IT-Jobs in Deutschland Managernachwuchs arbeitet lieber offline

Xing, Zalando, Pizza.de, Groupon CityDeal und ImmobilienScout24 – das sind nur einige erfolgreiche Internet-Unternehmen aus Deutschland. Hier konsumiert die Generation Y gerne, aber arbeiten will sie dort nicht. Das geht aus einer aktuellen Studie zum Image der Online-Branche bei Hochschulabsolventen hervor, die das Marktforschungsinstitut TNS Infratest im Auftrag von ImmobilienScout24 und der Personalberatung Dwight Cribb durchgeführt hat.

Anne Ritter | , aktualisiert

Managernachwuchs arbeitet lieber offline

Foto: Robert Kneschke/Fotolia.com

Demnach verzichtet jeder zweite WiWi-Student kategorisch auf eine Karriere in einem Unternehmen, das seine Gewinne online erwirtschaftet. Hauptgründe für die Ablehnung sind Vorurteile über die Branche: 56 Prozent der befragten Nachwuchs-Manager befürchten, in einem Online-Unternehmen nicht viel lernen zu können. 32 Prozent finden, dass das Studium sie nicht ausreichend auf virtuelle Arbeitsfelder vorbereitet hat. 27 Prozent monieren, dass die Branche von einem raschen Wandel gekennzeichnet sei, und 25 Prozent sind von der "technischen Ausrichtung" abgeschreckt.

Attraktive Jobs sehen die Manager von morgen dagegen in der Old-Economy wie der Automobilherstellung.

Imageprobleme führen zu Fachkräftemangel

"Falls die Management-Lücke nicht gefüllt werden kann, droht uns hier ein massiver Einbruch", befürchtet Lars Schmidt, Vice President Human Ressources bei ImmobilienScout24. Die Gründe seien hausgemacht. "Die Branche ist vergleichsweise jung. Bei vielen Unternehmen setzt erst langsam eine Professionalisierung ein. Das schreckt Bewerber ab", sagt Personalberater Dwight Cribb. "Vor allem Startups haben bei vielen Absolventen ein schlechtes Image, da der Eindruck vorherrscht, es müsse zu viel unqualifizierte Aufbauarbeit geleistet werden."

Dem schlechten Image stehen hervorragende Karriereaussichten gegenüber: Das Beschäftigungswachstum der Branche beträgt laut Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) jährlich durchschnittlich 7,85 Prozent – damit gehört die Onlinebranche in Deutschland zu einem gewaltig wachsenden Wirtschaftszweig. Etwa 120 Milliarden Euro Umsatz verbucht die Branche in diesem Jahr.

Rund 390.000 Beschäftigte profitieren von diesem Aufschwung. Der Stellenmarkt bietet nicht nur Jobs für IT-Experten, Produktmanager oder Marketingprofis. Bei Zalando sind zum Beispiel insgesamt beinahe 100 Stellen in den drei Bereichen Consulting, Business Development sowie Finanzen und Controlling ausgeschrieben.

Um für Absolventen attraktiver zu werden, wollen die Online-Unternehmen ihre Außenwirkung optimieren. "Wir müssen die Karriereperspektiven in Online-Unternehmen besser kommunizieren. Es ist Berufseinsteigern oft nicht bewusst, dass es in der Branche üblich ist, sehr schnell viel Verantwortung zu übernehmen. Solche Vorteile gegenüber Konzernen und traditionellen Mittelständern müssen wir ausspielen", betont Lars Schmidt von ImmobilienScout24.

Jörg Habeck, Recruiting-Leiter bei Europas führendem Hotelportal HRS, betont die Vorzüge: "Da die Online-Branche ein sehr schnelllebiges Geschäft ist, stehen Mitarbeiter immer wieder vor neuen herausfordernden Aufgaben und haben die Möglichkeit etwas zu bewegen und sich zu entfalten." Andererseits sind auch in der Online-Branche viele Portale schon lange am Markt und arbeiten sehr professionell. Der Personaler muss es wissen, denn das global expandierende Unternehmen feiert in diesem Jahr 40. Jubiläum. Professionalität bedeutet deshalb noch keine Langeweile, denn viele Online-Unternehmen haben sich ihre Start-up-Mentalität bewahrt: "Sie lassen ihren Mitarbeitern meist wesentlich mehr Freiraum und Verantwortung als große Konzerne", sagt Jörg Habeck.

Karriere ist eine Frage der Definition

Als gesellschaftliches Problem wertet Harald A. Summa, Geschäftsführer desVerbands der deutschen Internetwirtschaft Eco, die Ergebnisse der Studie : "Gerade bei Wirtschaftswissenschaftlern gilt hierzulande nur das als Karriere, was durch die großen Konzerne führt." Der Experte kritisiert, dass die Definition des Begriffes Internet-Unternehmen in der Studie zu eng sei. Die Internetwirtschaft umfasse eine enorme Bandbreite – die vom neugegründeten Unternehmen bis zum etablierten Großkonzern reichen könne. "Was ein solches Unternehmen 'genau macht', kann man also nicht pauschal sagen."

Aus der Studie, für die 1000 Absolventen der Wirtschaftswissenschaften nach ihren Karrierevorstellungen befragt wurden, kann gefolgert werden, dass die Online-Unternehmen im Kampf um die Talente verstärkt in Employer-Branding und strukturierte Nachwuchsarbeit investieren müssen. Die hoch qualifizierten Nachwuchskräfte der Generation Y sind wählerisch: Sie erwarten nicht nur materiellen Erfolg und gute Aufstiegschancen, sondern fordern genauso eine transparente, teamorientierte und 'sinnstiftende' Arbeitskultur sowie eine angemessene Work-Life-Balance.    

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