IT-Arbeitsmarkt Lockmittel für Bewerber

IT-Experten sind rar und der Bedarf an Fachleuten ist branchenübergreifend hoch. Sie verdienen überdurchschnittlich. Mittelständler locken mit Zusatzleistungen. Vor allem die Gehälter des Führungspersonals steigen.

Maxim Kireev | , aktualisiert

Lockmittel für Bewerber

Foto: imageegami/Fotolia.com

Sucht Nico Küchler einen neuen Job, hat er die Qual der Wahl. Sind die Aufgaben interessant? Gibt es Freiräume? Passt das Gehalt? Küchler kann Ansprüche stellen. Als Softwareentwickler gehört er zu den gefragtesten Fachkräften am Arbeitsmarkt. "Nach manchem Vorstellungsgespräch habe ich mich schon gefragt, wer sich hier bei wem beworben hat", sagt Küchler.

Seinen aktuellen Job musste sich der 28-Jährige noch nicht einmal selber suchen. Etliche Headhunter kontaktierten ihn über das Online-Netzwerk Xing. Seit einem Monat arbeitet er nun als Java-Entwickler bei der IT-Tochter eines Logistikkonzerns.

Noch immer melden sich Personalberater bei ihm – manchmal sogar per Telefon am Arbeitsplatz. Das sei zwar nervig, aber auch ein Luxusproblem.

Komfortable Position für die Experten

IT-Fachleute wie Küchler sind begehrt – und das in der gesamten Wirtschaft. 43.000 Stellen waren laut Branchenverband Bitkom im Oktober nicht besetzt, doppelt so viele wie noch vor drei Jahren. Mit 25.000 Offerten entfiel die Mehrheit davon auf Unternehmen, die gar nicht primär in der IT-Branche tätig sind.

Und jedes zweite vom Bitkom befragte Unternehmen erwartet, dass der Personalbedarf noch weiter steigen wird.

Was für die Unternehmen ein ernsthaftes Problem darstellt, bringt Fach- und Führungskräfte in eine komfortable Position. Das zeigt sich schon beim Jahresgehalt. Dieses liegt in der mittelständisch dominierten IT-Branche laut Bitkom mit durchschnittlich rund 60.000 Euro höher als in anderen wichtigen Industriezweigen wie Fahrzeug- oder Maschinenbau. Angestellte in den IT-Abteilungen großer Unternehmen können sogar mit deutlich höheren Gehältern rechnen.

Für Mittelständler kaum finanzierbar

Und es gibt noch Luft nach oben: "Insgesamt spiegeln die Gehaltserhöhungen den wachsenden Bedarf nicht in vollem Maße wider", sagt Experte Böger. Die Zeit extremer Lohnsteigerungen aber sei seit dem Platzen der Internetblase zu Beginn des Jahrtausends vorbei.

Meistens ist es für die Unternehmen nicht möglich, neuen Mitarbeitern ein deutlich höheres Gehalt zu bieten als dem Rest der Belegschaft. Das Gesamtniveau der Löhne zu heben, ist vor allem für Mittelständler in der Regel nicht finanzierbar.

"Der hohe Bedarf führt natürlich zu Lohnsteigerungen", sagt Tim Böger, Geschäftsführer der Vergütungsberatung Personalmarkt. In einer aktuellen Studie hat sein Unternehmen zwar nur ein durchschnittliches Plus von 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ermittelt.

Ausgewiesene Spezialisten wie SAP-Berater oder Softwareentwickler konnten aber beim Gehalt im Schnitt um fünf Prozent zulegen. SAP-Entwickler in Führungspositionen verdienten sogar zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Hoch im Kurs stehen auch Experten für IT-Sicherheit. Sie werden nicht nur von spezialisierten Dienstleistern, sondern auch von den IT-Abteilungen großer Unternehmen gesucht.

Pharma- und Chemieindustrie zahlen am besten

Die Topverdiener unter den Fachkräften sind IT-Projektleiter. Besonders gut bezahlen Pharma- und Chemieindustrie sowie Finanzinstitute diese Fachleute. Ihr Durchschnittsjahresgehalt bei Pharmakonzernen beträgt knapp 100.000 Euro.

Bei Banken sind es immerhin 75.000. Deutlich schlechter schneiden dagegen der Handel, Medien oder der Öffentliche Dienst ab, mit Durchschnittslöhnen für die entsprechende Position von um die 60 000 Euro.

Freiberufler profitieren

Von den generell guten Aussichten in der IT-Branche profitieren neben den festangestellten Fach- und Führungskräften auch freiberufliche Computerspezialisten. Sie spüren einen steigenden Bedarf seitens der Unternehmen, die sich keine eigene Abteilung für dieses Aufgabengebiet leisten.

Das Internetportal Gulp, die größte Auftragsbörse für EDV-Experten in Deutschland, meldete jüngst mit 74 Euro ein neues Rekordhoch für den Stundensatz, den Freiberufler im Schnitt für ihre Leistungen fordern.

Um ihre Gehaltsstrukturen im Lot zu halten, versuchen viele Unternehmen laut Böger, sich mit Alternativen zum Einkommenszuschlag hervorzuheben. Sogar ein eigener Swimmingpool für Mitarbeiter sei möglich. Auch üppige Boni seien im Kommen.

Wie lassen sich IT-Experten in den Mittelstand locken? Vor dieser Frage steht auch Eva Neuberger, Personalverantwortliche beim Karlsruher Softwarehersteller CAS. Pro Jahr stellt das Unternehmen etwa 30 Mitarbeiter ein - aktuell ist noch über ein Dutzend Stellen für Softwareentwickler offen.

"Mit den Gehältern der großen Konzerne können wir oft nicht mithalten und müssen uns andere Anreize überlegen, um für unser Unternehmen zu werben", sagt Neuberger.

Geldwerte Zusatzleistungen?

Eine hohe Bedeutung habe die Unternehmenskultur. Alle im Betrieb sind laut Neuberger per du, auch mit den Chefs. Es gibt Sportkurse für Mitarbeiter und flexible Arbeitszeiten.

Das Unternehmen unterstützt seine Beschäftigten auch, sich weiterzubilden – etwa über ein nebenberufliches Masterstudium, für das die Mitarbeiter freigestellt werden. Das Wettbieten um die besten Kräfte will Neuberger nicht mitmachen: "Wenn jemand zu selbstbewusst seine Forderungen durchsetzen will, weil er von den Gehältern bei Großunternehmen gehört hat, dann passt er wohl auch nicht zu uns", sagt sie.

Entwickler wie Nico Küchler wären perfekte Kandidaten. Geld sei für ihn nicht das entscheidende Kriterium, sagt er. Einen hohen Stellenwert dagegen hätten Faktoren wie flexible Arbeitszeiten oder kostenlose Weiterbildung.

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