Interview mit Oliver Schiller MBA studieren an der University of Chicago

Junge Karriere interviewt Oliver Schiller, der als Executive Director bei Goldman, Sachs & Co. arbeitet. Mit seinem MBA-Studium in den USA nahm seine Karriere Fahrt auf.

Junge Karriere | , aktualisiert

Welche Schule?
University of Chicago - Graduate School of Business

Year of Graduation:
1999

Heutige Position:
Executive Director, Investment Banking Division bei Goldman, Sachs & Co. oHG

A. Gehalt und Karriere

1. Rückblickend betrachtet: Wo standen Sie job- / karrieremäßig, als Sie sich entschlossen, einen MBA zu machen?
Vor dem MBA habe ich zwei Jahre in einer Management Beratung im Bereich Telekommunikation gearbeitet. Nach zwei bis drei Jahren gibt es im Consulting eine "Sollbruchstelle": Man kann entweder an Bord bleiben und direkt versuchen, Karriere zu machen oder man strebt eine Promotion oder einen MBA an und kommt später wieder in das alte Unternehmen in eine Associate-Position zurück. Ich wollte auf jeden Fall nochmals an die Universität. Eine Promotion kam für mich aufgrund mehrerer Faktoren nicht in Frage (Zeit, geringe Interaktivität, Beschränkung auf ein Thema). Aus diesem Grund habe ich mich für einen MBA entschieden.

2a. Hatten Sie vor / bei Antritt des MBA-Studiums eine klare Karriere-Perspektive?
Ich hatte definitiv vor, in die Beratung zurückzukehren. Aus diesem Grund hatte ich ein Angebot meines alten Arbeitgebers zur Finanzierung meiner MBA-Studiengebühren angenommen.

2b. Hat sich dies dann mit / nach dem MBA auch so entwickelt?
Während eines Graduate-Studiengangs in den USA bietet sich die Sommerpause nach den ersten beiden Semestern für ein Praktikum an. Um einen neuen Einblick zu gewinnen, wollte ich dieses nicht in meinem alten Job beziehungsweise bei meinem alten Arbeitgeber machen. Ich habe mich daher bei drei Investmentbanken für eine Summer-Associate Position beworben. Bei Goldman Sachs in Frankfurt hat es geklappt, und ich habe dort sehr spannende Monate verbracht. Nach dieser Zeit war relativ schnell klar, dass ich nicht mehr in die Beratung zurückkehren wollte, sondern bei Goldman Sachs anfangen würde.

3. Hat sich der MBA job- / karrieremäßig gelohnt?
Ohne den MBA hätte ich wahrscheinlich nicht die Gelegenheit gehabt, Einblick in die Tätigkeit in einer Investmentbank zu gewinnen. Der Wechsel wäre dann wohl, wenn er überhaupt zustande gekommen wäre, nicht so einfach gewesen. Ich hätte schließlich nicht gewusst, was mich erwartet. Was die Inhalte des MBA angeht, hat es vor allem im Hinblick auf das in der reinen Praxis nur schwer zu erwerbende Fachwissen im Bereich Finance geholfen. Finance, das Spezialgebiet der University of Chicago, kam in meinem deutschen Studium wesentlich zu kurz (und die Behandlung war auch zu theoretisch).

4a. Wie haben Sie Ihr MBA-Studium finanziert?
Zunächst durch die Firma, bei der ich vor dem MBA tätig war. Als mir klar wurde, dass ich nicht mehr zurückkehren würde, habe ich die verbleibenden Kosten teils mit Mitteln, die ich während meiner vorherigen Tätigkeit gespart hatte, und teils mit Krediten finanziert. Darüber hinaus musste ich die bezahlten Studiengebühren an meinen alten Arbeitgeber zurückerstatten.

4b. Hat sich die Investition "ausgezahlt"?
Auf alle Fälle! Der Nutzen eines MBA ist aber auf keinen Fall rein monetär zu sehen. Ich wollte vor allem noch einmal in einem anderen Sprachraum studieren und neue Menschen kennenlernen.

B. Alumni-Netzwerk

5. Wie wichtig ist das Alumni-Netzwerk Ihrer Schule für Sie?
Da der Großteil meiner ehemaligen Kommilitonen in den USA lebt und arbeitet, habe ich zu ihnen naturgemäß etwas weniger Kontakt als meine amerikanischen Studienkollegen. Der Wert liegt für mich allerdings ohnehin nicht im institutionellen Netzwerk, da dieses immer nur einen Rahmen liefern kann. Mit einigen wenigen Kommilitonen habe ich noch sehr engen persönlichen Kontakt, teilweise sind aus dieser Zeit auch neue Freundschaften entstanden.

