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Interview Studienkosten: "Jetzt noch Verlustvorträge geltend machen"

Interview Studienkosten "Jetzt noch Verlustvorträge geltend machen"

Angesichts des politischen Hickhacks um die Absetzbarkeit der Kosten für die Erstausbildung rät Rainer Nonnengässer, Vorstand der Youniq AG und Experte für studentisches Wohnen, Studenten und Auszubildenden, noch in 2011 auf Nummer sicher zu gehen.

karriere.de | , aktualisiert


Foto: Thorben Wengert/Pixelio

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Kosten für die Erstausbildung Werbungskosten und damit absetzbar sind. Was bedeutet das?

Rainer Nonnengässer: Laut eines Grundsatzes im Steuerrecht sind Ausgaben für die Arbeit Werbungskosten. Für die Kosten, die für ein Erststudium oder eine Erstausbildung anfallen, galt dies im Gegensatz zur Zweitausbildung bisher aber nicht. Sie waren einzig als Sonderausgaben bis zu 4000 Euro jährlich abziehbar. Dies stellte in den Augen des Bundesfinanzhofes eine Ungleichbehandlung dar.

Warum will der Bundestag dieses Urteil nicht in geltendes Recht umsetzen?

Für die Regierung dient die erste Berufsausbildung und das Erststudium nicht der beruflichen Ausbildung, sondern ist der privaten Lebensführung zuzuordnen Dies ist natürlich objektiv gesehen nicht haltbar und allein finanziell begründet, da die Anerkennung der Erstausbildung als Werbungskosten die Steuereinnahmen um rund 1,1 Milliarden reduzieren würde.

Das heißt, es gibt künftig keine Steuervorteile für Studenten?

Als kleines Trostpflaster für die Studenten wird die Pauschale für Sonderausgaben ab dem 1. Januar 2012 von 4000 auf 6000 Euro erhöht. Da Sonderausgaben im Gegensatz zu Werbungskosten nicht mit dem späteren Gehalt verrechnet werden können, profitieren davon nur die Studenten, die studienbegleitend arbeiten. 

Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Nachdem der Bundesfinanzhof ein deutliches Signal für mehr Anerkennung des Studiums als elementaren Baustein des späteren Berufs gesetzt hat, sehen wir die Absage des Bundestages als Missachtung der Relevanz der Studienkosten für eine adäquate Ausbildung.

Denn nicht nur die Qualität einer Ausbildung hängt maßgeblich von dem studentischen Budget ab, sondern auch die Entscheidung für oder gegen ein Studium ist immer noch bei vielen eine Kostenfrage.

Mit dieser Entscheidung werden die Bemühungen der Bundesregierung, die Studienquote insgesamt zu erhöhen und vor allem jungen Menschen aus Nicht-Akademiker Familien den Zugang zu einer Hochschulbildung zu eröffnen, unterlaufen.


Foto: Thorben Wengert/Pixelio

Was raten Sie jetzt Studenten?

Auch wenn eine Zustimmung des Bundesrats zum Gesetzentwurf Ende November zu erwarten ist, sollten Studenten und Auszubildende ihre Kosten zur Sicherheit noch in 2010 rückwirkend als Verlustvorträge geltend machen – und das für die letzten vier Jahre.

Sollten die Finanzämter diese Verluste nicht anerkennen, sollten die Betroffenen Einspruch einlegen.

Denn es ist davon auszugehen, dass dieses Thema zu erneuten Klagen am Bundesfinanzhof führt und die Frage, ob die Kosten für die Erstausbildung ebenso wie die der Zweitausbildung steuerlich absetzbar sind, am Ende vor dem Bundesverfassungsgericht landet. Sollte Karlsruhe die jetzt geplante Regelung für unwirksam erklären, profitieren diejenigen, die jetzt Einspruch einlegen.

Wie sollten Studenten vorgehen?

Studenten sollten alle Belege über Kosten sammeln, die im Zusammenhang mit dem Studium oder der Ausbildung entstehen und eine Steuererklärung abgeben. Dabei muss im Mantelbogen das Feld "Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags" angekreuzt und in der Anlage N die Kosten für die Ausbildung als Werbungskosten vermerkt werden.

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