gold

Alle Jahre wieder: In vielen Unternehmen stehen jetzt die Jahresendgespräche an. Zumindest bei denen, die Mitarbeitergespräche führen. Für viele sind die jährlichen Feedbacks nämlich bloß lästig. Wie es richtig geht.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Rechnen ist Silber, Reden ist Gold

Foto: ptnphotof / fotolia.com

Einmal im Jahr steht das Mitarbeitergespräch auf der Agenda. Doch was ein gutes Feedback-Instrument sein könnte, ist für viele – Arbeitnehmer und Arbeitgeber – bloß ein lästiger Pflichttermin. Insofern finden Personalgespräche in vielen Unternehmen gar nicht statt. Lob und Tadel gibt es einfach als direkte Reaktion.

Zahlreiche Unternehmen, gerade im Mittelstand, haben keine echte Feedback-Routine und keine regelmäßigen Termine, beobachtet Doris Mailänder, Geschäftsführerin der Hamburger Personalberatung TreuenFels: "Insbesondere in unserem Spezialgebiet, dem Finanz- und Rechnungswesen sowie im Controlling, baut man allein auf gewachsene Strukturen und oft langjährige Beziehungen. Anders als etwa im Vertrieb werden nur selten Mitarbeitergespräche geführt." Dabei sei das direkte Gespräch die beste Gelegenheit, um Wertschätzung zu vermitteln, Ängste oder Kündigungsabsichten abzubauen und Mitarbeiter zu binden. "Im Gespräch erreicht man mit wenig Aufwand so viel mehr als mit dem Riesenprogramm zum Employer Branding", so Mailänder.

Nicht nur der Rückblick zählt

Doch auch namhafte Konzerne mit festem Turnus und ausgefeilten Bewertungskriterien haben mit dem Jahresendgespräch oft ihre liebe Not: Ihr Fokus liegt nicht darauf, wie die Leistung des Mitarbeiters gesichert oder weiter gesteigert werden kann. "Das Gespräch dreht sich oft nur um die Arbeit des Mitarbeiters in der Vergangenheit, um die 'Note' für die erbrachte Leistung. Denn das entscheidet darüber, ob er eine Gehaltserhöhung oder eine Prämie erhält", sagt Mailänder.

Die Personalexpertin fordert darum: "Weniger rechnen, mehr reden!" Im Gespräch solle weniger die Beurteilung als vielmehr künftige Herausforderungen im Fokus stehen: "Fragen Sie sich: 'Was erfordern die aktuelle und die künftige Arbeitssituation?' – und werden Sie konkret!"

Auf ausgewogene Gesprächsanteile achten

Oft genug wird in Stellenausschreibungen bei externen Bewerbern zum Beispiel Know-how zur Digitalisierung vorausgesetzt, doch an die Stammbelegschaft werden keine Erwartungen dazu formuliert. Sie rät weiterhin: "Achten Sie auf Ihren Gesprächsanteil! Meist schildert der Chef seine Sicht auf das Jahr, sein Anteil liegt bei bis zu 75 Prozent. Der Mitarbeiter begründet und verteidigt sich nur, dabei sollte der Großteil der Rede doch von ihm kommen."

Die größten Schwierigkeiten im Jahresgespräch entstehen durch missverständliche Kommunikation: "Reden Sie Klartext, nur so können Sie einander ein- und wertschätzen." Ziel ist es, gemeinsam herauszufinden, was der Mitarbeiter gut kann und mag und wie er entsprechend eingesetzt werden kann. "Was den Menschen besonders motiviert oder bremst, das kann kein Fragebogen erspüren. Das braucht ein offenes Ohr und konstruktiven Umgang."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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