IT-Gehälter Überdurchschnittlich hohe Vergütung für Experten mit besonderen Skills

In vielen IT-Funktionen geht es gehaltstechnisch hoch her – die klassische administrative IT allerdings ausgenommen. Am meisten zahlen Unternehmen der Chemiebranche, Banken und Finanzdienstleister. Spannend wird es in der Automobilindustrie und im Maschinenbau, aber auch die Pharmaindustrie oder Consulting sind äußerst attraktiv. Mit Spezialisierungen und gezielter Fortbildung bestehen hervorragende Chancen, zum Top-Experten aufzusteigen.

Interview: Anne Koschik | , aktualisiert

Überdurchschnittlich hohe Vergütung für Experten mit besonderen Skills

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Foto: markd800/Fotolia.com

Besonders viele dieser erfahrenen Spezialisten arbeiten als Freelancer in zum Teil groß angelegten IT-Projekten. Bis zu 40 Prozent höher liegt hier das Einkommen gegenüber IT-Fachkräften in Festanstellung. Mit der höchsten Vergütung gehen aber nach wie vor Manager nach Hause, obwohl Unternehmen anstreben, eine Gleichwertigkeit zwischen Fach- und Führungspersonal herzustellen.

Die hohe Nachfrage nach IT-Fachkräften treibt die Gehälter immer stärker in die Höhe. Wo stehen wir gerade? Gibt es noch ein Halten?

Julia Zmítko: Diese Entwicklung betrifft unserer Erfahrung nach nicht alle IT-Kräfte, sondern eher die bei Jobwechseln aufgerufenen Gehälter für hochqualifizierte, spezialisierte IT-Fachkräfte mit besonders gefragten Skills. In den Gehaltsstrukturen der Unternehmen ist nicht beobachtbar, dass sich die Gehälter von ITlern generell anders entwickeln als die Gehälter von Mitarbeitern aus anderen Bereichen des Unternehmens.

Neben der Marktüblichkeit des Gehalts ist bei der Festlegung von Gehaltshöhen und -entwicklungen zu beachten, dass die Gehälter in angemessener Relation zu der Wertigkeit und hierarchischen Einordnung der Stelle im Unternehmen liegen müssen. Die klassische administrative IT ist aus unserer Erfahrung von diesen überdurchschnittlichen Gehaltsentwicklungen nicht betroffen.

Welche Qualifikationen sind heute am meisten gefragt?

Sörge Drosten: Experten in SAP, SAP HANA, Cloud- und Web-Technologien, Big-Data oder Data-Analytics haben hervorragende Chancen in allen Branchen.

Viele Nachwuchskräfte zieht es vermehrt in die Fach-, denn in die Führungslaufbahn. Was bedeutet das für ihre Gehaltslevel?

Sörge Drosten: Ohne die Übernahme von Führungsverantwortung, sei es temporär im Rahmen von Projekten oder dauerhaft als Führungskraft, sind der überdurchschnittlichen Gehaltsentwicklung irgendwann Grenzen gesetzt.

Doch Spezialisierung und gezielte Fortbildungen können sich durchaus bezahlt machen. Zweifelsohne ist es ja so, dass Unternehmen ihre hochqualifizierten Fachkräfte nicht verlieren möchten. Früher hat man sie dann zu Führungskräften weiterentwickelt, um ihnen ein adäquates Gehalt bieten zu können. Doch häufig haben Unternehmen dadurch doppelt verloren: Weil sie Führungskräfte hatten, die keine sein wollten und gleichzeitig ihre Expertenrolle nicht weiter ausführen konnten. Deswegen ist die grundsätzliche Idee, Gleichwertigkeit zwischen Fach- und Führungskräften anzustreben. Dieses Modell befindet sich jedoch noch in der Entwicklung, der Wille vieler Unternehmen ist da, die Umsetzung in realitas aber noch nicht vollendet.

Julia Zmitko: Gehaltstechnisch kommen ausgeprägte Top-Expertenfunktionen heute Teamleitern nahe. Es ist aber höchst unwahrscheinlich, dass sie in das Gehaltsgefüge der oberen Führungsschichten vordringen. So erreicht beispielsweise ein Senior Spezialist ein durchschnittliches Jahresbrutto von 72.000 Euro. In der operativen Führungsebene werden bereits 84.000 Euro bezahlt und in der oberen Führungseben leicht das Doppelte.

