IT-Branche Begehrt: IT-Experten aus Indien

Indische IT-Experten werden weltweit gesucht. Auch wenn sie im Ausland mehr verdienen könnten, bleiben viele Fachkräfte lieber in der Heimat. Gute Jobaussichten und die Nähe zur Familie sind wichtiger als das große Geld. Drei Protokolle.

Tina Groll / Zeit.de | , aktualisiert

Priyana Roshan, 35, IT-Expertin, arbeitet als Trainerin

"Ich habe an einer Technischen Universität in Südindien Informatik studiert. Im Studium waren wir etwa ein Drittel Frauen und zwei Drittel Männer. Das Studium war hart, aber ich habe mich immer für Technik interessiert. Ich stamme aus einer typischen indischen Mittelschichtsfamilie. Meine Eltern haben mich unterstützt, einen Beruf in einer Männerdomäne zu ergreifen. Nach dem Abschluss habe ich einige Zeit lang für große Unternehmen gearbeitet. Aber die Arbeitszeiten sind besonders bei den amerikanischen Unternehmen hart. Man arbeitet in Schichten und häufig nachts, weil man wegen der Zeitverschiebung dann die Kollegen in den USA im Büro erreicht.

Da ich einige sehr schwierige Fortbildungen gemacht habe und mich damit spezialisiert habe, bin ich schnell aufgestiegen. Nach einigen Jahren habe ich sogar ein Team geleitet. Ich war eine von ganz wenigen Frauen. In der IT-Industrie arbeiten etwa 30 Prozent Frauen, aber nur wenige steigen in Leitungspositionen auf. Die amerikanische Firma hat mir das Angebot gemacht, in die USA zu wechseln. Aber das wollte ich nicht, auch wenn ich dort deutlich mehr Geld verdient hätte. Meine Familie lebt hier in Indien. Für meinen Mann wäre es nicht infrage gekommen, seine Frau ins Ausland zu begleiten.

Stattdessen sind wir nach Delhi gezogen, wo er eine gute Stelle gefunden hat. Ich habe gemerkt, wie wichtig mir Work-Life-Balance ist und habe mich hier nach einer Stelle in der Erwachsenenbildung umgesehen. Auch in der Weiterbildung werden Experten gesucht und hier sind die Arbeitsbedingungen familienfreundlich. Mittlerweile bin ich Mutter und arbeite nun schon seit sechs Jahren als Trainerin. Ich genieße es, geregelte Arbeitszeiten und das Wochenende frei zu haben. Hin und wieder erhalte ich Abwerbeangebote von IT-Firmen, aber solange meine Kinder klein sind, kommt das für mich nicht infrage."

Harhit Kamath, 58, IT-Experte, war viele Jahre lang bei der Indian Navy

"Ich habe den Aufstieg von Indiens IT-Industrie von Anfang an miterlebt. Als junger Mann studierte ich Ingenieurswissenschaften in Delhi. Später ging ich zur Marine, wo ich eine Offizierslaufbahn einschlug. Hier arbeitete ich mit der aufkommenden Computertechnik. Über die Marine ließ ich mich fortbilden und war bald einer der ersten IT-Experten. Später war ich für ein kanadisches Unternehmen tätig. Ich habe auch zwei Jahre lang in Kanada gearbeitet und meine Frau und Kinder mitgenommen. Obwohl ich dort viel mehr Geld als in Indien verdient habe, hat uns das Leben in Kanada nicht gefallen. Es war furchtbar kalt und wir hatten Heimweh. Also habe ich den Job aufgegeben und wir sind nach Indien zurückgekehrt. Hier war es sehr einfach, sofort wieder einen guten Job zu finden.

Seit fünf Jahren arbeite ich nun für ein indisches Unternehmen in Neu Delhi. Hier bin ich der Senior. Ich schätze es, meine Erfahrungen weiterzugeben. Manchmal hat die Firma Kontakt mit Fachkräften aus dem Westen. Die sind meist angetan über unsere Kenntnisse. Manche kommen sogar nach Indien, um sich von uns weiterbilden zu lassen. Sorgen um einen Arbeitsplatz habe ich mein ganzes Berufsleben lang nicht kennen gelernt. Es ist nicht schwer, als indischer IT-Experte einen Job zu finden, aber es ist schwer, einen IT-Experten für eine offene Stelle zu finden."

Bri Jender, 33, arbeitet als Programmierer für ein indisches IT-Unternehmen

"Ich bekomme immer wieder neue Jobangebote. Ich habe Informatik in Bangalore studiert. Das Studium war hart. Man muss sehr viel lernen. Manchmal kam ich mir wie ein Affe vor, der darin trainiert wird, Computerprogramme zu bedienen. Aber Affen können natürlich nicht die intellektuelle Leistung erbringen. Vielleicht sind wir indischen IT-Fachkräfte ein wenig wie trainierte Super-Affen, schnell, gut und billig.

Schwierigkeiten bei der Jobsuche gibt es hierzulande jedenfalls nicht. Natürlich ist die erste Stelle nach dem Studium noch nicht so gut bezahlt, aber mit der Berufserfahrung wird es besser. Das Einkommen ist allerdings abhängig von der Spezialisierung. Man darf auch nicht den Anschluss verlieren und muss sich ständig fortbilden. Aber das ist wohl in jedem hoch spezialisierten Job der Fall.

Ich habe bisher dreimal den Job gewechselt. Zwei Jahre lang war ich als Programmierer in Bangalore bei einem amerikanischen Unternehmen. Das war ein Einsteigerjob. Dann wurde ich von einer anderen Firma abgeworben, wo ich etwas mehr Verantwortung hatte. Bei diesem Unternehmen war ich drei Jahre lang. Mittlerweile arbeite ich bei einer indischen Firma, die moderate Arbeitszeiten hat. Wochenendeinsätze und Nachtschichten kommen nur im Ausnahmefall vor. Neben der Arbeit sollte es aber auch ein Privatleben geben. Mir ist meine Familie sehr wichtig. Indien für einen Job im Ausland zu verlassen, käme für mich nie infrage."

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