IT-Experten Auf Erfolg programmiert

Der digitale Wandel sorgt auch abseits der Software-Industrie für hohen Bedarf an Informatikern.

Mathias Peer | , aktualisiert

Auf Erfolg programmiert

Foto: ra2-studio/Fotolia.com

Die Software von Kai Hudalla und seinem Team kommt nicht nur auf PCs zum Einsatz. Seine Anwendungen lassen Maschinen in Fabriken miteinander kommunizieren, verbinden heimische Heizkessel mit dem Internet und sorgen für den reibungslosen Betrieb der Ladesäulen von E-Autos.

Als leitender Softwarearchitekt des Technologieanbieters Bosch Software Innovations (Bosch SI) hat Hudalla ein breites Arbeitsfeld. Genau das hat ihn an der Position gereizt: "Ich suchte eine Aufgabe in der Industrie, bei der neben der reinen Softwareentwicklung vor allem praktische Anwendungen im Vordergrund stehen", sagt Hudalla.

Für Programmierer wie ihn wird eine Karriere außerhalb der klassischen IT-Konzerne immer attraktiver. Weil in Haushaltsgeräten, Produktionsmaschinen und Fahrzeugen zunehmend komplexe Software steckt, sind Informatiker in der Industrie so gefragt wie nie. Allein bei Bosch hängt mittlerweile jede dritte offene Stelle direkt oder indirekt mit der IT zusammen.

Dringend gesucht

Die Zulieferer und Hersteller in der Automobilbranche befeuern den Trend am stärksten. Komfort, Energieeffizienz und Sicherheit von Autos werde schon heute maßgeblich durch Software bestimmt, sagt Katrin Schröder, die bei BMW für die Rekrutierung von IT-Spezialisten zuständig ist. Antriebs- und Assistenzsysteme etwa kommen ohne Steuerungssoftware nicht mehr aus. "Vernetztes und hochautomatisiertes Fahren sind weitere Beispiele für Entwicklungen, die ohne IT unmöglich wären", sagt Schröder.

Auch andere Branchen suchen händeringend nach Informatikern, um den digitalen Wandel zu meistern. In der Medizintechnik arbeiten Softwareentwickler beispielsweise an der Steuerung von Prothesen und an Lösungen für die Tele-Medizin. "Die Berufsaussichten für erfahrene Kräfte sind ausgezeichnet", sagt Manfred Beeres, Sprecher des Bundesverbands Medizintechnologie.

Nach Angaben des IT-Branchenverbands Bitkom gibt es in der deutschen Wirtschaft derzeit rund 39 000 offene Stellen für IT-Experten. Mehr als die Hälfte entfällt auf Unternehmen außerhalb der Kernbranche. Neben dem Anlagen- und Automobilbau sieht Bitkom-Arbeitsmarktexperte Stephan Pfisterer eine hohe Nachfrage in der Logistik und im Handel. Auch für Spezialisten in Sachen Datensicherheit gebe es gute Karriereaussichten – etwa in der Finanzindustrie.

Wie groß die Einsatzmöglichkeiten sind, ist am Beispiel Siemens zu sehen. Der Konzern sucht Informatiker in allen vier großen Unternehmenssparten: Industrie, Infrastruktur, Medizintechnik und Energie. Für den Bereich intelligente Stromnetze, sogenannte Smart Grids, werden IT-Spezialisten gesucht, die als Berater fungieren. "Sie sollen bei den Kunden des Unternehmens Verbesserungsmöglichkeiten mit Hilfe von IT-Lösungen aufzeigen", sagt Martin Runge, der bei Siemens an der Entwicklung entsprechender Systeme arbeitet.

Promblemlöser

Die Hürden für den Wechsel in eine neue Branche sind für Informatiker in der Regel nicht besonders hoch. Arbeitgeber würden zwar meist erste Erfahrungen in dem Sektor voraussetzen, sagt Pfisterer. "Doch ein tiefes Expertenwissen wird meist nicht gefordert."

Diese Ansicht teilt auch Björn Scheuermann, Leiter des Lehrstuhls für Technische Informatik der Humboldt-Universität Berlin. "Branchenwissen ist nachrangig. Entscheidend ist als Informatiker nicht das Arbeitsfeld, sondern die Aufgabe, die es zu lösen gilt." Erfahrene Kräfte könnten durchaus vom Einzelhandel in die Autoindustrie oder zu einem Medizintechnikunternehmen wechseln. "In die einzelnen Fragestellungen wächst man herein", sagt Scheuermann.

Premium-Aufgaben

Besonders gute Chancen haben jedoch Spezialisten, die in einem bestimmten Bereich schon viele Erfahrungen sammeln konnten: "Die Anforderungen an die Ausfallsicherheit von Fahrerassistenzsystemen beispielsweise erfordern einen sehr hohen Entwicklungsaufwand und daher entsprechendes Know-how", sagt BMW-Personalerin Schröder. Auch Bosch SI setzt auf erfahrene Kräfte. Hochwillkommen seien vor allem Projektleiter, die einige Großprojekte in der IT-Branche bereits erfolgreich umgesetzt haben.

Im Wettbewerb um die hochqualifizierten Experten versuchen die Unternehmen vor allem, mit spannenden Aufgaben zu locken. BMW-Recruiterin Schröder führt zwar auch eine "überdurchschnittliche Vergütung" ins Feld. Letztlich würden sich die IT-Fachleute jedoch wegen der Projekte für den Autobauer entscheiden, meint sie. "Ich denke, es ist schon ein Unterschied, ob ein Softwareentwickler am Ende sein Werk in einem Buchhaltungssystem testet oder ob er mit dem Prototyp eines neuen Sportwagens auf unsere Teststrecke geht und spürt, was er zu dem Fahrerlebnis beigetragen hat."

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