Interview "Seht zu, dass Ihr das könnt, was Ihr wollt"

Stephan Scholtissek, Chef von Accenture Deutschland, Österreich und der Schweiz über Naturwissenschaftler als Manager, seine Leidenschaft für den Beruf und Zeit für die Kinder.

M. Tofern, S. Scheffler | , aktualisiert

Herr Scholtissek, wie kommt ein Naturwissenschaftler zur Unternehmensberatung?

Schrittweise: Ich habe an der Uni meine Veröffentlichung gemacht, habe dort meine Hochschulkarriere angefangen, war dann beim Max-Planck-Institut zum Promovieren. Mir hat gefehlt, dass das, was man dort tut, nicht auch wirtschaftlichen Erfolg bringt.

Ist das ein generelles Problem des Hochschulbetriebs?
Wenn die Hochschulen Forschung und Lehre sagen, dann ist das Problem eigentlich schon da. Wenn sie nur Forschung und Lehre machen, dann bereitet doch keiner die jungen Frauen und Männer auf das vor, was danach kommt. Und mit Forschung und Lehre verdiene ich kein Geld.

Sind Naturwissenschaftler die besseren Manager?

Besser ist, glaube ich, falsch. Ich bin fest davon überzeugt, dass Sie in einem Management-Team Leute haben müssen, die analytisch stark sind, Leute, die betriebswirtschaftlich stark sind, und Leute mit People Skills. Und wenn Sie die zusammenbringen, dann kriegen Sie mehr raus als Sie allein rausbekommen.

Was ist Ihre Kernaufgabe als Sprecher der Geschäftsführung von Accenture?

Ich muss einen Betrieb führen wie alle anderen auch. Ich muss nach außen ein Gesicht von Accenture in den deutschsprachigen Raum hineintragen, ich muss nach außen hin das vertreten und erklären, was wir tun, also die Philosophie und den Wertbeitrag, den wir bei den Kunden leisten, darstellen. Nach innen habe ich die Aufgabe, unsere 5000 Leute zu motivieren, tagtäglich mit Einsatz und Begeisterung das Beste rauszuholen.

Wie haben Sie bei so großer Verantwortung noch geschafft, einen Roman zu schreiben?

Wenn einem ein Job Spaß macht, dann guckt man nicht auf die Uhr. Den Roman habe ich auch nicht gemacht, um einen Literaturpreis zu gewinnen. Der Roman ist der Versuch eines Wirtschaftsmenschen, andere Teile der Gesellschaft für das zu begeistern, was Wirtschaft macht und was man damit erreichen kann. Das ist Herzstück meiner Kommunikationsarbeit nach außen.

Haben Sie Ihr Ziel erreicht?

Ja und nein. Nach einem Jahr waren etwa 6000 Exemplare verkauft. Das ist eine Zahl, die Sie mit einem Sachbuch nicht erreichen. Hätte ich mir noch mehr Resonanz gewünscht? Klar! Aber ich glaube, es hat sich gelohnt.

Muss man sich Ihrem Beruf voll und ganz verschreiben, um erfolgreich zu sein?
Das ist in der Dienstleistung noch viel wichtiger als in der Produktion. Viele Studenten, Doktoranden und junge Mitarbeiter fragen mich: 'wie mache ich denn Karriere'? Denen sage ich: Leute, das ist die falsche Richtung. Fragt, was ihr könnt und was ihr wollt und seht zu, dass ihr das könnt, was ihr wollt. Und wenn ihr dann unterwegs seid, seid ihr irgendwann besser als der Rest.

Finden Sie Absolventen, die mit Leidenschaft Berater werden wollen?

Die zu finden, die wirklich bereit sind, die Extra-Meile zu gehen, ist schon möglich, aber Sie finden am Ende nicht wirklich genug. Wir wollten im vergangenen Jahr 1000 Leute an Bord nehmen, wir haben gerade einmal 800 bekommen. Nicht, weil wir nicht genügend Bewerbungen gehabt hätten, sondern weil wir nicht genügend Leute gefunden haben, die für uns glaubhaft die Extra-Meile gehen können.

Haben Sie eigentlich genug Zeit für die Familie?

In der Woche ist es schwierig, mitzubekommen, wie die Kinder groß werden, ihnen durch die Schulprobleme zu helfen, da bleibt viel an meiner Frau hängen, manches fällt durch den Rost. Das ist leider so. Auf der anderen Seite haben die Kinder meine Telefonnummer, sie kennen meine E-Mail-Adresse, sie wissen wie sie einen Instant-Messenger benutzen, also die kriegen mich schon, wenn sie es wollen. Unsere Kinder haben beide ein Handy bekommen, als sie sieben geworden sind. Außerdem ist es wichtig, dass, wenn man zuhause ist, auch wirklich zuhause zu sein, und nicht weiterzuarbeiten. Aber die Lebensbestimmung kann nicht darin liegen, hundert Prozent seiner Aufmerksamkeit auf die Kinder zu richten.

Stephan Scholtissek

Stephan Scholtissek, geboren 1959, ist Vorsitzender der Accenture-Ländergruppe Deutschland, Österreich Schweiz. Der Biochemiker arbeitet seit 1997 bei dem Unternehmen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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