Wo kann man als ITler am meisten verdienen, wo muss man sich mit dem wenigsten zufrieden geben?

Julia Zmítko: Das ist sehr stark branchen- und funktionsabhängig: Vergleichsweise wenig können Spezialisten von Verbänden, gemeinnützigen Organisationen und in Krankenhäusern erwarten. Die Gesamtdirektvergütung liegt hier gut 20.000 Euro unter den Gehältern, die etwa die Hersteller von Metallerzeugnissen bezahlen. Es geht jedoch selten über 84.000 Euro hinaus. IT-Security-Manager und IT-Datenbankdesigner sind hier vorne mit dabei, während zum Beispiel Systemprogrammierer oder auch IT-Berater mit rund 55.000 Euro nach Hause gehen müssen.

Das höchste Expertengehalt entspricht in etwa dem niedrigsten Gehalt für Führungskräfte, das wiederum in der Möbelproduktion gezahlt wird. Mit der höchsten Vergütung können IT-Leiter in der Chemie- und auch in der Finanzbranche rechnen. Hier geht es bis auf 170.000 Euro hinauf. Die Solo-Selbstständigkeit ist aufgrund der Projektarbeit im IT-Bereich beliebt – nicht zuletzt wegen der hervorragenden Vergütung...

Sörge Drosten: Die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft fordert ständige Innovationen, zum Beispiel Industrie-4.0-Projekte oder Cloud-Anbindungen. Unternehmen können die zusätzlichen Aufgaben mit internem Personal kaum bewältigen. Der Bedarf an erfahrenen Spezialisten in modernen Methoden, etwa für agile Entwicklung und Projektmanagement, die kurzfristig und nur für bestimmte Projekte zur Verfügung stehen, ist daher groß.

Die Flexibilität, die Unternehmen im Einsatz von IT-Kapazitäten so gewinnen, geben sie in gewissem Rahmen an die Freiberufler weiter, die durch flexible Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewinnen. Zudem liegt das Einkommen von IT-Freiberuflern um circa 40 Prozent höher als das von IT-Fachkräften in Festanstellung und auf Managementeben um knapp 20 Prozent höher als bei angestellten IT-Projektleitern.

Hat Freelancing auch Nachteile?

Sörge Drosten: Obwohl IT-Freiberufler häufig längere Zeit in der Firma eines Kunden verbringen, sind sie bei Personalabteilung und Betriebsrat außen vor, profitieren also nicht von Mitbestimmungsrechten und bezahltem Urlaub. Sie kommen auch nicht in den Genuss einer Altersvorsorge und müssen die gesamten Sozialabgaben selber tragen. Hinzu kommt der Aspekt der Arbeitsplatzsicherheit, der für die meisten Arbeitnehmer aufgrund familiärer und finanzieller Verpflichtungen eine hohe Qualität hat, aber für Freiberufler keine Rolle spielt.

In welchen Branchen sehen Sie zurzeit die besten Entwicklungsmöglichkeiten – auch unter gehaltstechnischen Vor-zeichen?

Sörge Drosten: Grundsätzlich lassen sich in den meisten Branchen interessante Gehaltsentwicklungen realisieren. Die Branchen Auto-mobil, Maschinenbau, Chemie, Pharma, IT, Beratung bieten auf alle Fälle gute Chancen. Julia Zmítko: Am besten sieht es gehaltstechnisch in der Chemiebranche, bei Banken und Finanzdienstleistern, in der Pharmaindustrie, der Automobilbranche und bei Beratungsunternehmen aus. Deutlich schlechtere Aussichten haben IT-Fachkräfte in Branchen wie Werbung, Medien, Öffentliche Verwaltung, Behörden, dem Gesundheitswesen oder dem Großhandel. IT-Security, Netzwerkadministration, Datenbankmanagement und IT-Entwicklung haben bei den Stellenangeboten Hochkonjunktur.

Sind das generell Gebiete, in denen Bewerber viel verdienen – und verlangen können?

Julia Zmítko: IT-Security Manager gehören mit 87.000 Euro zu den Top-Verdienern bei IT-Spezialisten. Netzwerk- und Datenbankmanager bzw. -administratoren sowie Anwendungsentwickler liegen mit ca. 60.000 Euro im Mittelfeld.

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