6. Wie nützlich sind diese Kontakte für Sie beruflich?
Nur sehr beschränkt. Das Alumni Netzwerk meiner deutschen Hochschule ist in Deutschland schon erheblich wichtiger.

C. Rückblickend betrachtet, was haben Sie in Ihrem MBA-Studium gelernt, was in Ihrem heutigen Job von Bedeutung ist?

7. An Fachwissen:
Wie bereits gesagt, habe ich mich im MBA Studium vor allem auf Finance und VWL fokussiert, beides Spezialgebiete in Chicago. Da hat der MBA noch einmal sehr viel an Fachwissen und vertieftem Verständnis gebracht. Zudem sind natürlich die Lern- und Vorlesungsmethoden in den USA ganz andere als in Deutschland. Sie zeichnen sich durch einen wesentlich höheren Praxisbezug aus. Der Unterricht ist viel interaktiver als in Deutschland, auch wenn dies manchmal schon klischeehaft klingt.

8. An sonstigen Fähigkeiten (soft skills etc.):
Für "soft skills" ist Chicago leider weniger bekannt. Wer sich für diese Alma Mater entscheidet, sollte wissen, dass die meisten Kommilitonen nicht deswegen nach Chicago kommen, sondern wegen Finance oder VWL, beides eher "hard skills". Was man an der Universität natürlich lernt, ist die freie Kommunikation, die direkte Auseinandersetzung mit den Ideen Anderer und das Halten von Präsentationen ebenso wie die offene Diskussion mit den anderen Studenten.

9. Jedes MBA-Programm, das auf sich hält, verspricht, für eine General Management-Position fit zu machen. Können Sie das aus Ihrer Erfahrung bestätigen?
Auch das trifft sicherlich nicht auf jede MBA-School zu. Es gibt auch hier Schulen, die sich eher auf das "Handwerkliche" fokussieren (wie Chicago oder MIT) und andere, bei denen die General Management Skills im Vordergrund stehen (beispielsweise Harvard oder Kellogg). Da ist es wichtig, dass man sich im Vorfeld ganz genau mit der jeweiligen Schule beschäftigt, um hinterher böse Überraschungen auszuschließen. Für mich standen solche Studieninhalte nicht so sehr im Vordergrund. Aber das heißt nicht, dass es in Chicago nicht auch solche Kurse gegeben hat.

10. Fühlten Sie sich nach / mit dem MBA für "höhere" Aufgaben besser gewappnet? Und waren Sie es - aus der Distanz betrachtet - auch tatsächlich?
Man sollte den MBA nicht überbewerten, es handelt sich schließlich nicht um die Karriere-Wunderwaffe. Der MBA kann für einige sehr wichtig sein, bei anderen mag er nicht viel bringen. Sicherlich versuchen MBA Programme, einen in fachlicher wie auch in persönlicher Hinsicht für zukünftige Aufgaben vorzubereiten. Ob dies Erfolg hat, hängt aber zuletzt von einem selbst ab. Ex post war der MBA vor allem ein Türöffner für einen anderen Karrierepfad. Ob dieser in "höheren" Aufgaben enden wird und wie der MBA dazu beigetragen hat, ist für mich aus heutiger Sicht keine relevante Frage. Ich habe die Zeit in Chicago sehr genossen und möchte sie in keiner Weise missen.

D. Die menschliche Erfahrung

11. Welche Bedeutung hat das MBA-Studium für Ihre persönliche Entwicklung?
Ich glaube, dass die Zeit in Chicago für mich vor allem im Hinblick auf das Leben in den USA eine ganz besondere Erfahrung war. Auf den ersten Blick sehr ähnliche Gesellschaften entpuppen sich bei genauerem Hinsehen doch als recht unterschiedlich, was zu positiven wie auch negativen Überraschungen führen kann.

12. Ein Ratschlag für jeden, der sich für einen MBA interessiert?
Ich würde auf jeden Fall einen MBA außerhalb Europas ins Auge fassen. Dies hat nichts mit der Qualität der Programme zu tun, da gibt es auch in Europa einige sehr gute Schulen, sondern vielmehr mit der Tatsache, dass man diese zwei Jahre nicht nur zum akademischen Training nutzen sollte. Das alltägliche Leben in einem anderen Kulturraum stellt eine ebenso wichtige Erfahrung dar. Man sollte auf keinen Fall nur die Karriere im Auge haben, Spaß gehört schließlich auch dazu.

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